FTTH-Konferenz: Anschlusstechniken zum Zugreifen

Rund 90 Aussteller zeigen auf der FTTH-Konferenz, die derzeit in Lissabon stattfindet, Fiber-to-the-Home-Systeme in Hülle und Fülle. heise online hat sich die neuesten Entwicklungen angesehen.

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Von
  • Richard Sietmann

Optische Ethernetkarte für FTTH-Anwendungen von Keymile.

FTTH-Systeme in Hülle und Fülle zeigen die rund 90 Aussteller auf der FTTH-Konferenz, die derzeit in Lissabon stattfindet. LG-Nortel, 2005 als Joint Venture von LG und Nortel gegründet, propagiert die WDM-PON-Lösung "Ethernet Access 1100", die mit dem Verfahren des Wellenlängenmultiplex (WDM) passive optische Netze (PONs) mit einer Punkt-zu-Punkt-Architektur versieht: Obwohl sich mehrere Teilnehmer eine Glasfaser zum Metro-Netzknoten teilen, wird jedem eine Wellenlänge als Übertragungskanal fest zugeordnet, so dass es sich faktisch um eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung handelt. Das Übertragungsprotokoll ist Ethernet und das System kann von einer Faser aus symmetrisch im Up- und Download 32 Teilnehmer mit je 100 Mbit/s oder 16 Teilnehmer mit je 1 Gbit/s ungeteilter Bandbreite versorgen. Es besteht aus dem Ethernet Access Service Terminal im Metro-Netzknoten, passiven Wellenlängenfiltern zum Aufspalten und Zuordnen der jeweiligen Wellenlängen des Bündels zu den einzelnen Teilnehmern, sowie einer Reihe von Teilnehmeranschluss-Einheiten für Privat- und Geschäftskunden. Das System befindet sich derzeit bei Betreibern in mehreren Ländern im Feldtest, so unter anderem in Holland und der Schweiz. LG-Nortel ist bestrebt, die WDM-PON-Technologie weltweit zu einem Hersteller-übergreifenden "Ökosystem" zu standardisieren.

Die konkurrierende Architektur, nämlich Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mit je einer dedizierten Glasfaser pro Teilnehmer, stellt Keymile, die frühere 'ke Kommunikations-Elektronik' aus Hannover, vor. Die FTTB-Lösung MileGate 2011 zur Anbindung von Teilnehmern in Mehrfamilienhäusern an das Glasfasernetz soll in der kommenden Woche auch auf der CeBIT präsentiert werden. Bestandteil dieser Lösung ist ein Micro-DSLAM mit acht VDSL2-Schnittstellen zum Anschluss einzelner Wohneinheiten über die bestehende hausinterne Telefonverkabelung mit mehr als 100 Mbit/s pro Teilnehmer. Der optische Netzabschluss erlaubt die Integration eines zusätzlichen Medienkonverters zur Bereitstellung von analogem und digitalem Kabelfernsehen.

Glasfaserverlegesystem von Draka Communications

Das netzseitige Kernstück des MileGate 2011 ist eine optische Ethernetkarte mit 24 Ports; mit einem 19-Zoll-Rack im Metroknoten kann ein Betreiber so bis zu 1920 Endkunden anschließen. Die Karte nutzt zur Übertragung des Ethernet/IP-Signals unterschiedliche Wellenlängen für beide Richtungen. Das Kabelfernsehsignal wird über eine dritte Wellenlänge mit einem auf der Karte integrierten Wellenlängenmultiplexer (ein sogenanntes RF-Overlay für CATV) dem Ethernet/IP-Signal beigefügt. Beim Teilnehmer separiert das Endgerät das Ethernet- und das Kabelfernsehsignal wieder voneinander. Das Kabelfernsehsignal wird in ein elektrisches Fernsehsignal umgewandelt und in die bestehende Koaxialverkabelung eingespeist. Seinen Computer oder weitere IP-basierte Endgeräte schließt der Teilnehmer für den Internet-Zugang dann unmittelbar an die Ethernet-Schnittstelle an.

In den Glaubenskriegen zwischen PON- und PtP-Systemen wird gegen die PtP-Lösungen oft der Platzbedarf und das Verdrahtungsspaghetti im Metro-Netzknoten ins Feld geführt, wenn für Tausende von Teilnehmern je ein Port zum Anschluss der Glasfaser bereitgestellt werden muss. Jonathan Schrauwen vom IMEC-Spinoff Caliopa rechnete auf einem Workshop des European Photonics Industry Consortiums (EPIC) im Rahmen der FTTH-Konferenz vor, dass ein PtP-Anschlussnetz zur Versorgung von 5000 Teilnehmern mit je 1 Gbit/s sieben aktive 19-Zoll-Racks im Central Office benötige, während ein vergleichbares GPON bei einem Aufspaltungsverhältnis von 1 zu 32 – bei dem sich also jeweils 32 Teilnehmer eine Glasfaserzuführung teilen – mit eineinhalb Gestellen auskommt. Caliopa hat Mehrkanal-Ports auf Silizium integriert, die es erlauben, jeweils 12 Teilnehmer über einen Port an die Leitungskarte anzuschließen, wodurch sich der Kabelsalat zwischen dem Faser-Hauptverteiler und den Racks schon etwas verringern lässt. Mit dieser Lösung, so Schrauwen, würde der PtP-Netzknoten in der Beispielrechnung nur noch zwei Gestelle für die optischen Leitungsabschlüsse benötigen und könnte hinsichtlich des Platzbedarfs mit PONs konkurrieren.

Auch installationstechnisch lassen sich die Hersteller immer wieder Neues einfallen. Die niederländische Draka Communications kommt jetzt mit einem System heraus, das aufwendige Splicearbeiten bei der Glasfaserverlegung verringern soll. Zur strukturierten Haus- und Anschlussverkabelung verwendet es Kabel mit Fasern, die sich reibungsarm aus der gemeinsamen Kabelhülle entfernen lassen. Verlegt wird jeweils die volle Zahl der Fasern; an den Abzweigpunkten, etwa in den einzelnen Geschossen, wird dann statt die Faser auszuschneiden und an dieser Stelle einen Spleiß zu setzen, lediglich der Kabelmantel geöffnet, die Faser bis zum verbleibenden Kabelende herausgezogen und anschließend in die schmalen Abzweigrohre eingeführt oder bei größeren Längen eingeblasen. Das Verfahren eignet sich, so der Hersteller, im Innen- und Außenbereich sowie für PtP- und PON-Netzstrukturen gleichermaßen. (pmz)