Touchpad 2.0
Maus und Tastatur waren gestern: Der Interface-Spezialist Synaptics will die Rechnerbedienung mit Gesten umkrempeln.
- Erica Naone
Maus und Tastatur waren gestern: Der Interface-Spezialist Synaptics will die Rechnerbedienung mit Gesten umkrempeln.
Eine neue Software soll es Laptop-Benutzern künftig erlauben, komplexe Aufgaben per Fingerzeig zu erledigen. Das Werkzeug namens Scrybe erweitert den Funktionsumfang von Touchpads und steht seit kurzem als limitierte Betaversion bereit. Es stammt vom US-Interface-Spezialisten Synaptics aus Santa Clara. Die Firma hat viel Erfahrung: Sie stattet bereits jetzt 70 Prozent aller Notebooks auf dem Markt mit Touchpads aus; im kleineren Netbook-Sektor sind es gar 90 Prozent. Mit Scrybe können Nutzer beispielsweise im Web suchen, in dem sie den Buchstaben "G" für Google auf das Touchpad zeichnen. Aber auch eigene Gesten sind definierbar.
Scrybe-Projektleiter und Synaptics-Manager Ted Theocheung sieht mit der neuen Lösung einen Paradigmenwechsel – weg von Tastatur und Maus, hin zu einem "Gesten-Workflow", mit dem sich auch kompliziertere Jobs wie Online-Shopping oder Multimedia-Konsum direkt vom Touchpad aus erledigen lassen. Dadurch müsse man weniger tippen und die Anzahl der notwendigen Schritte verringere sich. Synaptics erweitert damit Multitouch-Funktionen, wie sie einzelne Laptops bereits besitzen – etwa das Scrollen mit zwei Fingern oder Wischgesten für das Vor- und Zurückblättern im Browser.
Der Nutzer startet Scrybe, indem er mit drei Fingern auf das Touchpad tippt. Dies aktiviert einen Modus, bei dem der Nutzer Kommandos mit einem einzelnen Finger "malen" kann – etwa ein "W", um Wikipedia zu öffnen und das vorher selektierte Wort nachzuschlagen. Ist diese Aufgabe erledigt, führt die Dreifingergeste zurück zum normalen Touchpad-Modus, in dem die Sensorfläche wieder als Mausersatz dient.
"Die Konzentration auf das Touchpad ist definitiv wertvoll", meint Gabriel White, Direktor für Interaktionsdesign beim Interface-Software-Spezialisten Punchcut. Synaptics nutze die Eingabefläche als Abkürzung für Power-User. Es sei allerdings fraglich, ob dies auch Anfänger verstünden.
Komplexere Gesten sind heute vor allem deshalb möglich, weil sich die Technologie der Touchpads verbessert hat. Die Sensorflächen sind äußerst genau geworden. "Ein Teil der Scrybe-Funktionen lag schon lange in unserem Labor, aber erst mit diesen neuen Touchpads wurde sie umsetzbar", sagt Synaptics-Mann Theocheung.
Nutzer mit älteren Geräten können immerhin eine einfachere Version von Scrybe verwenden, der Multitouch-Gesten, also solche mit mehreren Fingern gleichzeitig, fehlen. Synaptics will seine Software bald an PC-Hersteller ausliefern, die sie dann zusammen mit neuen Laptops verkaufen könnten.
Der Erfolg gestenbasierter Schnittstellen hängt allerdings stark davon ab, wie sehr sich die Nutzer umstellen müssen. Interaktionsdesigner White empfiehlt deshalb die Schaffung einer Art Standardvokabular, das bei allen Geräten funktioniert. "Wenn man jemandem ein Touchscreen-Telefon gibt, wird er oder sie sofort Gesten ausprobieren, die sie irgendwo anders gelernt haben." Hier habe etwa Apples iPhone Standards gesetzt.
(bsc)