Eine Tour durch Labore und Messräume der Redaktion

Testgeräte durchlaufen bei c’t umfangreiche Teststrecken wofür in unseren Laboren jede Menge Messtechnik steht. Wie es dort aussieht, beschreibt dieser Artikel.

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Inhaltsverzeichnis

Seit nunmehr vierzig Jahren wird die unsterbliche Prosa einer jeden c’t-Ausgabe unterfüttert durch jede Menge Messwerte, von denen es allerdings nur die wenigsten ins Heft schaffen. Viele bleiben in Excel-Tabellen gefangen, tragen aber dennoch entscheidend zur Bewertung von Produkten bei. In diesem Artikel geben wir Ihnen einen kleinen, bildlastigen Einblick in die Räumlichkeiten, die c’t regelmäßig für allerlei Messungen vom Smartphone-Chip bis zum Server nutzt. Weitere Artikel befassen sich mit den Personen dahinter und den Messverfahren.

In den Abzugskammern, die manche(n) an den Chemieunterricht erinnern dürften, messen wir Geräte, die wie Laserdrucker potenziell gesundheitsgefährdende Emissionen erzeugen. Während eines Einzeltests wird aus der Zelle schon mal ein Behelfsarbeitsplatz (im Bild links).

Allein die Fläche in Quadratmetern, die wir für unsere aufwendigen Testverfahren vorhalten, wäre sicher schon eine Erwähnung wert. Doch entscheidend ist nicht die Größe, sondern was damit angestellt wird. Einige unserer Messräume sind kleiner als ein Kubikmeter, etwa der Klimaschrank oder der Suntester (dazu später mehr). Andere sind bis zur Decke mit Technik vollgestopfte Büros von Redakteuren und Assistenten. Auch ganze Lagerräume mit etlichen Regalmetern historischer Hardware und sogar ein paar Uralt-Pentiums mit FDIV-Bug finden sich im Heise-Verlag.

Trotz Virtualisierung kann "Hand anlegen" manchmal praktisch sein. Daher hat c’t-Redakteur Andrijan Möcker ein Rack neben dem Schreibtisch stehen, inklusive einer "organisch gewachsenen" Verkabelung.

Zu guter Letzt haben wir ganze Räume innerhalb anderer Räume aufgebaut, beispielsweise die EMV-Messkabine, die aus besonderen Gründen neben den Heise-Servern in einem Raum steht, der früher als Tresorraum diente, und die Schallmesskabine, die im Erdgeschoss entkoppelt vom Rest des Hauses auf Puffern ruht. Mit diesen Aufbauten können wir DIN-gerecht Lautstärkemessungen vornehmen oder empfindliche Geräte in einem abgetrennten Stromnetz testen, ohne dass Emissionen anderer Verbraucher stören.

Selbstverständlich müssen viele dieser Orte über lange Zeit in einem genau reproduzierbaren Zustand gehalten werden, um Messungen vergleichbar zu machen. So kommt ein Umbau oder eine Umnutzung in vielen Fällen nicht in Frage, weil die Genauigkeit mit Klebebandmarkierungen auf dem Fußboden eben nicht ausreichen würde. In EMV- und Schallmesskabine verhindert allein der Aufbauaufwand die Mehrfachnutzung.

Mit der genormt-hinterleuchteten Weißfläche einer Ulbricht-Kugel messen wir die Randabschattung dicker Kamera- oder winziger Smartphone-Objektive.

Im Zuge der Coronapandemie haben auch die c’t-Redakteure vermehrt im Homeoffice gearbeitet und über virtualisierte Umgebungen auf Testhardware im Verlag zugegriffen. Doch für einige Messungen muss man vor Ort sein, sodass sich die Redakteure immer mal wieder in die eine oder andere Messkammer aufmachten. Für die technischen Assistenten war die Arbeit vor Ort nahezu durchweg unabdingbar.

Doch nun viel SpaĂź mit der Bilderreise durch unsere heiligen Messhallen.

