Dortmunder Roboterforscher nehmen 360-Grad-Panoramaprojektion in Betrieb

Volles Eintauchen in virtuelle Realitäten erlaubt eine am gestrigen Freitag eingeweihte 360-Grad-Panorama-Projektionsanlage an der Uni Dortmund. Das Projekt baut ganz auf deutsche VR-Technik.

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Virtuelle Löscharbeiten bei einem Waldbrand in der Panorama-Projektionsanlage (Bild: W. Herzberg)

Wovon Spielefreunde voller Sehnsucht und bislang vergeblich träumen, damit dürfen Wissenschaftler am Institut für Roboterforschung der Universität Dortmund jetzt Simulationsvorgänge verschiedenster Art durchführen: Die im Rahmen des Dortmunder Projekts OPTIMUS entwickelte neue 360-Grad-Panorama-Projektionseinheit erlaubt mit Hilfe von 3D-Brille und Datenhandschuh ein tiefes Eintauchen in die virtuelle Welt sowie manuelle Interaktion. Die am gestrigen Freitag eingeweihte Anlage dient dem Institut als multimediale Entwicklungsplattform, mit deren Hilfe die Forscher ein Training in der internationalen Raumstation ISS ebenso simulieren wie die Arbeit mit einem Harvester, einer gigantischen Holzerntemaschine in der Forsttechnik. Rundflüge über Landschaften und Kulturdenkmäler stehen ebenso auf dem Plan wie das virtuelle Einrichten von Produktionsanlagen.

OPTIMUS ist ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts und der Dortmunder Initiative zur Rechnerintegrierten Fertigung (RIF). Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Arbeit mit 600.000 Euro gefördert – dementsprechend ließ es sich auch die zuständige Ministerin für Wissenschaft und Forschung, Hannelore Kraft, gestern nicht nehmen, den Schalter zum Ingangsetzen der Anlage selbst zu betätigen. Sie musste dies allerdings per Datenhandschuh und ausgestattet mit einer 3D-Brille tun, denn Prof. Dr.-Ing. Eckhard Freund, der Leiter des Instituts, und seine Mitarbeiter hatten diesen Schalter passenderweise in die virtuelle Realität versetzt.

COSIMIR heißt das System, das die Grundlage für die nun eingeweihte Anlage bildet. Die OPTIMUS-Partner, die COSIMIR in Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen entwickelt haben, betonen stolz, dass es sich um das einzige aus Deutschland stammende universelle 3D-Simulations- und Virtual-Reality-System handle. Die bislang vorgestellten Einsatzgebiete sprechen für eine große Vielfalt des Anwendungsspektrums. Mehrere Personen können gleichzeitig in derselben Umgebung arbeiten, und die Entwickler haben verschiedene Schnittstellen vorgesehen, um die Interaktion nicht auf die Medien Datenhelm und -handschuh zu beschränken. So ist vorgesehen, dass etwa bei der Simulation von Arbeitsmaschinen ein nachgebautes Führerhaus mit realistischen Bedienelementen zum Einsatz kommen kann.

Im Unterschied zu den seit Jahren etablierten "CAVEs" erlaubt die achteckige Form einer COSIMIR-Konstruktion mit je nach Ausbaustufe sieben bis acht Wänden relativ großzügige Platzverhältnisse und mildert den Umkipp-Effekt, der in den rechtwinkligen CAVE-Ecken typischerweise die Raumillusion stört. (psz)