Vorlage fĂĽrs Web
Wer seinem Blog oder seiner Webseite ein persönliches Outfit geben will, erhält mit Artisteer ein Werkzeug, das Vorlagen für Content-Management-Systeme wie Joomla oder die Blogging-Software WordPress erstellen hilft.
- Barbara Lange
Bislang hatten Nutzer von Open-Source-Content-Management- oder Blogging-Systemen zwei Optionen, das Design ihrer Websites zu definieren: Entweder sie suchten sich eine Designvorlage aus dem groĂźen Pool frei verfĂĽgbarer Templates aus, oder sie griffen selber in die Tasten.
Mit Artisteer – gesprochen „Art I steer“ – können Eilige und Nicht-Programmierer ihren Webseiten einen individuellen Anstrich geben. Artisteer erlaubt das Erstellen von Templates für mehrere Open-Source-CMS. Es setzt keine Kenntnisse in CSS, PHP, HTML oder anderen Webtechniken voraus.
Als Zielgruppe für sein Werkzeug sieht der Hersteller Extensoft außer Anwendern selbstständige Webdesigner, die auf der Basis von Artisteer kommerzielle Templates anbieten können, was das Unternehmen ausdrücklich erlaubt. Aufpassen müssen sie allerdings hinsichtlich Urheberrecht bei der Verwendung von Artisteer-eigenen Fotos.
Das kommerzielle Produkt gibt es seit 2008, zunächst nur für WordPress und HTML. Mittlerweile unterstützt die seit November 2009 verfügbare Version 2.3 darüber hinaus die CMS-Systeme Joomla und Drupal sowie Googles Blogger (www.blogspot.com) und DotNetNuke. Weiterhin lassen sich Developer-Templates im HTML-Format, als ASP.Net-Applikation oder für CodeChargeStudio erstellen.
Export in diverse Systeme
Extensoft liefert Artisteer in zwei Varianten aus: Als Home- und Academic-Edition (49,95 US-$) sowie als Standard-Edition (129,95 US-$). Nur Letztere bietet den vollen Funktionsumfang und den Export in sämtliche hier genannten Systeme (siehe „Daten und Preise“).
Daten und Preise Artisteer V2.3
Templates fĂĽr Content-Management-Systeme
Hersteller: Extensoft, www.artisteer.com
System-Anforderungen: Microsoft Windows 2000, XP, Vista; Microsoft.Net Framework 2.0 und höher; 100 MByte freier Plattenplatz, 1 GByte RAM; Artisteer 2.3 Candidate für den Mac (Stand Dezember 2009)
unterstĂĽtzte Browser: Internet Explorer 6+, Firefox 2+, Opera 9+, Safari 1+, Google Chrome 1+
Standards: XHTML 1.0; CSS 2.0 und 2.1, W3C color contrast, Section 508 Export: als XHTML+CSS, WordPress-Theme (2.5-2.7), Blogger Template, Joomla-1.5-Template, Drupal-5/6-Theme, DotNetNuke 4.9+ Skin, ASP.Net Application, CodeCharge Studio 4 (genannt ist der Systemumfang der Standard-Edition)
Preis: Home-/Academic-Edition 49,95 US-$, Standard-Edition 129,95 US-$
Grundlage für den vorliegenden Artikel ist Version 2.3 unter Windows Vista. Im Mittelpunkt des Tests stand die Frage, ob und wie man Vorlagen für einige der versprochenen CMS- und Blog-Systeme erstellen, exportieren und in die Website integrieren kann. Genauer hat die Autorin das Zusammenspiel mit Joomla geprüft. Das Installieren läuft wie üblich und funktioniert reibungslos. Beim Start des Programms muss man sich zunächst entscheiden, für welches Zielsystem man entwickeln will. Diese Entscheidung ist aber nicht endgültig, denn der Nutzer kann das gewünschte Zielsystem während der Artisteer-Session und später jederzeit ändern. Wichtig ist die Wahl deswegen, weil Artisteer bei einzelnen Menüpunkten spezifische Funktionen für das jeweilige Zielsystem anbietet. Anschließend öffnet sich eine gut strukturierte Oberfläche, die eine intuitive Bedienung des Werkzeugs erlaubt. Wobei man bei den schier unendlichen Einstellungen schon einmal etwas probieren muss oder einen Blick in die Online-Hilfefunktion werfen sollte.