Im Viererbüro arbeiten drei c’t-Redakteure und unser neuer Assistent Daniel Ladeira Rodrigues. Er nimmt uns einen großen Teil der Benchmarks und Messungen an Mainboards, Komplett-PCs und anderen Geräten ab. Eines der wichtigsten Utensilien ist das regelmäßig kalibrierte Leistungsmessgerät LMG95. Der Hersteller beziffert dessen Messunsicherheit für die Wirkleistung bei 230 Volt Wechselspannung (50 Hz) mit 0,015 Prozent vom Messwert zuzüglich 0,01 Prozent vom Messbereich. Auch Notebooks fühlen wir hier mit etlichen Messungen auf den Zahn, im Bild absolvieren sie gerade einen Akkutest.

Der hintere Teil des Display-Labors ist oft von Fernsehern und Projektoren bevölkert. Dort führen wir Sicht- und Hörprüfungen durch, ermitteln die Leistungsaufnahme, kalibrieren, vergleichen und erkunden die smarten Eigenschaften der Geräte. Außerdem schauen wir ein bisschen Fernsehen und viele Filme – aber bitte kein Neid, denn es handelt sich um immer dieselben Sequenzen, die wir auf bekannte Artefakte abklopfen. Weil wir diese Szenen "mitsprechen" können, machen wir den Ton dabei aus. Für Beamer-Messungen schotten wir den Innenbereich des Raums mit Vorhängen gegen Störlicht ab.

Beim Testen jeglicher Art von Displays – vom kleinen Smartphone-Display bis zum großen TV – ziehen wir unbestechliche Messgeräte zu Rate. Um Kontrast und Farben sowie deren Blickwinkelabhängigkeit und die Schaltgeschwindigkeit von Displays zu ermitteln, nutzen wir ein konoskopisches Messgerät, liebevoll „Cono“ genannt. Es steht im vorderen Bereich des Labors und erfasst mit einer einzigen Aufnahme die Bildeigenschaften aus sämtlichen Einblickwinkeln bis 80 Grad, ein daran angeschlossenes Spektralphotometer die Farbsättigung. Das Cono zählt mit dem Gegenwert einer Eigentumswohnung zu den teureren Messgeräten im Verlag.

Im Erdgeschoss haben wir einen fensterlosen Innenraum mit speziellen Trockenbauwänden und schalldämmenden Türen eingebaut. Sogar der Estrich wurde geschlitzt, um Trittschall abzufangen. Der abgeschottete Raum braucht für den Hochsommer ein Kühlgerät, das wir für die Dauer der Messung natürlich abschalten. Trotz des großen Aufwands für die Schalldämmung ist es in der Messkabine nicht "unendlich leise", doch das Hintergrundgeräusch beträgt weniger als 17 dBA beziehungsweise 0,1 Sone – das ist unsere Messgrenze. Herr über die Audioaufnahmen ist unser Assistent Jens Nohl, im Bild aber ist Peter Nonhoff-Arps, ein Kollege aus der Redaktion Foto-Sonderhefte.

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Unsere Assistenten haben diverse Messgeräte, mit denen sie den Testprobanden zu Leibe rücken. Links im Bild nur angedeutet ist unser mit mehreren UHD-Displays ausgestatteter Leistungsmessplatz für Grafikkarten und SSDs. Die Auswertung der Datenbrocken von etlichen Messwerten pro Sekunde erfolgt über ein Labview-Skript.

Das GroĂźraumbĂĽro von Christoph Hoppe, Stefan Labusga und Ralf Schneider ist eine wahre Hardwarefundgrube fĂĽr Vergleichsmessungen. Auch wer PC-Peripherie oder mal eben ein spezielles Kabel braucht, wendet sich an unsere Assistenten. Die drei wachen ĂĽber eines der beiden Grafikkartentestsysteme fĂĽr Spielebenchmarks, unterstĂĽtzen uns im Drucker- und Displaylabor und tĂĽfteln an der Automatisierung von Messverfahren. AuĂźerdem organisieren und verwalten sie unsere Hardware- und Softwarebeschaffung und helfen mit Testrechnern zum TĂĽfteln aus.

Die fantastischen Laufzeiten von mehr als 40 Stunden mancher E-Book-Reader sind schwierig zu messen: Strom brauchen sparsame Geräte ohne Hintergrundbeleuchtung nur beim Umblättern, weshalb für Laufzeitmessungen eigentlich jemand tagelang lesen müsste. Unsere liebevoll „Folterbank“ genannte Konstruktion im Hardware-Labor schafft Abhilfe: Kapazitive Stifte tippen alle 30 Sekunden auf den Touchscreen und blättern so weiter. Wir vergrößern die Schrift in einem Buch so weit, dass der Reader mindestens fünf Tage bis zum Ende des Buchs braucht.

