Klonen als Medienspektakel

Die Nachricht vom geklonten Menschen ging um die Welt: SĂĽdkoreanische Forscher haben aus geklonten menschlichen Embryonen Stammzellen gewonnen. Dabei wurden menschliche Embryonen nicht zum ersten Mal geklont.

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Von
  • Torge Löding

Die Nachricht vom geklonten Menschen ging um die Welt. Fernsehen, Zeitungen, Internet -- alle Medien im Bann des Klons: Südkoreanische Forscher haben aus geklonten menschlichen Embryonen Stammzellen gewonnen, die zur Herstellung von neuem Gewebe dienen könnten. Ähnlich wie 1996 beim Klonschaf Dolly entfernten sie die Zellkerne, die den größten Teil der Erbinformation tragen, aus den Eizellen und ersetzten sie durch Kerne aus so genannten Cumulus-Zellen, die an der Oberfläche der gespendeten Oozyten hefteten. Jedes Eizell-Cumulus-Zellkern-Paar stammte dabei von der selben Spenderin. 30 dieser Zellkonstrukte wuchsen im Reagenzglas zu frühen Embryonen heran und wurden dann zerstört. Den Forschern gelang es aus einem dieser einige hundert Zellen großen Embryonen eine Stammzelllinie zu gewinnen, berichtet Technology Review.

Dabei wurden menschliche Embryonen allerdings beileibe nicht zum ersten Mal geklont. Bereits im Jahr 2001 vermeldete das US-Unternehmen Advanced Cell Technology (ACT, Worcester, Massachusetts) einen Menschklon, der bis zum Sechs-Zell-Stadium heranwuchs. Damals gelang es jedoch nicht, Stammzellen zu isolieren.

Sauber initiiert war dagegen jetzt das Medienspektakel: Geschickt hatte die American Association for the Advancement of Science (AAAS) den Termin der Veröffentlichung im AAAS-Blatt Science an den Anfang ihres Jahrestreffens in Seattle gelegt und so Aufmerksamkeit für den weltweit größten Wissenschaftskongress gesichert. Im Schatten der Klon-Nachricht hatten andere Wissenschaftsnachrichten kaum eine Chance auf Beachtung: Zum Beispiel die Veröffentlichung des deutschen Klonforschers Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge im Science-Konkurrenzblatt Nature: Dort berichteten Jaenisch und Kollegen, wie man Labormäuse aus Nervenzellen klont -- eine kleine wissenschaftliche Sensation.

Mehr dazu in Technology Review aktuell:

Zu den Versuchen von Advanced Cell Technology im Jahr 2001 siehe auch: (tol)