Olympiade der Computerspielprogramme
Heute beginnt in Graz die achte Computer-Olympiade. Programme aus aller Welt treten unter anderem in chinesischem Schach, Shogi, Go, 100-Felder-Dame, Backgammon und sogar "Schere, Stein, Papier" (RoShamBo)gegeneinander an.
Heute beginnt in Graz die achte Computer-Olympiade. Programme aus aller Welt treten in dreizehn verschiedenen Denkspielen gegeneinander an, unter anderem in chinesischem Schach, Shogi (japanisches Schach), Go, 100-Felder-Dame, Backgammon, Amazons, Abalone, Lines of Action, Hex und sogar "Schere, Stein, Papier" (RoShamBo).
Auch klassisches Schach ist eine der olympischen Disziplinen -- das Schachturnier gilt gleichzeitig als 11. Computerschach-Weltmeisterschaft. Allerdings geht es nicht allein um das stärkste Programm, sondern um die erfolgreichste Kombination aus Hardware und Software -- jeder Teilnehmer darf seinen bevorzugten Rechner mitbringen. Favoriten des Turniers über elf Runden sind daher die Spitzenprogramme mit den schnellsten Computern. Titelverteidiger Junior spielt auf einem Multi-Prozessor-System mit vier 2,8-GHz-Xeon, Shredder auf einem Dual-Xeon-Rechner (3 GHz). Zum Favoritenkreis gehört noch Brutus, eine FPGA-Steckkarte, die ähnlich wie DeepBlue funktioniert. Acht solcher Karten parallel geschaltet sollen in Graz die Gegnerschaft in Schach halten. Auch das holländische Programm Diep hat Titelchancen; es läuft auf einem Supercomputer mit 500 Prozessoren.
Fritz wird auf dem in New York stehenden X3D-Rechner spielen, ein weiteres Vierfach-System mit 2,8-GHz-Xeon. Gegen den stärksten nichtelektronischen Schachspieler, Garri Kasparow, hatte Fritz auf dieser Hardware ein Unentschieden in ihrem kürzlichen Match erreicht, in einer Partie allerdings so chancenlos verloren wie ein Halma-Programm und seinen einzigen Sieg überaus glücklich erzielt. Die erste Runde des heute startenden Turniers will der Veranstalter ab 16 Uhr live übertragen.
Die stärksten Schachprogramme spielen heute auf Weltmeister-Niveau, aktuelle Go-Programme erreichen dagegen nur die Stärke eines Hobbyspielers. Auch die Programmstruktur ist noch nicht so festgelegt; Schachprogramme erreichen ihre Stärke durch eine tiefe Suche im Spielbaum, kombiniert mit einer sehr stark approximativ arbeitenden Bewertungsfunktion. Wegen der großen Anzahl von Möglichkeiten -- ein Go-Brett hat 361 Felder -- verwenden die Go-Programmierer normalerweise keine Baumsuche, sondern setzen eher auf Mustererkennung. Teilweise arbeiten sie mit neuronalen Netzen nach dem Beispiel der Backgammon-Programme, die damit stärker als jeder Mensch spielen. Dieser Umstand scheint eine demotivierende Wirkung auf potenzielle Programmierer zu haben -- während mit Titelverteidiger BGBlitz und GnuBackgammon nur zwei Programme um Olympiagold kämpfen, versuchen sich elf Go-Programme und sogar bei RoShamBo sind es noch sieben Teilnehmer. (Lars Bremer) (gr)