Fotos aus dem Tintendrucker werden in der Sonne auf Dauer farbstichig oder verblassen. Mit unserem Atlas Suntest XLS+ simulieren wir diesen Vorgang: Der bestrahlt die Druckproben 100 Stunden lang mit einer 2200-Watt-Xenon-Lampe – das entspricht etwa einem Jahr unter der Sonne. Währenddessen kontrolliert der Belichter die Strahlungsenergie und hält die Temperatur in der Probenkammer auf 20 Grad. Daher mussten wir einen auch im Sommer kühlen Bereich für ihn finden, und der war ausgerechnet hinter dem Müllraum des Verlags. Stinken tut es dort zum Glück aber nicht.

Wie ein Testgerät auf Störungen aus dem Stromnetz reagiert und welche Störungen es seinerseits ins Netz streut, messen wir in der EMV-Kabine. Sie besteht aus drei Millimeter dicken, geerdeten und im Überlapp mit Drahtgitter abgedichteten Stahlplatten; sehr viele Schrauben fixieren sie. Selbst in den Belüftungsschächten sind Metallstrukturen eingebaut, die elektromagnetische Wellen abfangen – nichts kommt rein, nichts raus. Eine eigene Energieversorgung liefert eine saubere Sinusspannung. Der zugehörige Generator simuliert verschiedene Stromnetze etwa mit 110 Volt oder 230 Volt und Frequenzen zwischen 45 und 1000 Hertz – und bei Bedarf auch einen definierten Ausfall.

Der Ohrenschützer hängt nicht ohne Grund in unserem Testraum für Rackserver: Sobald auch nur eines der vielen Racks angeschaltet wird, heult eine Armada kleiner, hochtourig laufender Lüfter auf – eine Kakophonie schon im Leerlauf, die man live nicht lange hören möchte. Die meisten Tests führen wir, ganz dem Rack-Gedanken folgend, per Remote-Zugriff durch. Nur für Hardware-Änderungen wagt sich die eine oder andere verlorene Seele in den speziell klimatisierten Servertestraum gegenüber dem Heise-Rechenzentrum.

Fest installierte Fotovorlagen, definierte Beleuchtung und eine Bodenschiene mit fahrbarem Stativ für genaue Abstände: So können wir die Abbildungsqualität und Farbwiedergabe von Kameras bis ins kleinste Detail miteinander vergleichen, über mehrere Gerätegenerationen hinweg und mit normgerechter Auswertesoftware. Das nutzen wir nicht nur für c’t, sondern auch für unser Fotomagazin c’t Fotografie.

Gleichbleibende klimatische Bedingungen stellt einer unserer kleinsten „Messräume“ her: Der Climacell 222 Evo Line mit einem Kammervolumen von 222 Liter hält Temperaturen zwischen 0 und 100 Grad bei einer definierten Luftfeuchtigkeit. Mit dem Brutschrank können wir Alterungsprozesse, aber auch Leistungseinflüsse durch verschiedenartige Umweltprozesse beschleunigt simulieren, zum Beispiel wie sich ein Smartphone im Hochsommer verhält.

c't Ausgabe 12/2023
Cover der c’t-Ausgabe 12/2023

(Bild: 

c't 12/2023

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Mit unserer Jubiläumsausgabe 12/23 feiern wir den 40. Geburtstag von c't! In diesem Heft schwelgt die Redaktion in Erinnerungen, erzählt Anekdoten und stellt sich vor, wirft aber auch den Blick in die Zukunft und bietet spannende Einblicke hinter die Kulissen. Lesen Sie, wie c't testet, lernen Sie unsere Labore kennen begleiten Sie einen c't-Artikel von der Idee bis zum Druck. Dazu stellen wir unsere liebsten Gadgets- und Software-Tools für Arbeit und Freizeit vor und es gibt jede Menge Artikel zum Schmunzeln. Das und noch viel mehr lesen Sie in c't 12/23!

(csp)