FTTH-Konferenz: Mehr Staat beim Glasfaserausbau
Der Aufbau von Glasfaser-Infrastrukturen ist nach Einschätzung von Taylor Reynolds vom Sekretariat der OECD nicht mehr nur Thema des Telekommunikationsmarktes, sondern betrifft die Wirtschaft insgesamt. Wo private Unternehmen zögern, sollten seiner Meinung nach Regierungen nach Wegen zur Förderung eines landesweiten Rollouts suchen.
Selbst die OECD – der in Paris ansässige ThinkTank der Industrienationen, der bislang immer die neoliberale Fahne der Privatwirtschaft und des Rückbaus des Staates hochhielt – favorisiert inzwischen offenbar eine aktivere Rolle des Staates beim Ausbau der Breitband-Infrastruktur. Die Mittel für Glasfaser-Teilnehmeranschlüsse (FTTH) seien gut angelegt, wenn man die positiven Auswirkungen in Gestalt von Produktivitätsfortschritten allein in den vier volkswirtschaftlichen Schlüsselbereichen Elektrizitätswirtschaft, Gesundheitswesen, Energieversorgung und Verkehrswesen berücksichtigt, lautet die Schlussfolgerung einer OECD-Studie, die Taylor Reynolds vom Sekretariat der Organisation am Donnerstag auf der FTTH-Konferenz in Lissabon vorstellte.
"Es könnte Fälle geben, in denen der gesellschaftliche Nutzen von Breitband-Anschlüssen möglicherweise viel größer als der Aufwand zum Aufbau des Netzes ist, aber die Betreiber nicht investieren, weil ihr privatwirtschaftlicher Nutzen die Investition nicht rechtfertigt. Die Unfähigkeit der Märkte zur Berücksichtigung von Netzwerk-Externalitäten kann zu einem suboptimalen Angebot von Diensten führen und unter Umständen Innovationen behindern", heißt es in dem 70-seitigen Paper unter dem Titel "Network Developments in Support of Innovation and User Needs".
"Diese externen Effekte sind wichtig, aber solange sie nicht dafür kassieren können, ziehen private Firmen sie nicht in Betracht – Regierungen sollten es aber tun", erklärte Reynolds in seiner Keynote zum Abschluss der Konferenz. Der Brite ist einer der Autoren der Studie; als für den Telekommunikationssektor im OECD-Sekretariat zuständiger Volkswirtschafter betonte er jedoch vorsichtshalber, dass er nur für sich und nicht für die OECD oder ihre Mitglieder sprechen könnte.
Der Studie zufolge würden Kosteneinsparungen zwischen 0,5 und 1,5 Prozent über einen Zeitraum von zehn Jahren in den vier genannten Sektoren bereits ausreichen, ein landesweites PtP-Netz (Point-to-Point) zu finanzieren. Das sollte, so Reynolds, für Regierungen ein ausreichender Anreiz sein, nach Wegen zur Förderung des Rollouts zu suchen und den gesellschaftlichen Nutzen einzufangen. "Breitband ist kein Thema für die Telekommunikation mehr – es geht um die Wirtschaft selbst". (pmz)