IT-Branche sieht Arbeitsplatzverluste gestoppt
Der Branchenverband Bitkom schätzt die Konjunkturaussichten positiv ein; Mobilfunk und Internet bleiben die Wachstumstreiber.
In 2004 werden die Umsätze der IuK-Branche in Deutschland wieder knapp den Stand von 2001 mit 134,7 Milliarden Euro erreichen und nach dem Nullwachstum in diesem Jahr um 2% auf 134 Milliarden Euro ansteigen. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Branchenbarometer, das der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) heute in Berlin präsentierte. "In absoluten Zahlen liegen wir damit sogar besser als im Boom-Jahr 2000", erklärte Bitkom-Präsident Willi Berchtold bei der Vorlage des Berichts. "Der Auftragsbestand der Unternehmen nimmt zu".
Knapp 70 Prozent der befragten Firmen rechnet für 2004 mit steigenden Umsätzen; nur jedes zehnte Unternehmen geht von einer sinkenden Nachfrage aus, während andererseits zehn Prozent sogar mit einem kräftigen, zweistelligen Umsatzplus kalkulieren. Im Hard- und Softwaremarkt erwarten jeweils zwei Drittel der Anbieter eine steigende Nachfrage im kommenden Jahr - nach Notebooks, kleinen Servern und Multifunktionsgeräten bei der Hardware, sowie nach Lösungen in den Bereichen Knowledge Management, IT-Sicherheit und Geschäftsprozessoptimierung im Segment Software. Der stärkste Treiber aber sollen laut Bitkom-Umfrage die Mobilfunk- und Online-Dienste sein, wo 83 Prozent der Unternehmen mit Umsatzanstiegen rechnen und teilweise Wachstumserwartungen zwischen 5 und 10 Prozent angaben. Die zentralen Innovationsfelder der kommenden Jahre verortet Berchtold in den Bereichen UMTS, Breitband-Technologie, Verkehrstelematik und auf dem E-Health-Sektor.
Die positiv eingeschätzte Umsatzentwicklung wird sich laut Bitkom jedoch nur langsam auf den Arbeitsmarkt auswirken, auf dem die Beschäftigenzahl der Branche in diesem Jahr von 781 000 auf 751 000 zurückging. Für 2004 erwartet der Verband ein Ende des Arbeitsplatzabbaus und für 2005 eine spürbare Belebung des Stellenangebots. Immerhin sehen inzwischen 29 Prozent der Mitgliedsunternehmen im Fachkräftemangel ein gravierendes Markthemmnis; ein deutlicher Anstieg gegenüber 12 Prozent vor einem halben Jahr. Das Problem sei vor allem die Diskrepanz zwischen den Stellenanforderungen und den Qualifikationsprofilen der verfügbaren Arbeitskräfte, betonte der Bitkom-Präsident; sie seien "häufig unter- und zuweilen auch überqualifiziert - in vielen Fällen zumindest falsch qualifiziert". Bestehende Qualifikationslücken schlössen die Unternehmen zumindest teilweise durch Weiterbildungsmassnahmen, und einen Teil des Bedarfs decken sie durch den Import von Fachkräften: Nach Angaben von Berchtold werden derzeit jede Woche etwa 50 Green Cards ausgestellt.
Heftig ging der Verbandspräsident mit dem "hektischen Aktionismus" der Steuerpolitik ins Gericht und forderte mehr Planungssicherheit. Die Steuergesetzgebung qualifizierte er als "zu unbeständig, intransparent und kompliziert". Neun Gesetzpakete, mehr als 60 Erlasse des Bundesfinanzministeriums sowie die mehrmaligen Änderungen des Umsatzsteuergesetzes allein in diesem Jahr hätten die Unternehmen ständig zu Anpassungen ihrer betrieblichen Organisation, Buchführung und betriebswirtschaftlichen Planungen gezwungen.
Gleichwohl sind die Firmen der Umfrage zufolge mit der Wetterlage in Berlinoffenbar gar nicht so unzufrieden. Während sie vor einem halben Jahr noch zu 64 Prozent die Politik als das größte Markthemmnis ausmachten, landete sie jetzt mit nur noch 16 Prozent auf dem vierten Rang, hinter der schwachen Binnennachfrage (32,6 Prozent) und dem Fachkräftemangel (29 Prozent). Den Spitzenplatz auf der Negativliste nehmen jetzt mit 52 Prozent der Nennungen die Banken ein, vor allem wegen der von kleinen und mittelständischen Unternehmen als zu restriktiv empfundenen Kreditvergabe.
Ob die Finanzwelt die Wachstumsaussichten anders einschätzt als die Branche selbst? Die Marktforscher von Forrester Research, die 490 Unternehmen in vier westeuropäischen Ländern befragt haben, sagen allerdings, Investitionen in IT-Infrastruktur werden in Deutschland und Niederlande im kommenden Jahr stagnieren oder gar schrumpfen. In diesem Jahr seien hierzulande die Investitionen um vier Prozent zurückgegangen und im kommenden Jahr sei ein Rückgang von ein Prozent wahrscheinlich. Um Kosten einzusparen denken viele Unternehmen an Outsourcing, anstatt in Consulting zu investieren.
Siehe dazu auch:
- WidersprĂĽchliche Zeichen fĂĽr die IT-Branche
- Gartner empfiehlt Unternehmen Investitionen in IT-Infrastruktur
- Ende der Krise in der IT- und TK-Branche in Sicht
- Marktforscher glauben an steigende IT-Investitionen
- Chef von Intel Deutschland sieht IT-Investitionen wachsen
- EU-Studie: Ă–ffentliche IT-Investitionen bringen reale Kosteneinsparungen
(Richard Sietmann) / (anw)