FOSDEM 2010
Anfang Feburar zog das Free and Open Software European Developers Meeting (FOSDEM) die Community der europäischen Open-Source-Entwickler nach Brüssel – zum mittlerweile zehnten Mal.
- Heiko W. Rupp
- Dr. Oliver Diedrich
Mehrere tausend Geeks kamen am 6. und 7. Februar für ein Wochenende auf dem Gelände der Freien Universität Brüssel zum zehnten Free and Open Software European Developers Meeting (FOSDEM) zusammen. Genauere Besucherzahlen gibt es nicht, da die Konferenz kostenlos ist und die Teilnehmer nicht registriert wurden.
Besucher hatten die Qual der Wahl zwischen über 300 Vorträgen. Neben einigen Hauptvorträgen gab es fast zu jedem Thema eine Vortragsreihe. Hier stachen insbesondere die Datenbanken mit drei Tracks zu PostgreSQL, MySQL und NoSQL-Datenbanken heraus. Ein weiteres breites Thema waren Betriebssysteme, vor allem Linux-Distributionen. Daneben gab es auch Tracks zu Programmiersprachen wie Java, Perl und Ruby sowie zu Anwendungen wie OpenOffice, Drupal oder Mozilla. Auch die Anhänger hardwarenaher Themen kamen auf ihre Kosten.
Neben diesen eher technischen Tracks gab es aber auch "weichere" Themen wie Frauen und Mozilla (WoMoZ) oder wie man einem größeren Unternehmen Open-Source-Methodiken näher bringen kann. Und auch eine PGP-Keysigning-Party durfte nicht fehlen.
Ein Highlight der Konferenz war sicher Andy S. Tanenbaums humorvoll vorgetragener Talk über Minix 3. Oberste Priorität bei der Entwicklung von Minix sei Stabilität, so Tanenbaum, während Softwarehersteller in der Art argumentieren würden: "Wenn Gott stabile Software gewollt hätte, hätte er den Resetknopf nicht erfunden". Auch die Erklärung, warum der Waschbär das Maskottchen von Minix ist, war für einen großen Lacher gut: "Er ist niedlich – und er frisst Bugs".
Generell waren fast alle Beiträge von hoher Qualität – man merkte, dass hier Leute vortragen, denen ihr Thema am Herzen liegt. Somit ist es fast schon unfair, einzelne Vorträge herauszuheben. Projekte konnten sich außer in Vorträgen auch an Ständen präsentieren, was die FOSDEM-Teilnehmer gut annahmen: Zum Verkauf angebotene T-Shirts und andere Devotionalien fanden reißenden Absatz.
Trotz der hohen Teilnehmerzahl und der damit verbundenen noch höheren Anzahl an netzfähigen Geräten hatte das WLAN einen ordentlichen Durchsatz und gute Abdeckung. Ein Tweet berichtete von etwa 2.000 gleichzeitigen IPv4- und zusätzlichen 1.600 IPv6-Nutzern im Netz. Am Sonntag kam dann der Aufruf der Organisatoren, doch bitte mehr Bandbreite zu nutzen (es scheint im Schnitt nur ein Zehntel der 1-GBit-Leitung ausgenutzt gewesen zu sein). Hier kann sich manche teuerere Konferenz eine große Scheibe abschneiden.
Natürlich lässt sich so eine Konferenz nur über eine stattliche Anzahl freiwilliger Helfer und mit viel Improvisation stemmen. An Verpflegung mussten Sandwiches ausreichen, zudem ließ man einfach Imbissbuden auf das Gelände der Uni kommen. Um den "Women Acceptance Factor" für eine Wochenendkonferenz zu erhöhen, hatten die Veranstalter extra Stadtrundfahrten für Begleiterinnen organisiert, die nicht an der Konferenz teilnehmen wollten.
Die Hauptpräsentationen wurden auf Video aufgenommen. Sie sollen etwa eine Woche nach Konferenzende auf der FOSDEM-Website zum Download bereitgestellt werden.
Siehe dazu auch:
- Video: Rundgang ĂĽber die FOSDEM 2010
(odi)