Den Kern der Navigation bildet die waagerechte Leiste des Hauptmenüs mit den folgenden elf Punkten: Ideen, Farben & Fonts, Layout, Hintergrund, Seitenstruktur, Kopfbereich, Menüstil, Beiträge, Blöcke, Schaltflächen und Fußbereich. Es ergibt keinen Sinn, auf alle Menüpunkte einzugehen, da man sich eine Trial-Version unverbindlich anschauen kann. Sie bietet den vollen Funktionsumfang, macht aber das exportierte Template nach dem Export durch Wasserzeichen unbrauchbar.
Design-Vorschläge zum Einstieg
Beim Klick auf einen der elf Punkte erscheint jeweils ein weiteres Menü gleich darunter, ebenfalls waagerecht. Beispielsweise schlägt Artisteer unter „Ideen“ zahlreiche fertige Versionen vor, die ein gutes Ausgangsmaterial bieten, von dem ausgehend der Nutzer „loslegen“ kann, um einzelne Komponenten nach eigenem Geschmack zu gestalten. Hier sind etwa die Farbdesigns und -zusammenstellungen gut aufeinander abgestimmt.
Ausgerechnet in diesem Bereich der Ideen und Vorschläge befindet sich die Exportfunktion. Logisch ist es nicht, und Newcomer müssen ausgiebige Ausflüge in die Verästelungen des Systems in Kauf nehmen und eine Weile nach dieser zentralen Funktion suchen. Ideen und Vorschläge gehören auch in den anderen Menüpunkten zum Standardprogramm. Bei „Layout“ entscheidet der Nutzer, wie er seine Site aufteilen will: Mit beziehungsweise ohne Kopfbereich und Menüleiste, mit ein bis drei Spalten.
Hier zeigt sich, dass Artisteer CMS-spezifische Funktionen bietet. Wer im WordPress-Modus arbeitet, kann hier festlegen, an welchen Positionen die WordPress-eigenen Kategorien-, Blogroll- und Archivlisten erscheinen sollen. FĂĽr Joomla braucht man diese Funktionen nicht, daher fehlen sie in diesem Fall.
FĂĽr die Einstellung des Hintergrunds rechts und links am Rand der Webseite liefert Artisteer zahlreiche separat einstellbare Bilder, Texturen und Effekte mit. Logischerweise kann man eigene Bilder einbinden.
Wichtig für eine individuelle Webseite ist der „Kopfbereich“. Neben Höhe und Breite kann der Nutzer eine Mischung aus Hintergrund- und Vordergrundfoto, Texturen und den Schriftzug für den Namen der Site samt Unterzeile zusammenstellen. Die Bilder lassen sich im Kopfbereich durch Hin- und Herschieben positionieren, ihre Farbe in Richtung grau verändern oder spiegelverkehrt verdrehen.
In „Menüstil“ lässt sich die Verwendung von Dropdown-Menüs einstellen, Mehrfachebenen genannt. Um sie nutzen zu können, sind noch Einstellungen im jeweiligen Ziel-CMS erforderlich. Auf Joomla bezogen muss der Designer diese Einstellung auch im Backend des CMS aktivieren, damit er sie nutzen kann. Konkret muss die Funktion „Always show sub-menu items“ bei den Modul-Parametern des Top-Menüs einen Haken bekommen. Welche Einstellungen die jeweiligen Ziel-Systeme brauchen, dokumentiert die Website des Werkzeugs.
