Der eine sagt so und der andere sagt so
Das Problematische bei einer Umfrage besteht darin, dass am Ende immer irgendwelche Durchschnittswerte stehen, die unter Umständen keiner einzigen der konkreten Antworten entsprechen. Das ist bei einer aktuellen Umfrage der Experton-Group nicht anders.
Lieber Christian Pusch, Vorstand des IT-Dienstleisters Cenit AG in Stuttgart,
sagt Tünnes zu Schäl: "Sag mal, stimmt es eigentlich, dass deine Frau so leidenschaftlich im Bett ist?" Antwortet Schäl: "Naja, der eine sagt so und der andere sagt so." Tja, kommt eben immer drauf an, wen man fragt.
Das ist das Charakteristische bei allen Umfragen: Der eine sagt so und der andere sagt so, und am Ende wird dann ein Durchschnitt gebildet. Kann sein, dass nicht ein einziger Umfrageteilnehmer so geantwortet hat, wie es der Durchschnitt abbildet. Trotzdem können Umfrageergebnisse natürlich interessant und auch wertvoll sein, solange man immer im Hinterkopf behält, dass der Durchschnitt selbst kein Umfrageteilnehmer ist.
Diese grundsätzlichen Erwägungen gelten natürlich auch, wenn man zum Beispiel mittelständische Kunden danach befragt, was für sie die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl ihres IT-Dienstleisters sind. Das Beratungsunternehmen Experton-Group hat dies vor kurzem getan und die Ergebnisse jetzt gerade veröffentlicht. Danach legen Mittelständler bei der Auswahl ihrer IT-Dienstleister vor allem Wert auf Fachkompetenz und sehr gute Service- und Supportleistungen. Auf Rang drei folgt das Kriterium Preisflexibilität. Damit ist nicht "niedrigster Preis" gemeint – dieses Kriterium rangiert sogar weit abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze –, sondern das Angebot von auf den Mittelstand zugeschnittenen Finanzierungsangeboten (zum Beispiel "0-Prozent-Finanzierung"). Nicht nur Hersteller wie Dell und IBM, sondern auch Händler, Systemhäuser und Distributoren bieten derartige Finanzierungshilfen verstärkt und offensiv an und konnten nach Beobachtung von Experton auf diese Weise manche Finanzierungshürde im letzten Jahr überwinden.
| Auswahlkriterien für Mittelständler (400 bis 1.000 Mitarbeiter) | |
| Kriterium | Mittelwert |
| Fachkompetenz | 1,4 |
| Gute Service- und Supportleistungen | 1,7 |
| Preisflexibilität | 1,8 |
| Genaue Kenntnis der Prozesse | 1,9 |
| Technologiekompetenz | 1,9 |
| GroĂźer Erfahrungshorizont | 2,0 |
| Hohe Projektkompetenz | 2,0 |
| Kenntnis branchenspezifischer Tools | 2,2 |
| Fähigkeit, End-to-End-Solutions anzubieten | 2,4 |
| Bestes Preisangebot | 2,5 |
| Anbieterneutralität | 2,7 |
| Kritische Masse an Beratern | 2,9 |
| Quelle: Experton Group 2010 (1=sehr wichtig, 5=unwichtig) | |
Wie gesagt: Nicht uninteressant und nicht ohne Wert, solange man nicht vergisst, dass es "DEN“ mittelständischen Kunden – also den Durchschnittskunden – in der wirklichen Welt diesseits der Statistiken und Tabellen nicht gibt. Als Anbieter kommt man also nicht umhin, bei jedem einzelnen Kunden herauszufinden, wo genau ihn der Schuh drückt und welche Hürden man überwinden muss, damit man mit ihm ins Geschäft kommt. Denn wie gesagt, der eine sagt so und der andere sagt so. Kommt immer drauf an, wen man fragt.
Beste GrĂĽĂźe
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