Virtuelle Trauer: Seite bietet Nachrufe im Internet
Die Kirche sieht das Angebot von Trauerplattformen im Internet mit Skepsis.
Eine ewige Erinnerung an einen geliebten Menschen -- auch das Medium Internet bietet jetzt die Möglichkeit, Verstorbener zu gedenken. Auf Trauerplattformen können Hinterbliebene virtuelle Nachrufe verfassen. Ralf Michalowsky aus Gladbeck bietet so eine Plattform: Die Seite memosite.de. "Ich glaube, es gibt viele Menschen, die befürchten, dass sie nach ihrem Tod vergessen werden oder dass ihre Lebensleistungen nie richtig gewürdigt werden würden", sagt Michalowsky. Der EDV-Bereichsleiter der Volkshochschule in Gladbeck hat seit September die Seite geschaltet.
Sie bietet die Möglichkeit für Angehörige, die Verstorbenen im weltweiten Netz zu verewigen - mit virtuellem Nachruf, virtuellem Kondolenzbuch, Fotos und Musikeinspielungen. Allerdings ist die Seite nicht kostenfrei. Ein Nachruf kostet 150 Euro. "Wenn sie denken, das sei ein stolzer Preis, dann zeige ich ihnen andere Anbieter im Internet", verteidigt Michalowsky sein Angebot. "Manche nehmen 350 Euro für zwei Jahre". Immerhin: Die Seite verzeichnet seit dem Start im September weit über 5000 Zugriffe und bereits sechs Nachrufe seien dort zu lesen.
Die Grundidee für die Seite hat trotz des sensiblen Themas eher profanen Ursprung. "Ich bin Ökonom und habe vor 27 Jahren meine Diplomarbeit über die wirtschaftliche Stellung von Bestattern geschrieben. Seitdem hatte ich immer wieder mit dem Thema zu tun", sagt der 53-jährige.
Das Bistum Essen steht der Sache aber eher zwiespältig gegenüber. "Angebote, die der Trauerbewältigung dienen können, begrüßen wir natürlich grundsätzlich", sagte ein Sprecher des Bistums am Freitag. "Es schmälert die Seite auch nicht unbedingt, dass die Dienste kostenpflichtig sind" -- eine Traueranzeige in der Zeitung koste auch Geld. "Was fehlt, sind aber Angebote, die Hinterbliebenen wirklich helfen können." Hier gebe es zum Beispiel kostenlose Netzwerke, in denen sich trauernde austauschen und möglicherweise stützen könnten. Ein beispiel sei Trauernetz.de - ein Angebot der evangelischen Kirche. (Fajsz Deáky, dpa) / (boi)