Streit zwischen Strato und NSI um Domain-Registrierung spitzt sich zu

Der Berliner Webhoster Strato hat dem US-amerikanischen Domain-Registrar Network Solutions per einstweiliger VerfĂĽgung untersagen lassen, mit Inhabern von bei Strato gehosteten .com-, .net- oder .org-Domains zu kommunizieren.

vorlesen Druckansicht 102 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.

Der Berliner Webhoster Strato hat dem US-amerikanischen Domain-Registrar Network Solutions (NSI) per einstweiliger VerfĂĽgung untersagen lassen, mit von Strato gehosteten .com-, .net- oder .org-Domain-Inhabern zu kommunizieren. Die VerfĂĽgung ist allerdings erst dann wirksam, wenn sie NSI zugestellt wird. In der Regel dauert es vier bis sechs Wochen, bis ein solcher Beschluss das entsprechende Unternehmen in den USA erreicht.

Vor rund einer Woche hatte eine E-Mail von NSI für große Verwirrung bei Strato-Kunden gesorgt. NSI hatte die Kunden darauf hingewiesen, dass Strato "mit Wirkung zum 3. Januar 2004 nicht mehr an unserem Vertriebsprogramm" teilnehme. Daher habe man "für Sie einen Network Solutions Zugang eingerichtet, um Ihnen die Möglichkeit zu bieten, Ihre Domains eigenständig zu verwalten". Diese E-Mail hatte viele Strato-Kunden verunsichert, weil sie, studiert man sie nicht genau, suggerieren kann, dass die im Text erwähnten .com-, .net- oder .org-Domains verloren gehen könnten, wenn man nicht sofort den Registrar wechselt.

Strato möchte die Registrierung von .com-, .net- und .org-Domains künftig nicht mehr wie bisher über NSI abwickeln, sondern in eigener Regie organisieren. Ziel sei es außerdem, die Kunden "vor unnötig hohen Kosten und rechtswidrigen Spam-Aktionen von NSI zu bewahren", teilte der Webhoster zu der einstweiligen Verfügung mit. Die E-Mail-Kampagne diene NSI dazu, "Strato-Kunden in Verträge zu drängen, die völlig überflüssig und zudem überteuert sind". Man werde daher "nunmehr auch die zuständigen US-amerikanischen Gerichte und Behörden einschalten, um die rechtswidrigen Aktionen von NSI zu stoppen". Im Gespräch mit heise online kündigte Strato-Aufsichtsrat Rochus Wegener heute überdies an, noch in dieser Woche eine Beschwerde gegen NSI bei der Internet-Verwaltung ICANN einreichen zu wollen.

NSI sieht die Lage freilich völlig anders. Champion Mitchell, CEO von Network Solutions, teilte heise online mit, dass zwar "bis zum 2. Januar 2004 Registrierungen von Domain-Namen bei Network Solutions durch Strato im Auftrag der Kunden vorgenommen" wurden. Die diesem Registrierungsverfahren zugrundeliegende Geschäftsverbindung zwischen Network Solutions und Strato habe allerdings zum 2. Januar 2004 geendet. "Die Domain-Namen bleiben jedoch weiterhin bei Network Solutions registriert", betonte Mitchell. Unabhängig von dem Ende der Geschäftsverbindung mit Strato müsse NSI seine "Verpflichtungen gegenüber den Kunden erfüllen".

Kern der Auseinandersetzung ist folglich die Frage, ob die betroffenen Kunden ihre .com-, .net- oder .org-Domains bei Strato oder nur über Strato bei NSI registriert haben. NSI ist der Auffassung, ein Vertragsverhältnis mit den Domain-Besitzern zu haben. In diesem Fall läge ein berechtigtes Interesse des Unternehmens vor, mit seinen Kunden zu kommunizieren. Der Vorwurf von Strato, bei den E-Mails handele es sich um "Spam", wäre dann wohl kaum vor Gericht durchzusetzen.

NSI beruft sich zum einen auf eine Passage im Vertrag mit Strato, der heise online allerdings nicht vorliegt. Zum anderen verweist NSI aber auch auf Abschnitt 5.5 in den allgemeinen Geschäftsbedignungen des Berliner Webhosters, in dem es wörtlich heißt: "Strato führt die Anmeldung beziehungsweise Registrierung von Domains im Namen und im Auftrag des Kunden durch und trägt den Kunden als Nutzungsberechtigten der jeweiligen Domain ein." Mehrere von heise online befragte Experten für Domain-Recht sehen in dieser Passage eine Bestätigung dafür, dass Strato sich hiermit lediglich eine Mittlerrolle zuschreibt und somit NSI tatsächlich ein Vertragsverhältnis mit den Strato-Kunden hat -- die E-Mail-Kampagne wäre nach dieser Interpretation rechtlich nicht zu beanstanden. (hob)