Dialogboxen und Tastenkombinationen
Mit einigen Features erleichtert Artisteer die Navigation. So kann der Nutzer die „Quick-Access-Toolbar“ mit eigenen, häufig benutzten Funktionen füllen, beispielsweise mit „One-Click-Shortcuts“ für „undo“ oder „save“. Außerdem lassen sich viele Funktionen per Tastenkombination statt Maus steuern. Nach dem Betätigen der Alt-Taste erscheinen die jeweiligen Tastenkombinationen über den Funktionen.
Des Weiteren präsentieren Dialogboxen unter zahlreichen Menüpunkten Einstellungen in zusammengefasster Form, was den Designer unterstützt. Parameter kann er stufenlos verschieben.
Export – von der Arbeitsdatei zum Template
Wer die grundsätzliche Logik des Tools durchschaut hat, sieht, dass Artisteer beim Design einer Vorlage zunächst eine Arbeitsdatei mit der Endung *.artx generiert. Die Funktion „Speichern“ bezieht sich auf diese Datei. Man sollte sie gut verwahren, um später sein Template nach einem Export modifizieren zu können.
Die .artx-Arbeitsdatei bildet die Grundlage für den Export in die unterschiedlichen genannten Zielsysteme. Vorher kann der Nutzer noch im Menüpunkt „Exportfunktionen“ einige Einstellungen vornehmen, darunter Eigenschaften wie Name und URL des Erstellers, Tags, eine Beschreibung sowie einige wenige Sondereinstellungen für das jeweilige CMS. So können Joomla-Nutzer einen eigenen internen Positions-Namen für das Top-Menü generieren. Festlegen lässt sich hier auch, ob das Template ein Wasserzeichen tragen soll. Gedacht ist das für Trial-Versionen in kommerziellen Artisteer-Projekten. So können potenzielle Kunden erstellte Templates schon einmal zur Ansicht und zum Ausprobieren bekommen.
Wer kein spezielles CMS nutzt, kann das Design als HTML-Format exportieren. Neben Joomla, WordPress und Drupal bietet Artisteer Exports in Google-Blogger und in Formate fĂĽr Nutzer, die mit den Systemen CodeCharge Studio, Dreamweaver und MS Visual Studio arbeiten. Hier kann das Design nach Herstellerangaben als HTML-Template oder als Visual-Studio-C#-Projekt exportiert werden. Die Exportfunktionen in Joomla 1.5, Drupal, WordPress und Googles Blogger funktionieren klaglos und lieĂźen sich auf dem fĂĽr das jeweilige System gewohnten Weg aktivieren.
Fazit
Artisteer läuft stabil. Aufgrund der zahlreichen Stellschrauben sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht, vor allem, wenn man eine einmal vorgenommene Einstellung später wieder zurücknehmen will. Laut Extensoft ist es das „first and only“ Produkt, das die Webseiten für mehrere CMS-Systeme automatisch ohne Programmierkenntnisse erstellt. Alternativen sind der Autorin bislang nicht bekannt.
Rund um das Werkzeug haben sich unter www.artisteer.com und im deutschsprachigen Artisteer-Portal unter www.artisteerportal.de Communities gebildet. Andere Unternehmen entwickeln kommerzielle Werkzeuge, die die Nutzung von Artisteer weiter ausbauen. So bietet das Unternehmen Techline (www.techline.de) einen Template-Konverter (10 Euro), der Artisteer-Vorlagen in Templates fĂĽr die CMS Xoops und e107, fĂĽr die Dating-Plattform osDate sowie die Open-Source-Shop-Systeme osCommerce und XT:Commerce konvertiert.
Als Ergänzung hat Extensoft im Dezember einen Artisteer 2.3 Candidate für den Macintosh zum Download angekündigt.
Barbara Lange
ist IT-Journalistin und Inhaberin des RedaktionsbĂĽros kurz&einfach in Lengede.
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(hb)