Afilias mit neuen Ideen fĂĽr Internationalisierung
Das Registrarkonsortium Afilias arbeitet an einer neuen Lösung für den Einsatz von internationalisierten Domains. Eine Registry-Lösung soll den Nutzern die Arbeit mit der Plugin-Nachrüstung für ihre Browser komplett ersparen.
Afilias arbeitet an einer neuen Lösung für den Einsatz von internationalisierten Domains (IDN). Statt Plugins auf Nutzerseite, die nicht internationalisierter Software auf die Sprünge helfen soll, schlagen die Entwickler des Registrarkonsortiums eine Registry-seitige Lösung or. Die Registry soll dabei 8-Bit-Binäranfragen als IDNs interpretieren. Für den morgigen Start deutscher Umlaut-Domains unter .info hat man das schon einmal als "Magic Tool" angekündigte Konzept zwar noch einmal zurückgezogen. Chefentwickler Ram Mohan plant allerdings nach weiteren Massentests die Alternativlösung bei der Internet Engineering Task Force vorzuschlagen.
Die bisherigen Bemühungen bei der Internationalisierung des DNS hätten ihr eigentliches Ziel nicht erreicht, schreiben die Afilias-Entwickler in ihren Vorschlag, der heise online vorliegt. "Damit die IDNs in der eigenen Sprache und Schrift aber tatsächlich in einer Region oder Sprachgemeinschaft eingesetzt werden können, müssen die Clientprogramme der entsprechenden Nutzer zu einem großen Prozentsatz nachgerüstet werden." Ohne Übergangstrategien werde der Vormarsch der Nicht-Ascii-Domains erst einmal weiter für einige Verwirrung beim Nutzer sorgen: ohne Plugin lassen sich beispielsweise vom Internet Explorer aus keine IDNs adressieren, da dieser nicht UTF8 kompatibel ist.
In Vorbereitung auf den Start der deutschen Umlaut-Domains machte Afilias den Vorschlag, unter .idn-de.info die Binär-Entsprechungen für die deutschen Umlautdomains abzulegen. Für andere Schriftsysteme (idn-cn.info, idn-kr.info) hätten in Zukunft entsprechende Adresszonen eingerichtet werden können. DNS-Abfragen, die den von der IETF verabschiedeten IDN-Standard Punycode noch nicht unterstützen, sollten über diesen Umweg doch noch aufgelöst werden können. Während müller.info vom Internet Exporer aus nicht aufgelöst werden könnte, würde müller.idn-de.info im optimalen Fall auf die korrekten Nameserver zeigen. Sollte es Überschneidungen bei der Binärversion zweier Domains geben, würde die zuerst eingetragene Domain den Eintrag bekommen.
Mohan versichert, dass erste Tests vielversprechend gewesen seien. Skepsis gegenüber der Lösung hielt die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) und auch die elf für die deutschen Umlaut-Domains antretenden Registraren für angebracht. ICANN befürchtete, dass der Eintrag von der UTF8-Binärdaten im DNS bestehende Standardanwendungen beeinträchtigten könnte. Daher verschob man bei Afilias den Einsatz vorerst und startet morgen bei den deutschen Umlautdomains schlicht mit der von der IETF abgesegneten Punycode-Standard-Lösung (RFC 3490), die auf die IDN-kompatiblen Clients oder Plugin-Lösungen setzt. Die Startzeit morgen gibt Afilias mit 22.59 Uhr UTC an, das entspricht 23.59 deutscher Zeit. Den ursprünglichen Start im Februar hatte Afilias verschoben. (Monika Ermert) / (anw)