Freie Java-Server-Projekte zanken sich um Quellcode
Das kommerzielle Unternehmen hinter dem quelloffenen J2EE-Server JBoss wirft der Apache Software Foundation vor, Teile des JBoss-Quellcodes fĂĽr das Projekt Geronimo abgeschrieben zu haben.
Das kommerzielle Unternehmen hinter dem quelloffenen J2EE-Server JBoss wirft der Apache Software Foundation vor, Teile des JBoss-Quellcodes für das Projekt Geronimo einfach abgeschrieben zu haben. Ein Anwalt schickte im Namen der JBoss Group ein Schreiben an die Apache-Entwickler, das drei Codebeispiele enthält, um die Vorwürfe zu belegen. Die Anwälte fordern Apache dazu auf, die beanstandeten Dateien aus dem Projekt zu entfernen.
Da beide Projekte als Open-Source entwickelt werden, geht es bei dem Streit eigentlich um die Software-Lizenzen: Die JBoss-Entwickler veröffentlichen ihren Code unter der Lesser General Public License (LGPL), während die Apache-Lizenz sich an der BSD-Lizenz orientiert. Die BSD-Lizenz ist noch freier als die LGPL und erlaubt die Übernahme des Quellcodes auch in kommerzielle Projekte, ohne dass die resultierende Software ebenfalls Open Source sein muss. Die Apache-Entwickler dürfen nicht ohne Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers Quellcode kopieren und unter ihrer eigenen Lizenz veröffentlichen.
Die von der JBoss-Group beanstandeten Codeschnipsel sehen dem Geronimo-Quelltext tatsächlich recht ähnlich, allerdings enthalten sie keine besonderen Algorithmen. Vielmehr lassen sie darauf schließen, dass einige ehemalige JBoss-Entwickler ihre Ideen in das Geronimo-Projekt einfließen ließen. Manche der Ähnlichkeiten sind gar nicht verwunderlich: Die Klassen sind teils von denselben Bibliotheken abgeleitet. Juristisch von Belang könnten lediglich die teils identischen Variablennamen sein.
In einem Forum auf der Java-Newssite The Server Side ist bereits eine rege Diskussion zwischen den Parteien entbrannt. Auch auf dem Kongress Apachecon 2003, der am 16. November in Las Vegas parallel zur Comdex startet, soll ĂĽber die Auseinandersetzung diskutiert werden.
Das Geronimo-Projekt hatte die Apache Software Foundation im August ins Leben gerufen. Als Ziel haben sich die Entwickler gesetzt, einen freien J2EE-Server zu entwickeln, der von Sun als J2EE-kompatibel zertifiziert werden soll. Die JBoss Group bemüht sich schon längere Zeit vergeblich, eine solche Zertifizierung für ihren Server zu erlangen. Der Apache Software Foundation dürfte die Einigung mit Sun leichter fallen, denn sie ist ein wichtiges Mitglied im Java Community Process. (kav)