"Soft Walls" sollen TerrorflĂĽge verhindern
Eine Forschergruppe an der Universität Berkeley hat ein System entwickelt, das einem Piloten bei Annäherung an ein potenzielles Terrorziel die Kontrolle über seine Maschine entziehen kann.
Motiviert durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 denkt eine Forschergruppe an der kalifornischen Universität Berkeley darüber nach, wie sich so etwas künftig verhindern ließe. Als Lösung schlagen sie ein System vor, das in die Software moderner Flugzeuge integriert wird und dem Piloten bei Annäherung an ein potenzielles Ziel die Kontrolle über seine Maschine entzieht.
Die Idee der "Soft Walls", wie das Forscherteam um die Professoren Edward A. Lee und Shankar Sastry seine Entwicklung getauft hat, beruht auf einer Datenbank mit so genannten "No-Fly Zones" und einer Software, die die per GPS ermittelte Position der Maschine ständig mit den verbotenen Gebieten abgleicht. Nähert sich das Flugzeug einer gefährlichen Position, würde der Pilot zunächst über optische oder akustische Signale auf diesen Umstand aufmerksam gemacht werden. Unterbleibt eine Reaktion, könnte die Software die Steuerung übernehmen und das Flugzeug um die verbotene Zone herumlenken.
In modernen Verkehrsflugzeugen haben die Piloten heutzutage ohnehin keinen direkten Zugriff mehr auf die Steuerelemente wie Klappen und Ruder. Stattdessen bedienen sie Joysticks, elektronische Regler und Tasten, und eine so genannte Fly-By-Wire-Software sorgt für die Übertragung der Befehle auf die Flugzeugmechanik. Dort ließe sich die Soft-Walls-Software relativ einfach integrieren. Bei älteren Maschinen müsste der Autopilot entsprechend modifiziert werden.
Ein Forschungsflugzeug haben die Wissenschaftler bereits mit ihrer Software ausgerüstet. Bis sie Einzug in die Passagierluftfahrt halten könnte, werden aber wohl noch fünf Jahre vergehen.
Einen wirksamen Schutz vor terroristisch motivierten Entführern böten die Soft Walls natürlich nur, wenn es keine Möglichkeit gäbe, sie zu deaktivieren -- auch in Notfällen hätte der Pilot also beispielsweise keine Chance, in eine als verboten markierte Zone auszuweichen. Dieser Befürchtung, die Piloten als Argument gegen die Einführung des Systems äußern, halten die Entwickler in den Soft-Walls-FAQ (PDF) entgegen, dass das immer noch besser sei, als von Sicherheitskräften abgeschossen zu werden. Kein Notfall an Bord eines Flugzeugs rechtfertige, Tausende Menschenleben am Boden zu gefährden. (hos)