Experten: Chip-Leiter können in 20 Jahren Molekülgröße haben
Leiterstrukturen von Computer-Chips könnten nach Ansicht von Experten in etwa 20 Jahren die Größe von Molekülen und Atomen erreicht haben, so ein Ergebnis einer fünftägigen Konferenz in Dresden zu Fortschritten in den molekularen Elektronik.
Leiterstrukturen von Computer-Chips könnten nach Ansicht von Experten in etwa 20 Jahren die Größe von Molekülen und Atomen erreicht haben. "Voraussetzung dafür ist ein Durchbruch in der weiteren Miniaturisierung der Chiptechnologie", sagte der Regensburger Physiker Klaus Richter in Dresden in einem Gespräch mit der dpa. Das werde dann aber nicht die gesamte Computertechnik ablösen, sondern nur in kleineren Bereichen zum Einsatz kommen, betonte er.
Moleküle seien einen Nanometer groß, meist aber kleiner, sagte Richter. Ein Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters. Auf einem Nanometer haben zehn Wasserstoffatome Platz. Die kleinsten Strukturen auf Chips liegen heute bei etwa 130 Nanometern. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist 60.000 bis 100.000 Nanometer dick.
In diesen Größenordnungen würden nicht mehr die Gesetze der klassischen Physik gelten, sondern so genannte Quanteneffekte, sagte Richter. "Der Strom fließt dann nicht mehr gleichmäßig, sondern macht gewissermaßen Sprünge. Wir haben die Vorstellung, diese plötzlichen Änderungen des Stromflusses aufzugreifen und Quanteneffekte in den Schaltkreisen für Schalter zu nutzen." Bislang werde aber noch reine Grundlagenforschung betrieben.
In Zukunft sei die Symbiose zweier Konzepte möglich. "Einerseits denken wir an molekulare Drähte, zum Beispiel von DNA-Molekülen", so Richter. Da DNA aber ein schlechter elektrischer Leiter sei, könnten an dem DNA-Gerüst Nanoröhren aus Kohlenstoff angebracht werden, die diesen Nachteil wettmachen. "So erhoffen wir uns den Aufbau molekularer Transistoren."
In Dresden ging am Freitag eine fünftägige Konferenz zu Fortschritten in der molekularen Elektronik zu Ende, an der rund 125 Wissenschaftler aus aller Welt teilnahmen. Die interdisziplinäre Tagung hatte Gäste aus den USA, Japan, Korea, Südamerika und Europa. (dpa) / (ola)