Deutscher Zukunftspreis für Flüssigkristalle (Update)

Der mit 250.000 Euro dotierte Preis geht dieses Jahr an ein Forschungsteam der Darmstädter Merck KG.

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Von
  • Dr. Susanne Schwonbeck

Die Entscheidung über die Vergabe des Deutschen Zukunftspreises ist gefallen: Gewinner ist das Projekt "Leichter, heller, schneller: Flüssigkristalle für Fernsehbildschirme" der Forscher Dr. Kazuaki Tarumi, Dr. Melanie Klasen-Memmer und Dr. Matthias Bremer des Darmstädter Unternehmens Merck KG. Der mit 250.000 Euro dotierte Preis wurde am gestrigen Donnerstag Abend im Deutschen Technik-Museum in Berlin verliehen und von Bundespräsident Johannes Rau überreicht.

Obwohl die Entdeckung der Flüssigkristalle fast einhundert Jahre zurückreicht, lag die Entwicklung der Substanzen, die Eigenschaften von Kristallen und Flüssigkeiten in sich vereinen, bis in die 80er Jahre in einem Dornröschenschlaf. So interessierte sich die Firma Sharp erst 1980 für die Anwendung von LCDs für Anzeigen ihrer Taschenrechner.

LCDs bestehen aus zwei Glasplatten, die einen mit einer Mischung der Kristalle gefüllten Raum einschließen; ohne dieses "Sandwich" würden sie wegfließen. Beim Anlegen eines elektrischen Feldes ändern die Flüssigkristalle ihre Anordnung im Raum. Je nach Lage der Teilchen sind sie mehr oder weniger lichtdurchlässig und erzeugen so Bilder auf der Glasplatte.

Die Leistung der Preisträger ist die Neuentwicklung von Vertically Aligned (VA)- Flüssigkristallen, die heute für LCD-Fernseher verwendet werden. Diese liefern hellere Bilder, besseren Kontrast und schalten schneller als die in den 90er Jahren üblichen LCD-Materialien.

Da das Unternehmen Merck Patente auf VA-Materialien hält, verwundert es nicht, dass Merck zurzeit 50 Tonnen der weltweit produzierten 60 Tonnen Flüssigkristalle pro Jahr herstellt. Merck übernimmt jedoch nur die Herstellung der Flüssigkristalle und deren Mischung. Je nach gewünschten Eigenschaften der Displays wie z.B. Kälteresistenz ist eine besondere Mischung der Flüssigkristalle erforderlich. Die Herstellung der Bildschirme mit ihren Flüssigkristallen überläßt sie Unternehmen aus Asien.

Das bisher bekannteste mit dem Zukunftspreis ausgezeichnete Projekt war die im Jahr 2000 nominierte Audio-Kompressionstechnik MP3 , die von den Fraunhofer-Institut-Mitarbeitern Karlheinz Brandenburg, Bernhard Grill und Harald Popp entwickelt worden waren.

Die diesjährige Preisverleihung zeigt das ZDF am heutigen Freitag, den 14.11.2003 um 22.35 Uhr und Phoenix am gleichen Tag ab 16:15 Uhr. (Susanne Schwonbeck)/ (tol)