Erneute Kritik an Outsourcing in den USA
Am Beispiel IBM wird für Kritiker in den USA deutlich, dass Outsourcing zu einem Verlust an Arbeitsplätzen für US-Bürger führt.
IBM hat im vergangenen Monat angekündigt, 5000 neue Arbeitsplätze in den USA schaffen zu wollen. Kritiker bezweifeln, dass es so tatsächlich unterm Strich kommen wird. Für ihre Argumente ziehen sie heran, wie IBM bisher mit Arbeitskräften umgegangen ist, die das Unternehmen von Outsourcing-Geschäftspartnern übernommen hat, berichtet das Wall Street Journal. Outsourcing-Verträge bestehen meist darin, dass IBM nicht nur die jeweilige Infrastruktur von den unternehmerischen Geschäftspartnern übernimmt, sondern auch die Mitarbeiter, die in diesen Bereichen beschäftigt sind. Bei IBM müssten diese dann mit geringeren Gehaltszahlungen rechnen und später damit, dass ihr Arbeitsplatz ins Ausland verlagert wird.
Den 5000 angekündigten neuen Arbeitsplätzen stehen 3000 gegenüber, die IBM zugegebenermaßen ins Ausland verlagern will, heißt es weiter in dem Bericht. Demnach würde die Zahl der US-amerikanischen Arbeitsplätze von 141.000 auf 143.000 anwachsen und weltweit um 15.000 auf 330.000. Im Jahr 2003 habe IBM durch diverse Outsourcing-Verträge 7450 Mitarbeiter anderer US-amerikanischer Firmen übernommen, aber die Gesamtzahl der US-Arbeitsplätze bei IBM sei nur um 2000 gewachsen. So habe IBM die eigene Bilanz an Arbeitsplätzen in den USA aufpolieren können, aber die Arbeitsplätze, die ehemals in anderen US-amerikanischen Firmen beheimatet waren, sind aus dem Land verschwunden.
Die Kritik der Analysten richtet sich aber nicht an IBM allein. Der Computerriese bilde als Mikrokosmos einen Trend ab, wird im Wall Street Journal der Analyst Stephen Roach von Morgan Stanley & Co zitiert. Es gebe immer mehr Firmen, die sich auf "ihre Kernkompetenzen konzentrieren" und Bereiche, die diesen nicht entsprechen, auslagerten. Im nächsten Schritt wanderten diese Arbeitsplätze ab, wodurch in Indien und in anderen Ländern die technischen Fertigkeiten wüchsen.
Die Kritik an Outsourcing in den USA ist nicht neu. Im Sommer 2003 hieĂź es beispielsweise aus dem Munde von CEO Phil Friedman von Computer Generated Solutions: "Wenn diese Jobs einmal das Land verlassen haben, werden sie nie zurĂĽckkommen." Gewerkschafter befĂĽrchten, dass diejenigen, die noch einen Arbeitsplatz haben, mit LohneinbuĂźen zu rechnen haben. Daher gibt es nicht nur unter Gewerkschaftern starke Zweifel an der Behauptung von Firmen wie IBM, das Outsourcing habe positive Auswirkungen auf die US-amerikanische Wirtschaft. (anw)