Die ersten Unternehmen trauen sich wieder aufs Börsenparkett

Für die aus dem DDR-Kombinat Mikroelektronik hervorgegangene X-Fab schafft der Börsengang Zugang zu frischem Kapital, für die Finanzbranche ist er ein Hoffnungszeichen, dass wieder Vertrauen in die Aktienmärkte einkehrt.

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  • Alexander Missal
  • dpa

Das Warten hat ein Ende: Mit dem Erfurter Halbleiter-Hersteller X-FAB wagt erstmals seit November 2002 wieder ein Unternehmen den Gang an die Frankfurter Wertpapierbörse. Für die aus dem DDR-Kombinat Mikroelektronik hervorgegangene Firma schafft der Börsengang Zugang zu frischem Kapital, für die Finanzbranche ist er ein weiteres Hoffnungszeichen, dass Unternehmen und Investoren nach dem Platzen der Internet-Blase und der Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre ihr Vertrauen in die Aktienmärkte zurückgewinnen. Mit einer zweistelligen Zahl von Börsengängen rechnen die Experten für 2004, warnen aber gleichzeitig vor einer neuen Euphorie.

Die Aktie von X-FAB soll am 19. März erstmals an der Börse gehandelt werden. Mit Siltronic, einer Tochter der Chemiekonzerns Wacker, steht bereits ein weiteres Unternehmen aus der Chip-Industrie in den Startlöchern. Als heiße Kandidaten werden außerdem die Werkstatt-Kette Autoteile Unger (ATU) und der Geldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf gehandelt. Den Durchbruch könnte nach Einschätzung mancher Analysten jedoch erst ein Börsengang von der Größenordnung der Postbank bringen, die möglicherweise im Juni den Sprung aufs Parkett in Angriff nimmt. "Das dürfte der große Befreiungsschlag werden", meint Werner Bader von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Nach dem Ende des Börsenbooms war die Zahl der Mutigen drastisch gesunken: Nach 168 und 153 Börsengängen in den Jahren 1999 und 2000 riskierten laut Angaben der Deutschen Börse 2001 nur noch 21, im darauf folgenden Jahr ganze 6 und 2003 schließlich kein einziges Unternehmen mehr diesen Schritt. Zuletzt tat es der Schweizer Erotikfilm-Lizenzhändler erotic media. Zum Trend entwickelte sich hingegen der Börsenrückzug, dank einer vereinfachten gesetzlichen Regelung zur zwangsweisen Abfindung von Minderheitsaktionären -- im Fachjargon Squeeze-Out genannt. Abschied vom Börsenparkett nahmen dabei auch Traditionsunternehmen wie der einstige Schuhkonzern Salamander.

Über den Erfolg oder Misserfolg der kommenden Börsengänge entscheiden auch die Banken. Die Begleitung von Unternehmen auf ihrem Weg an die Kapitalmärkte ist für sie ein wichtiger Geschäftszweig, der in den vergangenen Jahren brach lag. Zuvor hatten die Finanzhäuser die trügerische Goldgräberstimmung der New-Economy-Jahre mitgeschürt, indem sie selbst schlecht vorbereitete Unternehmen zum Börsengang drängten. "Früher gab es die Erwartung, dass sich der Kurs in den ersten Handelstagen verdoppelt oder verdreifacht. Das werden wir so schnell nicht wieder erleben", meint LBBW-Analyst Bader. Die Banken seien daher vorsichtiger bei der Ermittlung des Ausgabepreises geworden und setzten nun eher auf kleinere, aber dafür stetige Kursgewinne.

Dass institutionelle Anleger großes Interesse an den neuen Börsengängen zeigen werden, steht bei den Experten außer Frage. Doch wie reagieren die gewöhnlichen Bankkunden? "Die Privatanleger werden erstmal vorsichtig sein", meint Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI). Behaupten sich die ersten Unternehmen erfolgreich auf dem Parkett, könnte das Interesse jedoch schnell zunehmen. Leven hält 20 bis 40 kleine und große Börsengänge pro Jahr in Deutschland für sinnvoll -- mehr nicht. "Wir haben zu viel Boom und Euphorie gehabt", meint er. Entscheidend sei die wirtschaftliche Substanz der Börsenaspiranten. (Alexander Missal, dpa) / (jk)