Osama bin Laden, Al Quaida und die Stimmerkennung
Dass Osama Bin Ladens Stimme auf einem neuen Tonband beweist, der Al-Qaida-FĂĽhrer lebe noch, bezweifelt Richard A. Muller, Physik-Professor und Sicherheitsexperte an der University of California, in einem Artikel in Technology Review.
Eine Anfang des Jahres vom TV-Sender Al Dschasira ausgestrahlte Tonband-Aufnahme war für viele der Beweis: Al-Quaida-Führer Osama bin Laden lebt. Sicherheitsexperten bis hin zum zuständigen US-Minister für Homeland Security, Tom Ridge, ließen sich davon überzeugen. Ein Physik-Professor und Sicherheitsexperte allerdings hat eine andere Theorie: Die Stimme auf dem Band könnte statt von Osama von einem seiner Söhne stammen, schreibt Richard A. Muller in einer Kolumne für Technology Review.
Er halte bin Laden seit Mai 2002 für tot, erklärt Muller, und begründet dies mit der Tatsache, dass seitdem keine der früher üblichen Video-Botschaften des Terroristen-Führers mehr aufgetaucht seien. Weil eine Video-Fälschung zu leicht aufzudecken sei, habe Al Quaida seiner Ansicht nach zu reinen Audio-Aufnahmen gegriffen. Die Gruppe mache sich den Umstand zunutze, dass die Stimmen von nahen Verwandten oft sehr ähnlich klingen.
Muller glaubt, dass dadurch auch die heute hoch entwickelten Analyse-Werkzeuge getäuscht werden könnten. Denn anders als Stimm-Imitatoren oder technische Manipulationen gebe es bei natürlicher Verwandschaft keine eindeutigen Hinweise auf eine Fälschung. Das gelte insbesondere, wenn die Aufnahme von nur mäßiger Qualität sei -- und genau das sei bei dem Band von Anfang Januar der Fall.
Richard A. Muller ist Physik-Professor an der University of California in Berkeley. Dort hält er die Vorlesung "Physics for Future Presidents"; außerdem ist Muller seit 1972 Berater für die nationale Sicherheit der USA. Seine ausführliche Argumentation, warum er die Tonband-Aufnahmen von Al Quaida für gefälscht hält, veröffentlicht er in Technology Review:
(sma)