UMTS-Anbieter in den Startlöchern
Nach mehrmaligen Startverzögerungen wird es für vier Mobilfunkbetreiber in Deutschland 2004 ernst: Die neue Übertragungstechnik UMTS steht vor der Tür.
Nach mehrmaligen Startverzögerungen wird es für vier Mobilfunkbetreiber in Deutschland 2004 ernst: Die neue Übertragungstechnik UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) steht vor der Tür. Sie soll mobiles Surfen, Datenübertragung und Multimedia über das Handy bald bequemer und schneller machen. Ob Sprache, Daten, Musik oder Film -- das Handy in der Jackentasche soll zum kleinen Alleskönner werden. Gleichzeitig hoffen die Betreiber auf sprudelnde Einnahmen und satte Gewinne. Schließlich müssen die Milliarden-Ausgaben für Lizenzen und Netzaufbau wieder eingespielt werden. Doch die Euphorie an den Börsen und die Goldgräberstimmung im Markt ist längst verflogen. Keiner weiß, wie das Abenteuer UMTS jemals enden wird.
Zu Computermesse CeBIT im März 2004 wollen T-Mobile, Vodafone & Co. dem Publikum zeigen, was sie in Sachen UMTS schon drauf haben. PC-Karten für den schnellen Datenaustausch sollen ebenso präsentiert werden wie neue Handys. "Aber erst zum Weihnachtsgeschäft 2004 werden die Mobiltelefone für den Verbraucher zu erwerben sein", glaubt der Kommunikationschef von O2, Stefan Zuber. Nach der spektakulären Auktion von sechs UMTS-Lizenzen in Deutschland und den vollmundigen Ankündigungen über einen frühen Start sind die Mobilfunker zurückhaltender geworden. Mehr als 50 Milliarden Euro haben sie allein für die Schürfrechte im UMTS-Geschäft auf den Tisch geblättert. Zwei warfen bereits das Handtuch, bevor es überhaupt losging -- die Neulinge MobilCom und Quam (Telefonica/Sonera). Ihnen hatten Experten ohnehin kaum zugetraut, auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen.
In der zweiten Jahreshälfte 2004 werden Mobilfunkdienste auf UMTS-Basis aller Voraussicht nach abheben. Doch vorher wollen die Anbieter ihre Netze und UMTS-Endgeräte erst auf Herz und Nieren prüfen. Als erster der vier Betreiber startete Vodafone D2 unlängst einen bundesweiten Test mit so genannten UMTS-Datenkarten für Geschäftskunden. "Es wird kein Paukenschlag geben, sondern einen schrittweisen Übergang", beschrieb Vodafone-Chef Arun Sarin unlängst die kommende UMTS-Einführungsphase. Eine Aussage, die der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, sofort unterschreiben würde. T-Mobil will dann an den Markt gehen, wenn die Technik reibungslos läuft und die Kunden neue Dienste nachfragen.
Wie schwierig das UMTS-Geschäft ist, zeigt das Beispiel Hutchison Whampoa. Als Frühstarter blieben dem Mobilfunknovizen in Italien und Großbritannien die erhofften Kundenzahlen aus. Hinzu kamen Probleme mit fehlerhaften Endgeräten. Negative Schlagzeilen treffen dabei die ganze Branche. Zuber von O2 spricht von Sippenhaft. Doch für Hutchison war es die einzige Chance, den etablierten Betreibern Paroli zu bieten. Auch in Japan läuft nicht alles nach Maß. Der UMTS-Vorreiter NTT DoCoMo kocht auch nur mit Wasser. Das Unternehmen hat zwar bereits mehr als eine Million Kunden, ging aber dem technischen Problem der Übergabe von Verbindungen vom UMTS- ins herkömmliche Mobilfunknetz aus dem Weg. So müssen Japaner derzeit noch zwei Handys mit sich führen, um mobil erreichbar zu bleiben.
Eine solche Strategie können sich die europäischen Anbieter kaum leisten. Denn nichts fürchten sie nach den Milliarden-Investitionen so sehr wie den Flop. Die Erwartungen des Marktes, der Kunden und nicht zuletzt auch der Börsianer sind hoch. Und so geht es bei der UMTS-Einführung ums Ganze. (Peter Lessmann, dpa) / (jk)