Regulierungsbehörde senkt Preise für Netzzusammenschaltung
Die Preise für die Zusammenschaltung der Netze verringern sich im Schnitt um 9,5 Prozent.
Für die Durchleitung von Telefonaten durch das Netz der Deutschen Telekom müssen die Wettbewerber künftig weniger Geld zahlen. Die Preise für die Zusammenschaltung der Netze verringerten sich im Schnitt um 9,5 Prozent, teilte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) heute mit. Der Präsident der obersten Aufsichtsinstanz über den deutschen Telekom-Markt, Matthias Kurth, sprach von einer "angemessenen und marktgerechten Festlegung".
In der Hauptzeit liegen die neuen Preise zwischen 0,59 und 1,52 Cent, in der Nebenzeit zwischen 0,4 und 0,99 Cent je Minute. Diese Gebühren müssen die Telekom-Konkurrenten an den Marktführer für die Durchleitung von Telefonaten abführen. Die Tarife gelten vom 1. Dezember an und haben eine Laufzeit bis zum 31. Mai 2006. Die Endverbraucherpreise bleiben davon erst einmal unverändert. Allerdings erhöhen sich für die Wettbewerber die Gewinnmargen beziehungsweise der Spielraum für Preissenkungen.
Die Preisabsenkung gehe "eindeutig am Markt vorbei", kritisierte die Telekom laut dpa. Es habe überhaupt keinen Grund gegeben, an den Preisen für Vorleistungsprodukte zu drehen. Der Marktführer hatte sich wenig überraschend für eine Beibehaltung der bisherigen Interconnection-Tarife eingesetzt. Das Unternehmen behalte sich vor, rechtliche Schritte einzuleiten.
Auch der Verband der Stadtnetzbetreiber rügte die Entscheidung: Die Absenkung der Tarife schade dem Wettbewerb, erklärte der BREKO in Bonn. "Als Ausgleich für die Fehlentscheidung ist eine Festlegung von deutlich höheren Entgelten zu Gunsten der regionalen und lokalen Carrier unumgänglich", forderte der Geschäftsführer Rainer Lüddemann. Die Stadtnetzbetreiber beziehen einen nicht unerheblichen Anteil ihres Umsatzes aus den Entgelten für die Durchleitung von Fremdverkehr durch ihr eigenes Netz.
Dagegen sprach der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) von einem "Schritt in die richtige Richtung". Für die Wettbewerber seien noch höhere Preissenkungen nötig gewesen, sagte Geschäftsführer Jürgen Grützner auf Anfrage.
Vor zwei Jahren hatte die Regulierungsbehörde die Preise für die Netzzusammenschaltung um 14 Prozent gesenkt. Diesmal seien die Abschläge geringer ausgefallen, weil sich Deutschland den effizientesten Ländern Europas angenähert habe, hieß es. (anw)