Magnolien-Holz setzt sich durch: Japan will daraus einen Satelliten bauen

Der erste Langzeitversuch von Holz als Weltraumbaustoff ist beendet: Ein japanisches Unternehmen ist zufrieden – und will nun einen hölzernen Satelliten bauen.

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So könnte der Holzsatellit ungefähr aussehen.

(Bild: Sumitomo Forestry)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Martin Kölling

In Japan wird die ökologische Raumfahrt erforscht. Der Holzkonzern Sumitomo Forestry und die Universität Kioto haben den ersten Langzeitversuch mit Holz als Baumaterial im Weltraum abgeschlossen. Zehn Monate lang wurden verschiedene Holzarten auf der Internationalen Raumstation ISS einem Härtetest unterzogen, um herauszufinden, ob sich das irdische Material auch für den Bau von Satelliten eignet.

Das Ergebnis gab das Team nach einer ersten Untersuchung im Mai bekannt. "Das Material war in der extremen Weltraumumgebung mit großen Temperaturschwankungen und starker kosmischer Strahlung stabil, was die hervorragende Haltbarkeit des Holzes bestätigt", so die Schlussfolgerung.

Im Jahr 2024 soll daher wie geplant ein Satellit aus Holz gebaut werden, und zwar aus dem Holz der Honoki-Magnolie, die im Norden Japans beheimatet ist. Dabei wird es sich allerdings nicht um das erste Raumfahrzeug aus Holz handeln. Die NASA hat bereits Mondsonden mit Balsaholz umhüllt. Den Preis für den ersten Holzsatelliten gewann 2021 der finnische "Wisa Woodsat", ein Mikrosatellit aus Sperrholz. Doch die Japaner sind die ersten, die dank genauer Untersuchungen Aussagen über die Haltbarkeit ihres Produkts machen können.

LignoSat nennen die Japaner den künstlichen Erdtrabanten Made in Japan. Ligno steht für Baum, Sat für Satellit. Neben der Magnolie testete das Team auch die Kamtschatka-Birke und die Bergkirsche, die ebenfalls in Japan wachsen. Die Proben wurden visuell und mikroskopisch auf Risse, Verformungen, Abblätterungen und Oberflächenabrieb untersucht. Es wurde bestätigt, dass bei keiner der Holzarten Schäden wie Risse, Verformungen, Abblättern oder Oberflächenabrieb festgestellt wurden.

Darüber hinaus schauten die Wissenschaftler und Ingenieure, ob kosmische Strahlung und atomarer Sauerstoff, die im niedrigen Erdorbit unter Sonneneinstrahlung entstehen, zu einem Verlust von Oberflächenschichten, chemischen Veränderungen und Zersetzung geführt haben. "Es stellte sich heraus, dass es fast keine Schädigung gab", so die Forscher.

Zwischen den drei getesteten Baumarten konnten keine Unterschiede festgestellt werden. Den Ausschlag für die Wahl des Magnolienholzes gaben daher andere Kriterien wie hohe Bearbeitbarkeit, Formstabilität und Festigkeit.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Japan und den Nachbarstaaten.

Zu verdanken hat die Welt die Idee dem japanischen Astronauten Takao Doi. Er wurde 2016 zum Professor an der Kyoto University Aerospace Exploration Research Unit ernannt. Dort startete er ein Forschungsprojekt zur Anwendbarkeit von Holz im Weltraum. Neben Holz als Baumaterial wird dort auch das Wachstum von Bäumen unter reduzierter Schwerkraft und niedrigem Druck erforscht. Sumitomo Forestry wurde als Partner gewonnen, in der Hoffnung, dass die hochfliegende Forschung auch Erkenntnisse für neue, besonders robuste Produkte auf der Erde liefert.

Denn der japanische Holzkonzern ist stets auf der Suche nach neuen Anwendungsfeldern. Im vergangenen Jahr behauptete Sumitomo Forestry, eine Technik entwickelt zu haben, mit der 350 Meter hohe Wolkenkratzer aus Holz gebaut werden können. Im April kündigte der Konzern nun die Teilnahme am ersten Erdbebentest eines zehnstöckigen Holzhauses an.

Bei dem Projekt NHERI-TallWood von der Colorado School of Mines und beteiligten internationalen Universitäten kommt ein großer Rütteltisch zum Einsatz. Zunächst wird ein Erdbeben in San Diego, Kalifornien simuliert. Danach will Sumitomo Forestry nach eigenen Kriterien testen und die Erkenntnisse für die Entwicklung von mittleren und großen Holzbauten nutzen, die in Japan und im Ausland gefördert werden. Wer weiß, vielleicht lassen sich die Technologien auch für Mondsiedlungen nutzen.

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(jle)