Tragbar

E-Books und dazugehörige Reader haben es seit dem Jahresbeginn 2010 wiederholt in die Schlagzeilen geschafft. Das lässt auf ein spannendes Jahr für das Lesen elektronischer Bücher hoffen.

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Von
  • Kai König

Alle gängigen Quellen scheinen sich darüber einig, dass sich die Geschichte des E-Book bis zum Start des Gutenberg-Projekts durch Michael Hart im Jahr 1971 zurückführen lässt. Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gesetzt, eine freie und kostenlose elektronische Bibliothek literarischer Werke zu erstellen, die als Public Domain verfügbar sind oder bei denen das Urheberrecht erloschen ist.

1992 hat Hart selbst einen Essay ĂĽber die Geschichte und die zugrunde liegende Philosophie des Projekts Gutenberg verfasst, das interessante Details aus der Zeit des Beginns des nunmehr fast 40 Jahre bestehenden Projekts beinhaltet.

Im gängigen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff E-Book eher lax sowohl elektronische Bücher als auch kürzere elektronische Texte. Darunter fallen häufig auch Artikel aus Onlinemagazinen. Inhaltlich reicht die Spannweite von Belletristik über Groschenromane bis hin zu Fachbüchern jeder Art.

Das Oxford Dictionary of English definiert den Begriff laut Wikipedia genauer: „An e-book is an electronic version of a printed book which can be read on a personal computer or hand-held device designed specifically for this purpose“.

Die Einschränkung auf Bücher und auf die Tatsache, dass E-Books laut Definition auf einem Computer oder tragbaren Gerät gelesen werden, führt zu zwei weiteren Themen: Datenformate und E-Book-Reader. Beide Fragen spielen im Alltag von E-Book-Nutzern eine wichtige Rolle und lassen sich nur im Zusammenhang beantworten.

Im Wesentlichen konzentriert sich das Gutenberg-Projekt auf ASCII als Dateiformat; das vor allem deshalb, weil die Gründer mehr als 99 % der verfügbaren Geräte und Plattformen mit ihren vorgehaltenen Inhalten abdecken wollten. Inzwischen stellt das Projekt auch HTML-Dateien sowie andere typische in E-Book-Readern verwendete Formate bereit.

Die gängigsten sind Adobes PDF, Mobipocket, Microsofts Reader (.lit) sowie EPUB. Eine Übersicht bietet, wie so oft, Wikipedia. Besonders interessant unter Anwendergesichtspunkten sind PDF sowie EPUB, da viele E-Book-Reader diese Formate unterstützen.

PDF hat den Vorteil, dass es als Format für die originalgetreue Darstellung von Layoutdokumenten am Bildschirm und auf Druckern etabliert ist. Nutzt man jedoch einen der gängigen mobilen E-Book-Reader, erweist sich eben diese Eigenschaft oftmals als Nachteil, da sich Schriftfluss und Seitenumbrüche nicht problemlos an den kleineren Bildschirm anpassen können.

Adobe stellt fĂĽr Desktop-Systeme einen kostenlosen Reader zur VerfĂĽgung und bietet mit Acrobat zudem ein Werkzeug zum Erzeugen und Bearbeiten von PDF-Dateien an. FĂĽr OS X, Linux und andere Betriebssysteme stehen kostenlose und freie Alternativen zu Adobes Werkzeugen bereit. Einige Beispiele sind FoxIt Reader fĂĽr Windows oder das in OS X enthaltene Preview. Mehr Auswahl bietet pdfreaders.org.

Bei der bisher genannten Software handelt es sich jedoch nicht unbedingt um für den Einsatz als E-Book-Reader geeignete Werkzeuge. Eine eher wenig bekannte Lösung von Adobe ist das sogenannte Adobe Digital Editions – eine Flash-/AIR-basierte Anwendung zum Verwalten und Lesen elektronischer Bücher am Desktop. Digital Editions unterstützt neben PDF das oben erwähnte EPUB, ein offenes Format für E-Books, definiert vom International Digital Publishing Forum (IDPF).

