Reklame-Popups sind wie Grippeimpfung

Das Jungunternehmen D Squared Solutions, im November von der amerikanischen Gewerbeaufsicht wegen seiner Online-Reklamepraxis abgemahnt, wehrt sich mit skurrilen Gegenargumenten.

vorlesen Druckansicht 263 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Das Jungunternehmen D Squared Solutions, im November von der amerikanischen Gewerbeaufsicht FTC wegen seiner Reklamepraxis abgemahnt, wehrt sich mit skurrilen Gegenargumenten. Das Unternehmen hatte die Unzulänglichkeiten von Microsofts Windows-Nachrichten-Service genutzt, um beliebigen Anwendern penetrante Popup-Reklame ausgerechnet für einen Popup-Reklameblocker ins Haus zu schicken.

Der Windows-Dienst soll eigentlich Systemmeldungen ĂĽbermitteln, etwa bevor ein Netzwerkserver heruntergefahren wird. D Squared missbrauchte das Protokoll jedoch, um an Firewalls vorbei stĂĽndlich bis zu 135.000 IP-Adressen mit kommerziellen Popup-Botschaften zu bombardieren, die sogar nach dem Trennen der Internetverbindung im zehnminĂĽtigen Abstand wiederkehren und ihre Opfer motivieren sollten, dem Absender 25 bis 30 US-Dollar fĂĽr einen Popup-Blocker zu bezahlen.

Die FTC bezeichnete dieses Gebahren, das wie eine Schutzgelderpressung per Internet anmutet, nicht nur als unlauteren Wettbewerb, sondern als sittenwidrig. Jetzt meldet sich D Squareds Anwalt jedoch mit ganz anderen Argumenten zu Wort: "Es gibt kein Gesetz, das störende Werbung für illegal erklärt", meinte Anthony Bain im Vorfeld der für kommenden Montag anberaumten Anhörung, diese sei vielmehr "der Preis dafür, in unserer Gesellschaft Geschäfte zu betreiben". Außerdem seien es gerade diejenigen Anwender, die sich am lautesten über D Squareds Anzeigen beklagten, die den Reklameblocker am allernötigsten bräuchten. Die praktizierte Werbung dafür zu verbieten, sei genauso, als wenn man Grippeimpfungen zum Ärgernis erkläre, obwohl sie doch verhinderten, dass man die Grippe bekommt.

Diesen Äußerungen ist allerdings noch eine Ergänzung hinzufügen. Internet-Nutzer, die den Nachrichten-Service nicht für Aufgaben im lokalen Netz benötigen, können den Windows Messenger auch ohne Hilfe von D Squared einfach abschalten: Die erforderlichen Mausklicks gehören der Reihe nach auf "Start", "Einstellungen", "Systemsteuerung", "Verwaltung", "Komponentendienste" (Doppelklick), "Dienste (lokal)" und "Nachrichtendienst" (Doppelklick). Dort wählt man "Deaktiviert" und klickt auf "Beenden" -- und Ruhe kehrt ein. (hps)