FingerĂĽbung

Auch wenn das Zeitalter von Tastatur und Maus noch lange nicht zu Ende ist, haben sich insbesondere Touchscreens und - spätestens seit dem iPhone - Gestenerkennung verbreitet. Beide Eingabevarianten kombiniert das neue Multitouch-Display T230H von Acer.

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Von
  • Dieter Michel

Zunächst ist der Acer T230H ein normaler Monitor. Erst mit Unterstützung des Betriebssystems entfaltet er seine Touch-Fähigkeiten. Wer Vertreter der Gattung Touchscreen kennt, könnte befürchten, dass die Bedienung zu einer wackeligen Angelegenheit wird. Doch der T230H strahlt eine fast ungewohnte Solidität aus, die nicht allein vom massiven, metallenen Standfuß herrührt, sondern von der gesamten mechanischen Konstruktion. Das 23"-Widescreen-Display ist nicht nur schwenk-, neig- und in der Höhe verstellbar, sondern lässt sich dank Pivot auch ins Hochformat drehen. Das eigentliche LC-Display hat – leider – eine spiegelnde Oberfläche, die aber berührungsfreundlich und möglicherweise besser zu reinigen ist als eine matte.

Das TN-Panel (Twisted Nematic) kann mit seiner nativen Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten die volle HD-Auflösung (High Definition) ohne Interpolation darstellen. Dass die Entwickler diese und nicht die bei PC-Bildschirmen gängigere Auflösung 1920 x 1200 gewählt haben, lässt darauf schließen, dass sie dabei auch die Wiedergabe von Filmen im Hinterkopf hatten.

Tatsächlich sind zwei 1,5-W-Lautsprecher und ein HDMI-Eingang an Bord, an den sich DVD- oder Blu-Ray-Disc-Player direkt anschließen lassen. Hinzu gesellen sich ein analoger RGBHV- und ein ebenfalls HDCP-fähiger DVI-Eingang.

Die Touchscreen-Funktion des T230H soll Windows 7 laut Hersteller ohne Treiberinstallation unterstützen, und zwar inklusive Multitouch, Gesten- und Handschriftenerkennung. Den dazu erforderlichen Rückkanal zum PC stellt ein USB-Kabel her. Da parallel zum T230H der Acer Aspire 5738DG mit vorinstalliertem Windows 7 zum Test im Hause war (siehe Artikel „3D an Bord“ auf Seite 78), hat der Tester ihn kurzerhand zur Überprüfung der Touchscreen-Fähigkeiten des T230H missbraucht. In der Tat erkennt Windows 7 den Monitor ohne Weiteres als Tablet-Eingabegerät, das man über die Systemsteuerung kalibrieren und verwalten kann. Dazu muss man jeweils vier vorgegebene Punkte in jeder der vier Bildschirmecken berühren. Danach folgt der Mauszeiger ziemlich präzise den Berührungspunkten des Fingers auf dem Bildschirm.

Zusätzlich beherrscht der T230H – beziehungsweise Windows 7 – Multitouch und Gestenerkennung. Im Webbrowser etwa lassen sich Seiten ganz intuitiv mit dem Finger scrollen und umblättern. Eine horizontale Wischbewegung mit dem Finger („Blättern“) entspricht – je nach Richtung – dem Vorwärts- oder Rückwärts-Button des Browsers. Nach kurzer Zeit hat man sich an diese intuitive Bedienung speziell eines Webbrowsers gewöhnt. Ansichten lassen sich dadurch skalieren, dass man zwei Fingerspitzen von- beziehungsweise zueinander bewegt. In ähnlich intuitiver Weise dreht man Bilder – indem man mit zwei Fingern auf dem Bildschirm eine Drehbewegung ausführt.

Will man Texte eingeben, kann man mit einer kurzen Fingerbewegung ein Tastenfeld auf den Bildschirm ziehen, das immer dann am linken Rand erscheint, wenn sich der Cursor in einem Texteingabefeld befindet. Alternativ zur simulierten Tastatur kann die Anwenderin die Handschrifterkennung wählen, für die dann ein Eingabefeld erscheint. Last, but not least kann man in Zeichenprogrammen mit dem Finger einfach auf den Bildschirm malen.

Der Acer T230H erreicht eine maximale Bildhelligkeit von 267 cd/m2, minimal einstellbar sind 31 cd/m2. Bei einer normalen Arbeitsleuchtdichte von 140 cd/m2 beträgt der gemessene (Fullscreen-)Kontrast 1000:1 – er bleibt auch bei höheren Leuchtdichten konstant. Der Farbraum des T230H entspricht recht genau dem sRGB-Farbraum.

Der Acer T230H macht auf unkomplizierte Weise Multitouch, Gesten- und Handschrifterkennung des Windows 7 zugänglich. Durch die solide mechanische Konstruktion ist der Monitor nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen geeignet – unter Umständen auch als Informationsterminal. Alles in allem kann man gegen den Straßenpreis von etwa 280 Euro netto nichts einwenden, muss aber ein Betriebssystem-Upgrade auf Windows 7 einkalkulieren, um alle Funktionen des Bildschirms nutzen zu können.

arbeitet als freier DV-Journalist und ist Chefredakteur der Fachzeitschrift Prosound. (sun)