Nur im Interesse der Kunden
Microsoft hat ein optionales Update veröffentlicht, das über 70 verschiedene Exploits zum Umgehen der Windows-Aktivierung erkennen und deaktivieren soll. Damit will der Konzern seine Kunden angeblich vor Schädlingsprogrammen schützen.
Der nicht lizenzierte Einsatz von Windows war Microsoft schon immer ein Dorn um Auge, und im Kampf dagegen geht der Konzern nun den nächsten Schritt: Was bislang als „Windows Genuine Advantage“ (WGA) bekannt war, heißt nun „Windows Activation Technologies“ (WAT). Ein entsprechendes Update für Windows 7 hat Microsoft in der Knowledge Base (http://support.microsoft.com ) im Artikel 971033 veröffentlicht. Die Installation ist freiwillig. Mit dem Update soll Windows 7 über 70 verschiedene Exploits erkennen und deaktivieren, mit denen sich die Aktivierung umgehen lässt. Zudem sollen künftig ähnlich wie bei einem Virenscanner weitere Kennungen nachgeladen werden, um neu entdeckte Exploits erkennen und entfernen zu können.
Solange das Update keine Aktivierungs-Exploits entdeckt, bleibt es ohne jede Rückmeldung im Hintergrund aktiv. Falls es manipulierte Systemdateien findet, versucht es, sie gegen die Originale auszutauschen oder zumindest online weitere Informationen anzuzeigen. Bei Bedarf wird zudem die Eingabe eines neuen, gültigen Produktschlüssels verlangt. Kommt man der Aufforderung nicht nach, wird der Desktop-Hintergrund schwarz und es erscheinen in regelmäßigen Abständen Hinweise. Außerdem verweigert Microsofts Download-Center das Herunterladen von zusätzlichen Programmen wie den Virenscanner „Security Essentials“ – solche Downloads setzen wie gehabt eine erfolgreiche Überprüfung des Produktschlüssels voraus.
Das Update nimmt regelmäßig Kontakt mit Servern bei Microsoft auf, der Konzern versichert jedoch, dass dabei keine persönlichen oder anderen Informationen übertragen werden, die Microsoft verwenden könnte, um den Nutzer zu identifizieren.
Das Update ist offiziell nur für die Windows-7-Versionen Home Basic, Home Premium, Professional, Ultimate und Enterprise gedacht, lässt sich aber auch unter Starter installieren. In der Systemsteuerung lässt es sich unter „Programme und Funktionen“ wieder deinstallieren (Menüpunkt „Installierte Updates anzeigen“).
Microsoft weist ausdrücklich darauf hin, dass Windows 7 auch bei einem Scheitern der Überprüfung komplett weiterläuft, man kann also problemlos sämtliche Anwendungen starten und auf alle Dateien zugreifen. Das gleiche Verhalten zeigt Windows 7 auch, wenn die Aktivierungsfrist von 30 Tagen abgelaufen ist – Vista hingegen stellte in diesem Fall den Betrieb weitgehend ein.
Dass Windows 7 auch dann weiterläuft, wenn Microsoft den Produktschlüssel für geklaut hält, dürfte mit Kundenprotesten in der Vergangenheit zu tun haben. Gleich mehrfach hatten Microsofts Aktivierungsserver irrtümlich mitunter Tausende von Windows-Installationen für illegal erklärt. Sogar Klagen musste Microsoft wegen der WGA-Prüfungen über sich ergehen lassen, bislang konnten diese aber nichts erreichen.
Cui bono?
Etwas seltsam mutet die Begründung Microsofts für die Veröffentlichung der neuen WAT an: Mit dem neuen Update will Microsoft die Kunden angeblich vor „Schadsoftware, Viren und Trojanern schützen“. Der Konzern verweist dazu auf eine Studie, der zufolge „32 Prozent von über 500 Varianten der im Umlauf befindlichen Windows-7-Raubkopien und Windows-Aktivierungsexploits gefährliche Software enthalten“. Die von Microsoft gesponserte Studie finden Sie über den Link am Ende des Artikels.
Mit keinem Wort ist hingegen davon die Rede, dass dem Konzern durch den nicht lizenzierten Einsatz haufenweise Einnahmen durch die Lappen gehen. Es liegt daher in Wirklichkeit vor allem im eigenen (und durchaus legitimen) Interesse des Konzerns, dagegen vorzugehen. So ist es ein offenes Geheimnis, dass Microsoft von Windows XP nicht allzu viele Retail-Lizenzen (also Voll-, Upgrade- oder System-Builder-Lizenzen) verkauft hat, sondern nur im OEM- und Großkundengeschäft nach Kräften verdiente. Auf vielen heimischen Rechnern liefen stattdessen nicht lizenzierte Versionen, die mit Volumenlizenzschlüsseln installiert wurden, mit denen bei XP keine Aktivierung erforderlich war. Seit Vista gibt es deshalb kein aktivierungsfreies Windows mehr, was dafür gesorgt haben dürfte, dass nun deutlich mehr Einzelplatzversionen verkauft werden – offenbar ist der Aufwand, die Aktivierung zu hacken, vielen Nutzern schlicht zu hoch. Und diese Hürde möchte Microsoft natürlich am liebsten immer höher machen – gut möglich, dass das derzeit noch optionale Update deshalb in einem der nächsten Service Packs für Windows 7 stecken wird.