TA Triumph-Adler stĂĽrzt weiter ab

Noch 2007 wurde Robert Feldmeier, Chef der TA Triumph-Adler AG in Nürnberg, als "Turnaround-Manager des Jahres" ausgezeichnet. Seitdem geht es mit der Firma abwärts.

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Von
  • Damian Sicking

TA Triumph-Adler-Chef Robert Feldmeier

(Bild: TA Triumph-Adler)

Lieber TA Triumph-Adler-Chef Robert Feldmeier,

Sie sind im Jahr 2007 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und dem Wirtschaftsmagazin Impulse zum "Turnaround-Manager des Jahres" gewählt worden. Die entsprechende PR-Meldung auf Ihre Homepage ist inzwischen vom Netz genommen geworden (aber im Netz geht bekanntlich nichts verloren). Die Löschung der Mitteilung über die Ehrung erfolgt aus gutem Grund, wie mir scheint. Denn seitdem läuft das Geschäft bei Triumph-Adler alles andere als gut. Es gab zwar wiederum einen Turnaround, aber diesmal in die andere Richtung, nämlich nach unten.

Bereits für das Jahr 2008 mussten Sie schlechte Zahlen melden. Der Umsatz ging gegenüber dem Vorjahr auf 358 Millionen Euro zurück. Der Vorsteuergewinn verschlechterte sich ebenfalls, und zwar auf 7,2 Millionen Euro. Hierzu ist anzumerken, dass die in der Adhoc-Mitteilung vom 26.3.2008 für das Geschäftsjahr 2007 veröffentlichten Zahlen deutlich höher ausfallen als die ein Jahr später in einer Pressemitteilung veröffentlichten Zahlen. Laut der Adhoc-Mitteilung belief sich der Umsatz im Jahr 2007 auf 416 Millionen Euro und der Vorsteuergewinn auf 12,1 Millionen Euro. In der Pressemitteilung vom März des darauf folgenden Jahres lag der Umsatz für dasselbe Jahr 2007 nur noch bei 381 Millionen und der Gewinn bei 9,2 Millionen. Vermutlicher Grund für die nachträgliche Korrektur der Zahlen nach unten: Sonst hätte TA bei der Bekanntgabe der Geschäftsergebnisse noch schlechter ausgesehen. Aber egal, denn im vergangenen Jahr kam es für Sie noch dicker: Nach einer aktuellen Meldung brach der Konzernumsatz von Triumph-Adler 2009 um 20 Prozent auf nur noch 287 Millionen Euro ein. Fast noch schlimmer: Das Unternehmen rutschte mit einem Verlust vor Steuern von 15 Millionen Euro tief in die roten Zahlen. Sowohl für die schlechten Zahlen des vergangenen Jahres als auch des Jahres 2008 machen Sie die Wirtschaftskrise und die daraus resultierende schwache Nachfrage verantwortlich.

Lieber Herr Feldmeier, machen Sie es sich damit nicht ein wenig zu einfach? Ich meine, von der Wirtschaftskrise ist nicht nur TA Triumph-Adler betroffen. Trotzdem gelingt es anderen Unternehmen – auch in Deutschland –, gute Geschäftsergebnisse auszuweisen und Umsatz und Gewinn sogar zu steigern. Blicken Sie zum Beispiel nach Hüllhorst im Kreis Minden-Lübbecke in Ostwestfalen. Hier sitzt der IT-Anbieter Wortmann AG, der im vergangenen Jahr trotz Krise den Umsatz um 12 Prozent auf 350 Millionen Euro steigern konnte (2008: + 7 Prozent). Geht doch!

Lieber Herr Feldmeier, zurück noch einmal zu Ihrer Ernennung zum Turnaround-Manager im Jahr 2007. Damals hatte ich Sie auf eine Studie hingewiesen, die nachgewiesen hat, dass Unternehmenschefs, die renommierte Management-Preise – also zum Beispiel "Turnaround-Manager des Jahres" –, erhalten, im Anschluss daran deutlich schlechtere Arbeit leisten als vergleichbare Berufskollegen, die leer ausgegangen sind. So ist die Gesamtkapitalrendite der von preisgekrönten Managern geführten Firmen ein Jahr nach der Preisverleihung spürbar geringer als die einer Kontrollgruppe. Auch an der Börse entwickelten sich die Aktienkurse der von Preisträgern geführten Unternehmen in den drei Jahren nach der Auszeichnung um 15 bis 26 Prozent schlechter als die der Kontrollgruppe.

Wesentlicher Grund für diese Entwicklung: Wenn ein CEO einen prestigeträchtigen Preis bekommt, dann steigen sein Status und sein Renommee offenbar so an, dass er in seinem Unternehmen quasi unangreifbar und allmächtig wird. Das gebe ihm die Möglichkeit, so die amerikanischen Wissenschaftler, sich mehr um seine eigenen Interessen und weniger um die seines Unternehmens zu kümmern. So stellten die amerikanischen Wissenschaftler fest, dass die preisgekrönten Unternehmensführer dazu neigten, sich statt mit dem Tagesgeschäft mit anderen Dingen die Zeit zu vertreiben: Sie schreiben häufiger Bücher als die Manager in der Kontrollgruppe und werden von anderen Firmen öfter in den Aufsichtsrat berufen. Auch ihr Golf-Handicap ist besser als das der Manager in der Kontrollgruppe.

Nun bin ich weit davon entfernt, Ihnen, lieber Herr Feldmeier, diese Verschiebung der Prioritäten zu unterstellen, und Sie hatten in Ihrem Statement damals ja auch gesagt, dass Sie weder Bücher schreiben noch Golf spielen. Aber auffällig ist diese Bestätigung der Studienergebnisse durch die Geschäftsentwicklung der TA Triumph-Adler ja doch, finden Sie nicht? Kann aber natürlich auch Zufall sein.

Beste GrĂĽĂźe

Damian Sicking

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