Kabel Deutschland will kleinere Rivalen schlucken
Bieterkämpfe, Übernahmeverhandlungen und Marktkonzentration -- in den deutschen TV-Kabelmarkt kommt Bewegung, als der Aufkauf von Kabel Baden-Württemberg und der hessischen Iesy durch Kabel Deutschland wahrscheinlich wird.
Der Aufkauf der beiden regionalen Kabelanbieter Kabel Baden-Württemberg und Iesy (Hessen) durch Kabel Deutschland (KDG) könnte nach einem Bericht der Financial Times Deutschland unmittelbar bevorstehen. KDG ist Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber. Obwohl keine Details bekannt wurden, gilt der Kaufpreis bereits als verhandelt. Jetzt müssten noch die Wettbewerbshüter dem Deal zustimmen.
Mit dieser Wendung würden sich die KDG-Eigentümer Apax, Goldman Sachs und Providence gegen Ish, den zweitgößten Anbieter Deutschlands, durchsetzen. Der wollte offenbar mit den beiden kleineren Unternehmen fusionieren. Ihrerseits hatten zuvor aber auch die Eigentümer von Kabel BW und Iesy, die Investoren Blackstone und Apollo, für Ish geboten.
Roland Steindorf, Sprecher der Geschäftsführung bei KDG, erklärte, sein Unternehmen sei weiterhin an Ish interessiert und werde "alle strategischen Optionen" prüfen. Bisher wurden für Ish etwa 1,3 Milliarden Euro geboten. Für die KDG wäre der Kauf seines Rivalen Ish ein wichtiger Schritt vor einem möglichen Börsengang und hin zu einer überragenden Positionierung am deutschen Kabelmarkt. Allerdings gibt es mit dem britischen Investor BC Partners einen weiteren Bieter für die Ish. Dieser hatte bereits 2003 die hannoversche Telecolumbus von der Deutschen Bank gekauft.
Seit dem Verkauf der TV-Kabelnetze durch die Deutsche Telekom ist der Markt auf einzelne Anbieter zersplittert -- Digitalisierung sowie moderne Dienste werden nur schleppend und nicht flächendeckend realisiert. Die neuesten Entwicklungen könnten nach Ansicht von Branchenbeobachtern zur weiteren Konsolidierung des Kabelmarktes beitragen. Der potenzielle Wegfall mindestens zweier Wettbewerber zieht aber möglicherweise noch weitere Kreise: Geht der Aufkauf von Kabel BW und Iesy wie beschrieben über die Bühne, wäre einer der Iesy-Eigner, die New Yorker Apollo Management, nicht mehr im deutschen Kabelnetz präsent. Damit könnte auch die bereits von Apollo vorbereitete Übernahme der hochverschuldeten Primacom in Mainz scheitern.
Siehe dazu auch: (nhe)
- Kabel BW will Netze modernisieren
- Runder Tisch soll die Digitalisierung des TV-Kabels richten
- Kabelnetzbetreiber ish will nicht verkaufen