Medizinethiker sieht Computerdiagnosen skeptisch
Expertensysteme auf Computerbasis, die nach einer Patientenanalyse Diagnosen und Therapievarianten vorschlagen, haben sich nach Ansicht des Tübinger Medizinethikers Georg Marckmann nicht bewährt.
Expertensysteme auf Computerbasis, die nach einer Patientenanalyse Diagnosen und Therapievarianten vorschlagen, haben sich nach Ansicht des Tübinger Medizinethikers Georg Marckmann nicht bewährt. "Sie können nur technische, zahlenmäßig fassbare Untersuchungsergebnisse verarbeiten, nicht jedoch den Gesamteindruck und die Lebensumstände des Patienten", betont der Wissenschaftler vom Universitätsinstitut für Ethik und Geschichte der Medizin in seiner neuen Studie Diagnose per Computer?.
Im Blick auf eine Diagnose durch den Computer sieht Marckmann auch schwer wiegende ethische Bedenken. Bei bestimmten, eng umgrenzten Fragen hätten sich Computeranwendungen in Arztpraxen allerdings bewährt: Kleine, flexible Programme könnten Teilentscheidungen fällen. Dies betreffe zum Beispiel die Auswahl und Dosierung von Medikamenten. Der Mediziner unterstreicht jedoch: "Computersysteme sind bisher bei weitem nicht in der Lage, das umfangreiche Wissen und die Erfahrung eines Arztes zu ersetzen." Marckmann hat in seiner Studie Forschungsergebnisse aus Informatik, Medizintheorie und Technikfolgenabschätzung zusammengeführt. (dpa) / (wst)