Erste Tests von Director MX 2004 mit JavaScript

Die neue Director-Version, Anfang Januar vorgestellt und nun zur Begutachtung durch Tester freigegeben, will Vertrauen in der Entwicklergemeinde zurĂĽckgewinnen und konzentriert sich auf die Produktion von interaktiven CD- oder DVD-Titeln.

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Von
  • Detlef Beyer
  • Michael Kurzidim

1996 stieß Macromedia mit dem Shockwave-Plug-in für mit Director erstellte Produktionen das Tor zum Internet auf. In der Zwischenzeit hat Flash, das vom gleichen Hersteller kommt, Shockwave mehr und mehr verdrängt. Die neue Director-Version, Anfang Januar vorgestellt und nun zur Begutachtung durch Tester freigegeben, spiegelt diese Entwicklung wider und konzentriert sich auf alte Stärken: die Produktion von interaktiven CD- oder DVD-Titeln.

Die Vorgängerversion, Director MX, wurde von der Entwicklergemeinde nur zögerlich angenommen. Die Neuerungen gegenüber Director 8.5 und die fehlerhafte Umsetzung unter Mac OS X haben die Kosten für das Upgrade kaum gerechtfertigt. Jetzt versucht Macromedia, mit der neuen Version Vertrauen zurück zu gewinnen. Schon auf der Mac World in San Francisco konnten Director-Entwickler einen ersten Blick auf Director MX 2004 werfen. Beta-Testern aber war es bis heute nicht erlaubt, über das Produkt zu berichten.

Die augenfälligste Neuerung ist die Integration von Javascript als Alternative zur Director-internen Programmsprache Lingo. Um JavaScript zu implementieren, bedient sich Macromedia der SpiderMonkey Engine von Mozilla. Mit Javascript haben die Director-Entwickler Zugriff auf eine Vielzahl meist kostenloser Code-Vorlagen, was Neueinsteigern das Leben erleichtert. Auch unterstützt der neue Director mit JavaScript Unicode, worauf Lingo-Programmierer immer noch verzichten müssen. Allerdings laufen Lingo-Programme im neuen Director deutlich performanter als mit JavaScript entwickelte Anwendungen. Das neue JavaScript hinkt Lingo hinterher.

Director MX 2004 kann direkt auf DVD-Videos (auf den Ordner "VIDEO_TS" einer DVD) zugreifen, was den Einsatz etwa fĂĽr eLearning-DVDs frei macht. Dem DVD-Spieler vor dem heimatlichen Fernseher dagegen bleibt der Zugriff auf die interaktive Director-Anwendung versagt, das ist nur Nutzern von Macs und PCs gestattet.

Kosten spart die neue Publishing-Funktion: War es bisher notwendig, für jede Plattform, auf der eine mit Director erstellte Anwendung laufen sollte, die Vollversion zu erwerben, so kann man nun mit einer Version alle Zielplattformen bedienen. Director erstellt die Player für Mac OS 9, OS X und Windows prinzipiell mit jeder Version, allerdings kann es unter Windows Probleme mit den Ressourcen der Macintosh-Dateien geben; eine OS-9-Version kann man ebenfalls nur auf einem Macintosh anlegen. Director-2004-Anwender müssen ihr Programm via Internet aktivieren. Macromedia erlaubt dabei die Aktivierung auf zwei Rechnern mit identischem Betriebssystem. Wer möchte, kann folglich mit einer Lizenz zum Beispiel am Arbeitsplatz und zu Hause die neue Version installieren.

Einige Bugs der Vorgängerversion hat der Hersteller behoben. Unter Windows kann man nun auch die eingebetteten Schriften nutzen, ohne dass die Anwendung beim Start nach Administrator-Rechten verlangt. Diese Einschränkung stand dem Gebrauch des sinnvollen Features bis jetzt im Wege. Beim Importieren größerer XML-Dateien gibt Director den benötigten Speicher wieder frei und stürzt nicht, wie die Vorgängerversion, regelmäßig ab. Auch der Import statischer und animierter GIF-Dateien funktioniert endlich problemlos.

Macromedia hat die Dot-Syntax von Lingo konsequent erweitert, so dass bisher nicht auf diesem Wege erreichbare Objekte nicht mehr über umständliche Hilfskonstruktionen angesprochen werden müssen. So dürfen Director-Entwickler etwa den Tell-Befehl, der für die Kommunikation mit MIAWs (Movie In A Window) zuständig war, jetzt ad acta legen und durch das bequemere

window("kl_dialog").movie.castLib[1].member[4].text = "tell brauchen wir nicht mehr!"

ersetzen. Sehr angenehm fällt auch das wieder vollständige funktionierende Debugger-Fenster unter OSX auf, das sich nun wie in alten Zeiten vergrößern oder verkleinern lässt. Keine Veränderung hat Macromedia allerdings der eingebetteten 3D-Engine angedeihen lassen und es scheint, als würde diesem Teil von Director das gleiche Schicksal blühen, das auch den Multiuser-Server ereilt hat: Macromedia stellt die Weiterentwicklung ein. Director MX 2004 wird 1439,00 Euro kosten, ein Upgrade von Director 8.5 oder Director MX beläuft sich auf 479,00 Euro. (Detlef Beyer) / (ku)