Handy-Boom zur Weihnachtszeit
War die Auswahl der Foto-Handys vor einem Jahr noch gering und ein Kauf für den Normalverbraucher unerschwinglich, werden die Geräte in diesem Jahr fast verramscht.
Immer wenn sich ein Jahr zu Ende neigt, herrscht Hochkonjunktur in der Mobilfunkbranche: Wirtschaftsflaute hin, zunehmende Marktsättigung her -- unter dem Christbaum sollen in diesem Jahr wieder Handys klingeln. Das Mobiltelefon gehört nach Auskunft des Bundesverbandes Technik des Einzelhandels (BVT) zu den beliebtesten Geschenkartikeln im Weihnachtsgeschäft 2003. Dabei locken die Betreiber T-Mobile, Vodafone D2 und andere die Kunden nicht nur mit günstigen Preisen in ihre Geschäfte.
Mit breiten Werbekampagnen und Superschnäppchen wollen sie ihre neuesten Modelle in den Markt drücken: Kamerahandys. Die Geräte mit serienmäßiger MMS-Ausstattung bieten zugleich einen ersten Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird: Das Zeitalter von UMTS steht vor der Tür. Mit der schnellen Übertragungstechnik soll das mobile Surfen im Internet und der Datentransfer über Handy bequemer werden.
Neben dem Kundenwachstum sollen die neuen Multimedia-Dienste das Mobilfunkgeschäft beleben. Mit t-zones von T-Mobile, Vodafone Live, i-Mode von E-Plus und 02 active haben die Betreiber entsprechende Internet-Plattformen mit Informations- und Unterhaltungsangeboten geschaffen. Attraktive Handys müssen also her.
"Weihnachten wird bunt (Farbdisplay) und polyphon (Klingeltöne)", beschreibt Catrin Glücksmann von E-Plus die Lage auf dem Handy-Markt. War die Auswahl der Foto-Handys vor einem Jahr noch gering und ein Kauf für den Normalverbraucher unerschwinglich, werden die Geräte in diesem Jahr fast verramscht: Wer sich bei einem Anbieter auf einen neuen Vertrag festlegt, bekommt einen kleinen schicken Knipser mit Farbdisplay stark subventioniert schon für 1 Euro.
Jeder dritte Bundesbürger will sich nach einer Studie in den kommenden zwei Jahren ein neues Gerät zulegen. Das ist eine gute Nachricht für die Betreiber, denn das rasante Teilnehmerwachstum der vergangenen Jahr ist passé. Die Quote der Marktabdeckung liegt in Deutschland bei mehr als 70 Prozent der Bevölkerung. Trotzdem halten Experten ein weiteres Wachstum in den kommenden Jahren auf 90 Prozent und mehr durchaus für möglich.
"Die Nachfrage geht 2003 ganz gezielt nach Kamera-Handys", freut sich Vodafone D2-Sprecher Jens KĂĽrten. Bis Jahresende will das Unternehmen mit Vodafone Live etwa 1,5 bis 2 Millionen Kunden haben. Auch beim Branchendritten E-Plus herrscht Zuversicht: "Wir haben ein starkes Wachstum geplant", sagt Sprecherin GlĂĽcksmann.
Bei hochwertigen Kamera-Handys gibt es nach Einschätzung von Dünkelmann vom BVT angesichts der starken Nachfrage Lieferengpässe, auch wenn die Betreiber die Probleme herunterspielen. Die Schwierigkeiten führt Hildegard Zadach von Samsung unter anderem auf die Zulieferbranche zurück. Auch Axel Schafmeister von Siemens räumt ein, dass es bei einigen Endgeräten längere Lieferzeiten gebe. "Wir sind voll ausgelastet." (Peter Lessmann, dpa) / (anw)