Die USA vor dem Solarboom

Der Preisverfall bei Solarmodulen und verschiedene Gesetzesvorhaben treiben die Entwicklung der Sonnenenergie in den Vereinigten Staaten an: Experten schätzen, dass 2013 auf sie bereits ein Viertel des weltweiten Solarmarktes entfallen wird.

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Von
  • Kevin Bullis

Der Preisverfall bei Solarmodulen und verschiedene Gesetzesvorhaben treiben die Entwicklung der Sonnenenergie in den Vereinigten Staaten an: Experten schätzen, dass 2013 auf sie bereits ein Viertel des weltweiten Solarmarktes entfallen wird.

Noch immer gelten die USA vielen als eine Industrienation, die in ihrer Abhängigkeit vom Öl die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Tatsächlich spricht aber einiges dafür, dass der neue Cleantech-Boom die Vereinigten Staaten schon in ein paar Jahren zum größten Solarenergiemarkt der Welt machen wird. Dazu könnten vor allem Gesetze beitragen, die Energieversorgern Anreize setzen, große Solarfarmen zu bauen.

Im vergangenen Jahr habe die Anzahl an neuinstallierten Solar-Megawatt um mehr als 25 Prozent zugenommen, sagt Roger Efird, Vorsitzender der Solar Energy Industry Association. BegĂĽnstigt habe diese Entwicklung die Rezession, die Anfang 2009 erst zu einem Ăśberangebot an Solarmodulen fĂĽhrte, was die Preise dann aber um 40 Prozent purzeln lieĂź.

Für dieses Jahr erwartet Efird, der auch Geschäftsführer von Suntech America, einem Geschäftszweig von Suntech Power – dem größten Hersteller von Solarmodulen aus kristallinem Silizium – ist, erstmals eine solare Gesamtkapazität von einem Gigawatt in den USA – eine glatte Verdopplung. „Das ist eine Menge. Vor 15 Jahren haben wir noch in Watt gerechnet, vor zehn Jahren in Kilowatt, und selbst jetzt sind Megawatt noch immer keine Selbstverständlichkeit“, betont er.

Neben dem Preisverfall haben auch staatliche Vergünstigungen die gegenwärtige Entwicklung vorangetrieben. Sie hätten in den vergangenen 18 Monaten den Preis für eine typische Fünf-Kilowatt-Solaranlage, die auf einem Hausdach installiert wird, von 22.000 auf 16.000 Dollar fallen lassen, rechnet Harry Fleming, CEO von Acro Energy Technologies in Kalifornien, vor. 13.000 Dollar seien bereits realistisch. „Damit wird Solarenergie ein Produkt für die Mittelschicht“, freut sich Fleming.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass in diesem Jahr auch Solarprojekte aus dem US-Konjunkturpaket auf den Weg gebracht werden. Sowohl die General Services Administration als auch das Verteidigungsministerium stünden hier in den Startlöchern, sagt Roger Efird. „Das wird der Branche 2010 einen beträchtlichen Schub geben.“

Der wird noch durch Vorhaben der Energieversorger verstärkt. Dank geringfügiger Änderungen im Steuersystem würden die jetzt steuerliche Vergünstigungen für solare Investitionen in Anspruch nehmen, erläutert Efird. „Die Energieversorger haben zum ersten Mal begriffen, dass man mit Solarenergie auch im großen Stil Strom produzieren kann, der sich weiterverkaufen lässt.“ Er erwartet, dass ein Drittel aller amerikanischen Neuinstallationen im nächsten Jahr bei den Energieversorgern entsteht.

Auch wenn 2010 wohl noch kein US-Gesetz für einen CO2-Emissionshandel zustande kommen wird, könnten andere Gesetzesvorhaben die Solarindustrie weiter beflügeln. Dazu könnte die Verpflichtung für Versorgungsunternehmen gehören, Erneuerbare Energien in ihrem Strommix zu nutzen. Ebenfalls förderlich wäre ein Standard für die routinemäßige Anbindung von Solarenergie an die Stromnetze. Derzeit fehlt in einigen amerikanischen Bundesstaaten noch die rechtliche Grundlage, die es Privatpersonen erlaubt, überschüssigen Sonnenstrom einzuspeisen und sich vergüten zu lassen. Eine einheitliche Regelung könnte Installationszahlen und Absatz beschleunigen.

Einige Fachleute gehen allerdings davon aus, dass ein nicht unerheblicher Teil der neuen Solarprojekte fehlschlagen wird, weil die Branche noch nicht „reif“ genug sei und die Kosten noch zu häufig aus dem Ruder laufen würden. Probleme haben bislang auch Betriebsgenehmigungen und Landnutzungsrechte gemacht sowie die Notwendigkeit, neue Leitungen zu verlegen, vor allem bei großen Solarfarmen. Die mögen zwar für sich genommen wirtschaftlicher sein, aber kleinere Installationen, die näher an Umspannwerken liegen, lassen sich mitunter leichter realisieren.

Diese Schwierigkeiten ließen sich verringern, wenn gezielt Flächen für neue Solarfarmen samt Leitungen ausgewiesen würden. Mehrere Solarfarmen könnten sich als Cluster auch eine Netzanbindung teilen. „Dazu wäre aber ein strategisches Denken nötig, das bisher gefehlt hat“, bemängelt Jim Barry, Chef der irischen Solarentwicklungsfirma NRT, die in den USA aktiv ist.

Trotz dieser Widrigkeiten könnte schon 2013 ein Viertel des weltweiten Solarenergiemarktes auf die USA entfallen. Derzeit liegt ihr Anteil noch bei acht Prozent – hinter der Bundesrepublik. Wieviele Solaranlagen und -farmen dann aus amerikanischer Produktion stammen, ist aber ungewiss. Laut Arun Majumdar, Direktor der neugegründeten ARPA-E (Advanced Research Projects Agency for Energy), lieferten US-Firmen vor 15 Jahren noch knapp die Hälfte aller Solarmodule weltweit – heute sind es weniger als zehn Prozent.

Ein wachsender amerikanischer Solarmarkt könnte diesen Trend aber wieder umkehren. Suntech Power etwa produzierte bislang ausschließlich in China. Im Laufe des Jahres will die Firma eine neue Fabrik in Phoenix, Arizona, bauen. „Wir sind dann die erste chinesische Firma, die Arbeitsplätze in die USA exportiert“, scherzt Roger Efird. (nbo)