EPUB umfasst drei Einzelspezifikationen: die Open Publication Structure (OPS), das Open Packaging Format (OPF) sowie das OEBPS Container Format (OCF). Einfach ausgedrückt besteht ein E-Book im EPUB-Format im Wesentlichen aus mit XHTML-formatierten Inhalten, und das Dateiformat .epub fasst eine oder mehrere solcher Inhaltsdateien sowie Meta-Informationen in XML in einem ZIP-Container zusammen. Sowohl EPUB als auch PDF können vom Verkäufer des E-Book mit Rechtemanagement versehen werden.

Die Vorteile von EPUB gegenüber anderen Formaten liegen in der breiten Unterstützung durch E-Book-Reader sowie in der flexiblen Darstellung und Anpassbarkeit der Inhalte an die Lesegeräte. Der einzige im Massenmarkt erhältliche E-Book-Reader, der EPUB nicht unterstützt, ist Amazons Kindle, der stattdessen mit einer DRM-Version des dritten großen Formats – Mobipocket – arbeitet. Mobipockets Geschichte begann 2000 als E-Book-Format und Reader-Anwendung für Desktop-Systeme und zum damaligen Zeitpunkt erhältliche PDAs, etwa die Geräte der Psion Series 5. 2005 hat Amazon Mobipocket übernommen, und das Kindle-Dateiformat AZW basiert auf dem Mobipocket-Format.

Neben den genannten gibt es verschiedene andere E-Book-Formate, die oft hersteller- und gerätespezifisch sind oder sich trotz Offenheit nicht verbreiten konnten. Eine für jeden E-Book-Leser empfehlenswerte Software ist das unter einer Open-Source-Lizenz stehende Calibre. Calibre kann nicht nur eine E-Book-Bibliothek mit verschiedenen Lesegeräten synchronisieren, sondern auch zwischen verschiedenen Dateiformaten konvertieren. In der Regel müssen E-Books dafür allerdings DRM-frei sein. Es ist des Weiteren zu empfehlen, sich mit den Lizenzbestimmungen des jeweiligen E-Book auseinanderzusetzen; diese mögen eine Formatumwandlung sogar explizit verbieten.

Die Darstellung von Text und Bildern auf den gängigen Modellen der Lesegeräte gelingt mithilfe des Verfahrens E Ink der Firma gleichen Namens, im Deutschen als elektronische Tinte bekannt. Der „Stern“ hat vor einigen Monaten einen einführenden Text über dieses Thema veröffentlicht. Hauptmerkmal der E-Book-Reader mit „digitalem Papier“ ist die relativ lange Batterielaufzeit. Strom benötigt das Lesegerät in der Regel nur, wenn es eine neue Seite aufbaut.

Typische Geräte dieser Kategorie sind Amazons erwähnter Kindle, der Sony-Reader oder Geräte wie Txtr, Cool-er und iRiver Story. Eine ausgewählte Übersicht bietet open-ebook.de. Auch darüber hinaus ist open-ebook.de ein empfehlenswertes Portal für Neuigkeiten und weiterführende Informationen zum Thema. c’t hat sich ebenfalls unlängst mit dem Thema digitales Lesen beschäftigt und in Ausgabe 25/09 E-Book-Reader unter die Lupe genommen.

Letztlich ist auch Apples neues iPad nicht zu vergessen. Laut Hersteller wird es die gängigen Formate lesen können, und Apple plant einen eigenen iBook-Store analog zum Geschäftsmodell von iTunes. Ob und wie sich diese Plattform am Markt etablieren wird, ist offen, die Spekulationen reichen von „iPad ist der Tod aller anderen E-Book-Plattformen“ bis hin zu „das iPad ist kein Gerät zum Lesen von Büchern“.

Klar ist auf jeden Fall, dass die seit Kurzem aufkeimenden Diskussionen zwischen Amazon und dem Verleger Macmillan ĂĽber die Preisgestaltung von E-Books nur ein Vorbote dessen sind, was der Verlagslandschaft im Falle eines erfolgreichen Markteintritts Apples bevorsteht.

eBook Reader im Ăśberblick
In dem Vergleichsportal fĂĽr eBook Reader findet man eine riesen von ĂĽber 80 eReader die detailiert beschrieben sind und die man untereinander vergleichen kann.
Zugeschickt von: Daniela Fischer (ka)