Astronomie: Womöglich gigantischer Krater auf Planetoiden hinter dem Pluto

Hinter dem Pluto kreist ein bislang namenloser Kleinplanet um die Sonne, der noch wenig erforscht ist. Nun gibt es Hinweise auf einen gigantischen Krater dort.

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Observatorium unter kreisförmigen Sternenspuren

(Bild: xavier gallego morell/Shutterstock.com)

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Auf einem namenlosen Kleinplaneten weit hinter dem Pluto könnte es die höchste Erhebung im Sonnensystem geben, die sogar den gigantischen Vulkan Olympus Mons auf dem Mars übertrifft. Das legt eine jetzt vorgestellte Beobachtungskampagne des Himmelskörpers namens (307261) 2002 MS4 nahe. Dabei wurde der Planetoid gleichzeitig von mehreren Teleskopen ins Visier genommen, als er vor einem weit entfernten Stern vorübergezogen ist.

Die so gesammelten Daten legen nahe, dass sich an einer Seite des Objekts eine bis zu 25 km hohe Erhebung befindet, an die sich eine 45 km tiefe kraterartige Struktur anschließt. Die gigantische Formation wäre im Sonnensystem beispiellos und das ausgerechnet in einem Gebiet, in dem die dafür nötigen Kollisionen besonders selten sein sollte.

Entdeckt wurde (307261) 2002 MS4 vor 21 Jahren, inzwischen ist bekannt, dass der Himmelskörper einen Durchmesser von etwa 800 km hat. Damit gehört der Zwergplanetenkandidat zu den größten transneptunischen Objekten überhaupt und er ist der größte ohne einen Eigennamen.

Weil er so weit entfernt ist, ist seine Erforschung besonders schwierig, helfen können besonders günstige Umstände. Davon gab es zwischen 2019 gleich neun, berichtet jetzt ein Forschungsteam um Flavia Rommel von der Technischen Universität im brasilianischen Curitiba. So oft ist der Himmelskörper in dem Zeitraum aus der Perspektive von Orten auf der Erde vor einem Stern vorübergezogen. Eine besonders günstige dieser sogenannten Okkultationen wurde dann von 61 Standorten aus beobachtet.

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Das Bild von (307261) 2002 MS4

(Bild: Rommel et.al)

Herausgekommen ist auf Basis dieser am 8. August 2020 von Standorten überall in Süd- und Osteuropa aus gesammelten Daten ein ziemlich genaues Umrissbild von (307261) 2002 MS4. Regelrecht ins Auge sticht darauf eine Abflachung, die von dem Forschungsteam vermessen wurde. Wie sie jetzt erläutern, scheint es sich um einen Krater mit einem Durchmesser von mehr als 320 km zu handeln, der bis zu 45 km tief ist. An dessen Rand findet sich die 25 km hohe Erhebung. Insgesamt handelt es sich also womöglich um einen Höhenunterschied von fast 70 km, Olympus Mons ragt dagegen 26 km über die ihn umgebende Marsebene.

Für eine derart riesige Struktur auf einem so vergleichsweise kleinen Himmelskörper gebe es im Sonnensystem keine Entsprechung, erklärt der an der Analyse beteiligte Astronom Bruno Sicardy vom Observatorium Paris dem New Scientist. Der Fund sei also "ziemlich unerwartet" gewesen. Noch sei es aber möglich, dass sich aus purem Zufall ein möglicher Mond des Planetoiden genau zum richtigen Zeitpunkt ins Bild geschoben hat. Das sei zwar nicht auszuschließen, aber extrem unwahrscheinlich. Erst weitere Beobachtungen, etwa mit dem Weltraumteleskop James Webb könnten das klären. Die Forschungsarbeit kann auf Arxiv.org eingesehen werden.

(mho)