Gute Schläfer an der Firmenspitze sind erfolgreicher
Das Systemhaus Fritz & Macziol hat im vergangenen Jahr seinen erfolgreichen Weg fortgesetzt. Einer der Gründe: Die Geschäftsführung war immer gut ausgeschlafen. Andere Firmen und ihre Chefs dagegen machen einen eher müden Eindruck, was auf Dauer zum Tod führen kann.
FuM-Chef Heribert Fritz
(Bild:Â Fritz & Macziol)
Lieber Heribert Fritz, Geschäftsführer der Fritz & Macziol-Gruppe,
auf die Notwendigkeit ausreichenden Schlafs für Unternehmer und Manager bin ich an dieser Stelle bereits mehrere Male eingegangen. Jetzt gibt es dazu wieder etwas Neues. Sehr ausgeschlafene Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Schlafmangel die Fähigkeit beeinträchtigt, sich schnell und aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Während Ausgeschlafene in entsprechenden Experimenten versuchten, rasch möglichst viele Informationen abzugleichen, wollten Unausgeschlafene über Nachdenken eine Regel finden – und schnitten besonders schlecht ab. Für Manager und Unternehmer eine deutliche Warnung, immer auf ausreichenden Schlaf zu achten. Denn Entscheidungen treffen ist bekanntlich eine der wesentlichen Aufgaben von Managern.
Etwas Weiteres kommt hinzu. Viele Unternehmer entscheiden aus dem Bauch heraus. Gerade das macht sie erfolgreich. Man kann auch von Instinkt und Intuition reden. Auch hierüber habe ich an dieser Stelle bereits berichtet ("Warum die dümmsten Bauern oft die dicksten Kartoffeln ernten" ). Der Psychologieprofessor Gerd Gigerenzer hat ein ganzes Buch darüber geschrieben ("Bauchentscheidungen. Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition"). An zahlreichen Beispielen aus Wirtschaft und Alltag zeigt Gigerenzer auf, dass die Bauchentscheidung häufig zu besseren Ergebnissen führt als die intellektuell voll durchdeklinierte Kopfentscheidung. Und wie wir jetzt lernen, ist ausreichender Schlaf gerade für die Bauchentscheider, also für die Unternehmer, enorm wichtig. Schlafen sie zu wenig, fangen sie an nachzudenken, was bei vielen nicht zu den Kernkompetenzen gehört. Das meine ich gar nicht beleidigend, das ist einfach so. Wenn sie nun nachdenken anstatt einfach ihrem Bauchgefühl zu folgen, steigt die Gefahr, falsche Entscheidungen zu treffen. Und das kann fatale Konsequenzen haben.
Was die Sache nicht einfacher macht, ist die Tatsache, dass bereits das Entscheiden selbst müde macht. Auch das hat die Wissenschaft glasklar herausgefunden. Je mehr Entscheidungen man trifft, desto müder wird man. Interessant, nicht wahr? Diese Erkenntnis sollte man sehr ernst nehmen. Nehmen wir den absolut realistischen Fall eines Managers oder Geschäftsführers, der morgens bereits müde in die Firma kommt. In den nächsten Stunden muss er jede Menge Entscheidungen treffen – von denen viele aufgrund seiner "mitgebrachten" Müdigkeit falsch sind –, was ihn noch müder macht. Die Konsequenz daraus ist, dass er noch mehr falsche Entscheidungen trifft. Dies führt wiederum dazu, dass er vor lauter Sorgen nachts noch schlechter schläft und er sich am kommenden Tag noch müder ins Büro schleppt, um noch mehr falsche Entscheidungen zu treffen und schon ist die Firma pleite.
Sie glauben, das sei übertrieben? Von wegen! Ich erinnere mich wie gestern an einen ehemaligen Geschäftsführer eines Distributors in der Nähe von Köln, der sich mir gegenüber damit gebrüstet hatte, dass er 100 Stunden in der Woche arbeite. Wow! 100 Stunden, dachte ich zunächst, wie beeindruckend. Später stellte ich verschiedene Berechnungen an. Bei einer 5-Tage-Woche hätte dieser Mann 20 Stunden pro Tag arbeiten müssen. Aber klar war, dass er keine 5-Tage-Woche hatte. Wenn er 6 Tage pro Woche im Dienst gewesen wäre, dann wäre er auf knapp 17 Stunden pro Tag gekommen. Da muss man die Zeit fürs Zähneputzen schon stark verkürzen und das Schlaftempo erhöhen ("Power-Napping"). Wenn er sich nicht einen einzigen Tag Pause gegönnt und auch noch am Sonntag geschuftet hätte, dann wäre er noch immer 14 Stunden pro Tag im Einsatz gewesen. Damit wäre er von der Internet-Verfügbarkeit 24/7 (24 Stunden an 7 Tagen) gar nicht mehr so weit weg gewesen. Was soll ich sagen: Die Firma, die dieser Mann leitete, war zwei Jahre nach unserem Gespräch pleite. Aus Schlafmangel, behaupte ich.
Lieber Herr Fritz, Sie und Ihr Kollege Eberhard Macziol scheinen immer für ausreichend Schlaf zu sorgen. Denn Sie haben offenbar auch im vergangenen Jahr wieder eine ganze Reihe von guten und richtigen Entscheidungen getroffen. Sonst hätte die Fritz & Macziol-Gruppe 2009 sicher nicht den Umsatz um 15 Prozent auf rund 220 Millionen Euro steigern können, wie Sie gestern mitteilten. Wenn jetzt auch noch die Zahl unterm Strich stimmt... Gratulation also zu dem guten Ergebnis. Damit setzen Sie den erfolgreichen Kurs des Unternehmens fort. Denn bereits 2008 war für Sie sehr gut gelaufen. Seinerzeit konnten Sie den Umsatz sogar um 22 Prozent auf 170 Millionen Euro ausweiten.
Na dann, lieber Herr Fritz, schlafen Sie gut!
Beste GrĂĽĂźe
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