Regulierer legt neue Preise fĂĽr Durchleitung bei City-Carrier fest
Die Stadtnetzbetreiber wie HanseNet wollten weit höhere Beträge für die Durchleitung von Telefongesprächen durch ihre Netze als nun vom Regulierer genehmigt.
Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) legte fest, dass die City-Carrier bei Durchleitung von Telefongesprächen durch ihre eigenen Netze 0,5 Cent mehr verlangen können als die Telekom bei der entsprechenden Leistung im umgekehrten Fall. Die Entscheidung gilt bis zum 31. Oktober 2004. Die neuen Preise, die Telekom verlangen darf, waren von der Regulierungsbehörde gerade erst neu festgesetzt worden: Sie liegen nach dem Beschluss der Regulierungsbehörde zwischen 0,59 und 1,52 Cent, in der Nebenzeit zwischen 0,4 und 0,99 Cent je Minute; für die City-Carrier ergibt sich damit in der Tarifzone I ein Betrag von 1,09 beziehungsweise 0,9 Cent, den sie von der Telekom pro Minute verlangen dürfen.
15 City-Netzbetreiber, darunter NetCologne, HanseNet, KomTel und die Tropolys-Gruppe (unter anderem Carrier aus Hanau, Frankfurt oder Dresden) hatten im Sommer Anträge auf Festlegung ihrer so genannten Terminierungsentgelte eingereicht. Sie hatten allerdings nach Angaben der RegTP jeweils unterschiedliche Preise beantragt, die aber alle weit über den bisher von der Telekom bezahlten Preisen lagen. Die Telekom hatte, kaum überraschend, höhere Preise grundsätzlich abgelehnt.
Der Präsident der RegTP, Matthias Kurth, nannte die Entscheidung einen fairen Kompromiss. Bei ihrer Entscheidung habe der Regulierer bereits neue europarechtliche Vorgaben für die Entgeltregulierung berücksichtigen müssen, die noch gar nicht in deutsches Recht umgesetzt worden seien. Es sei ein angemessener Preis festzulegen gewesen, der "den Interessen der Endkunden einerseits sowie den unterschiedlichen Interessen der Stadtnetzbetreiber und der Deutschen Telekom AG andererseits Rechnung trägt". Da die Preisvorstellungen der City-Carrier und der Telekom weit auseinander gelegen hätten, "wird es auch niemanden überraschen, dass diese Entscheidungen keine ungeteilte Zustimmung finden können", kommentierte Kurth den Beschluss seiner Behörde etwas vorausschauend.
So ergeben die ersten Kommentare denn auch unterschiedliche Standpunkte wieder. Der Geschäftsführer von NetCologne, Werner Hanf, kritisierte die Entscheidung der Behörde als einseitig zu Gunsten der Telekom. "Die lokalen und regionalen Unternehmen sind bitter enttäuscht über die Höhe des Entgeltes." Es sei ein Beschluss gegen die Netzbetreiber, die in Infrastrukturen investiert hätten. "Die Entscheidung ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber zu kurz gesprungen", sagte Rainer Lüddemann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Stadtnetzbetreiber (Breko). "Wir werden darüber nachdenken, die regulatorisch bedingten Mehrkosten verursachungsgerecht zuzuordnen", sagte Telekom-Sprecher Frank Domagalla gegenüber dpa. Denkbar wäre eine Bandansage mit dem Hinweis, dass der Wettbewerber bei einem bestimmten Anruf einen Aufschlag verlange. (jk)