MWC: Mobilfunk-Station als Ă–kostrom-Tankstelle
Das schwedische Unternehmen Flexenclosure zeigt auf dem Mobile World Congress in Barcelona eine Mobilfunk-Sendeanlage, deren Energiebedarf größtenteils über Windkraft und Solarzellen gedeckt wird. Häufig bleibt auch Strom für Nachbarschaftsprojekte übrig.
Windkraft und Sonnenlicht können beim Betrieb von Mobilfunk-Sendeanlage große Mengen Diesel ersetzen. Häufig kann sogar ein Überschuss an Strom produziert werden, der dann an die umliegenden Kunden verkauft werden kann. Eine entsprechende Anlage namens E-Site zeigt das schwedische Unternehmen Flexenclosure auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona.
Auf der Spitze des Mobilfunkmastes wird ein Windrad angebracht, das den Mast um etwa vier Meter höher macht. In Bodennähe werden Solarzellen installiert. Als Backup bleibt ein Dieselgenerator erhalten. Diese Stromquellen speisen die Basisstation sowie Akkumulatoren. Der Anbieter konnte an einer Station in Kenia demonstrieren, dass selbst in der windschwachen Jahreszeit die Nutzungsdauer des Dieselgenerators um 94 Prozent reduziert werden konnte. Das spart nicht nur den Diesel selbst, sondern reduziert den Aufwand des regelmäßigen Nachtankens.
Tatsächlich wird nicht selten so viel Strom aus Sonne und Wind gewonnen, dass trotz Mobilfunk-Betrieb und Akkuladung noch Energie übrig bleibt. Diese kann für sinnvolle Projekte in der Nachbarschaft gespendet oder verkauft werden (E-Site Community Power). An einer Anlage in Kenia wird etwa ein Kühlschrank zur Aufbewahrung von Gegengift bei Schlangenbissen betrieben. Aber auch Wasserpumpen oder das simple Aufladen von Mobiltelefonen sind nützliche Anwendungsszenarien. Die Kunden können per SMS bestimmte Steckdosen freischalten und den dort bezogenen Strom über ihr Mobilfunkguthaben bezahlen. Das entsprechende Steuerungsmodul stellt Ericsson zur Verfügung. Sinkt die Stromproduktion unter bestimmte Schwellenwerte, wird den einzelnen Verbrauchern je nach Energiekonsum die Stromzufuhr entzogen, schließlich soll der Betrieb der kritischen Systeme (Mobilfunksender, medizinischer Kühlschrank) stets gesichert und der Dieselverbraucht so gering wie möglich bleiben.
Der Flexenclosure-Vertrieb konzentriert sich derzeit vorwiegend auf Afrika und möchte noch in diesem Jahr über 200 Anlagen verkauft und installiert haben. In der Folge sollen auch Netzbetreiber in Asien und Lateinamerika angesprochen werden. Die Investition in eine E-Site soll sich typischerweise nach zwei Jahren rechnen. Die Nachrüstung bestehender Mobilfunkstationen ist allerdings schwierig, da die Masten für das zusätzliche Gewicht und die höheren Windlasten dimensioniert sein müssen. (pmz)