Elfenkönige und Hubschrauber -- zum 70. Geburtstag von Niklaus Wirth

Niklaus Wirth, vielseitiger Informatikpionier, Erfinder der Programmiersprache Pascal und Turing-Preisträger, feiert heute seinen 70. Geburtstag.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Niklaus Wirth, vielseitiger Informatikpionier, Erfinder der Programmiersprache Pascal und Turing-Preisträger, feiert heute seinen 70. Geburtstag.

Der gebürtige Winterthurer studierte in Zürich Elektrotechnik und erarbeitete sich 1963 an der Universität Berkeley seinen ersten Doktortitel über "Generalized Algol". Seine Arbeit trug zum ALGOL 60 Report bei, der ersten mathematisch eindeutigen, kontextunabhängigen Definition einer Programmiersprache. Nach einer Assistenzprofessur an der Stanford University kehrte Wirth 1967 in seine wissenschaftliche Heimat nach Zürich zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1999 eine Professur an der ETH innehatte.

Wirths Erkenntnisse haben sich außer in den Programmiersprachen Algol 60 und 68 in seinen geistigen Kindern Pascal, Modula-2 und Oberon niedergeschlagen. Für diese Sprachen schuf er eindeutige und überaus klare Definitionen, die sich durch ihre Beschränkung aufs Notwendige auszeichnen -- Pascal entstand zum Beispiel als Sprache "nur" für Unterrichtszwecke, fand aber weit darüber hinaus Verbreitung durch Compiler der University of California, San Diego (UCSD-Pascal) und von Borland (Turbo-Pascal).

Welche Bedeutung die Konzepte hinter diesen Sprachen für die Entwicklung der Informatik hatten, verdeutlicht neben zahlreichen Ehrendoktorwürden auch der 1984 an Wirth verliehene Turing-Award, vielfach gleichgesetzt mit dem (nicht bestehenden) Nobelpreis für Informatik. Programmiersprachen wie C oder C++ bewertet Wirth bis heute zurückhaltend und legt auf Anfrage überzeugend dar, dass sich alle Aufgaben, die damit lösbar sind, elegant auch mit Modula-2 erledigen lassen. Und bei Pascal habe er seinerzeit nur deshalb auf objektorientierte Features verzichtet, weil diese für seine Zwecke nicht erforderlich gewesen seien.

Doch der Schweizer widmete sich nicht nur der Theorie hinter der Rechnerprogrammierung, sondern implementierte auch leistungsfähige, robuste Rechnersysteme mit den selbst geschriebenen Sprachen. Das bekannteste Beispiel dieser Bestrebungen hört auf den Namen Lilith und steht für eine mikroprogrammierte Workstation aus den späten 70er Jahren. Doch Wirth griff auch sein Jugendhobby des Modellflugs wieder auf, indem er mehrere selbstnavigierende Modellhubschrauber mit Oberon-programmierten Bordcomputern ausstattete. Wirth hält aber auch nach dem offiziellen Abschluss seines Berufslebens gelegentlich noch brillante Vorträge. (hps)