"Mr. SAP" wird 60
Zusammen mit vier GrĂĽndern schaffte Hasso Plattner es, SAP als einziges groĂźes deutsches Unternehmen der Softwareindustrie an die Weltspitze zu fĂĽhren.
Golf ist neben Segeln die große Leidenschaft von Hasso Plattner. Genauso leidenschaftlich hat der gebürtige Berliner bis vor wenigen Monaten die Geschicke beim Softwareriesen SAP geleitet. Zusammen mit vier Gründern der Walldorfer Softwareschmiede schaffte er es, SAP als einziges großes deutsches Unternehmen der Softwareindustrie an die Weltspitze zu führen. Im Mai vergangenen Jahres wechselte er vom Posten des Vorstandschefs an die Spitze des Aufsichtsrates und lebt seitdem zeitweise in Deutschland, den USA und Südafrika. Am heutigen Mittwoch wird Plattner 60 Jahre alt -- einen Tag vor der SAP-Bilanzpressekonferenz zum Geschäftsjahr 2003.
Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gratulierte Plattner bereits zu dessen 60. Geburtstag. Platzeck würdigte in Potsdam vor allem die Bemühungen Plattners um die Ausbildung von Softwarestudenten. "Dank ihres privaten Engagements können wir in Potsdam auf ein Institut mit höchstem Anspruch verweisen", schrieb Platzeck am Mittwoch. Von April an unterrichtet Plattner selbst an dem nach ihm benannten Institut.
Die große Geburtstagsparty wird einen Monat später gefeiert: Am 20. Februar wird SAP in Potsdam eine Veranstaltung zu Ehren von Plattner ausrichten. Gäste sind langjährige Wegbegleiter der ersten Stunde, Vorstandschefs von anderen DAX-Unternehmen sowie Prominenz aus Politik und Medien. Für die Lobesrede auf den Jubilar hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zugesagt.
Kernstück der "Geburtstagsfeier" wird eine Podiumsdiskussion sein, die das Lebensmotto von Plattner widerspiegeln soll: "Kreativität und Wettbewerb". An der Viererrunde teilnehmen werden Stararchitekt Daniel Libeskind, America's Cup-Segler Jochen Schümann und Ex-Lufthansa-Chef Jürgen Weber. 200 Gäste werden zu dem Treffen im Potsdamer Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI) erwartet. Plattner hatte die Einrichtung im Jahr 1998 mit dem Ziel gegründet, die Ausbildung von Softwareingenieuren voranzutreiben. Seine Stiftung in Höhe von damals 100 Millionen Mark (51 Millionen Euro) galt als eine der größten in der Geschichte Deutschlands. Künftig will er auch privat nach Potsdam übersiedeln.
Seine berufliche Laufbahn begann der gebürtige Berliner 1968 als Programmentwickler beim Computerkonzern IBM. Vier Jahre später verließ er "Big Blue", um mit vier Mitstreitern SAP zu gründen. Von 1988 bis 1997 war er stellvertretender Vorstandsvorsitzender, danach gleichberechtigter Vorstandssprecher mit Mitgründer Dietmar Hopp. Von 1998 an leitete Plattner zusammen mit Henning Kagermann als Co-Vorstandssprecher die Geschicke des DAX-Unternehmens. Mit seinem selbstbewussten Auftreten und einem instinktiven Gespür für den Markt verkörperte Plattner SAP wie kein anderer. Sein zum Teil aufbrausender Charakter hat dem zweifachen Vater aber auch Kritik in den eigenen Reihen eingebracht. Sein mitunter hemdsärmeliges Auftreten bekamen selbst die SAP-Aktionäre bei seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandschef im Mai vergangenen Jahres hautnah präsentiert.
Auf Kritik, er habe in der Endphase seiner Amtszeit sich mehr seinem Hobby als seiner Sprechertätigkeit gewidmet, entgegnete Plattner den rund 4000 Anwesenden: "Mir stehen als Angestelltem der SAP 40 Arbeitstage Urlaub zu. Mir ist es da sehr gut gegangen. Von diesen 40 Tagen habe ich ganze 13 für mein Hobby -- das Segeln -- verwendet." Plattner hatte zuvor eine Bilanzpressekonferenz wegen einer Flaute bei einer Segelregatta verpasst. (Bernd Glebe, dpa) / (jk)