FBI wirbt PC-Werkstätten als Horchposten an
Im US-Bundesstaat Hawaii bemühen sich Beamte des FBI darum, Computerläden und andere Experten der Branche zur Mitarbeit zu überreden.
Beamte der US-amerikanischen Bundesbehörde FBI haben auf der hawaiianischen Insel O'ahu PC-Reparaturwerkstätten, Software-Entwickler und Netzwerkdienstleister aufgesucht, um diese zur Mithilfe beim Aufspüren von Cybercrime aufzufordern. Das berichtet der Honolulu Advertiser. Die Werkstätten sollen sich bei der Behörde melden, wenn ihnen verdächtige Daten oder Aktivitäten auffallen sollten.
Während einige Betriebe das Vorgehen des FBI unterstützen, kommt von den Bürgerrechtlern der American Civil Liberties Union (ACLU) Kritik: Es komme dem Tatbestand der Verletzung der Privatsphäre gefährlich nahe, meinen sie laut dem Bericht. Arnold Laanui vom FBI meint hingegen, nach dem Schutz des Landes vor Terrorismus und der Bekämpfung der Spionage folge Cybercrime an dritter Stelle. Darunter versteht das FBI Kinderpornografie, illegale Verwendung und Verbreitung von Software und Unterhaltungsmedien sowie Verstöße gegen die nationale Sicherheit. Die Initiative solle die FBI-Beamten bei ihrer üblichen Arbeit, wie zum Beispiel verdeckte Ermittlungen, vor Ort ergänzen.
Vanessa Chong von der ACLU sieht an sich kein Problem, wenn das FBI die PC-Experten zur Mithilfe bitte. Das sollte aber im Rahmen eines konkreten Tatverdachts geschehen und nicht in Form eines "Fischzugs". Es würden die Bürgerrechte vieler verletzt, um einige wenige Kriminelle dingfest zu machen. "Unsere Arbeit ist es, PCs zu reparieren, nicht das Gesetz durchzusetzen", sagt ein Besitzer eines Computergeschäfts. Der größte Teil der Reparaturen bewege sich auf Systemebene. Da bekämen die Techniker die Dateien einer Festplatte nicht zu Gesicht. "Wenn uns kinderpornografische Aktivitäten auffallen, melden wir das der Polizei. Wenn ein Kunde offensichtlich Musik über Kazaa tauscht, melden wir das nicht", zitiert der Bericht einen Ladenbesitzer.
In Europa wurden bereits kinderpornografische Aktivitäten durch Hinweis von Reparaturwerkstätten aufgedeckt. So ließ ein defekter Computer im Juni 2002 einen Kinderporno-Ring in Italien auffliegen. Etwa einen Monat spät begab sich ein ähnlicher Fall auch in Deutschland. (anw)