NEC bremst HDTV-Euphorie
NEC sieht nicht den Einzug von HDTV als treibende Kraft für die Nachfolger der DVD in Europa, sondern das Angebot an Hollywood-Filmen und den Wunsch, diese kopieren zu können.
"Die Termine zum Durchbruch von HDTV in Europa halten wir für zu optimistisch," kommentierte NEC (Halle 2, Stand B10) Mutmaßungen, dass in Europa die neuen hoch auflösenden Fernseher und digitalen Videorecorder sich tatsächlich schon 2006, passend zur Fußball-WM, etablieren würden. Dazu seien die Anbieter einfach noch nicht bereit, die dafür erforderlichen Investitionen in die Infrastruktur zu tätigen. Die WM-Spiele würden wohl in HDTV zu sehen sein, aber das restliche Programm werde noch lange in der bisherigen PAL-Auflösung ausgestrahlt. Europa werde auf lange Zeit noch hinter Japan und den USA hinterherhängen. Hierzulande werde besonders der Wunsch, die hoch auflösenden Filme kopieren zu können, die Hardwareverkäufe der nächsten optischen Laufwerke mit blauem Laser ankurbeln.
Die Filmstudios aus Hollywood seien sehr an den möglichen DVD-Nachfolgern interessiert, um ihre Filme in hoher Auflösung noch einmal verkaufen zu können. So habe beispielsweise Time Warner bereits seine Unterstützung für die HD DVD (vormals AOD) angekündigt, weitere Filmstudios seien im Gespräch. Von der Unterstützung der Filmindustrie hänge es letztlich ab, welcher DVD-Nachfolger -- HD DVD oder die Blu-ray Disc -- sich durchsetzen werde. Hollywood werde aber nur auf eines der beiden Formate setzen, prognostizierte NEC.
So will NEC seinen ersten HD-DVD-Recorder für den PC doch erst Ende 2005 zu Preisen zwischen 300 und 500 Euro veröffentlichen, eine RW-Version sei für 2006 geplant. Ebenso sprach Toshiba davon, ein HD-DVD-Laufwerk gegen Ende 2005 auf den Markt zu bringen, und zeigt einen Player auf seinem Stand (Halle 1, Stand 6h2). Vormals hatte NEC davon gesprochen, bereits Anfang 2005 mit dem Laufwerk, das sowohl einen blauen als auch einen roten Laser zum Brennen von DVDs und CDs bereit hält, auf den Markt zu kommen und bereits im Spätsommer 2005 mit OEM-Preisen von 150 Euro die Konkurrenz zu schocken.
Auf dem Stand spielte ein HD-DVD-Prototyp eine Szene aus Matrix Revolutions im WMV9-Format ab. Neben dem Microsoft-Codec würden ebenfalls H.264 und MPEG-2 unterstützt. H.264 und WMV9 benötigten jedoch Prozessoren mit 3,2 GHz zum Decodieren der Filme. Die Software-Encoder profitierten besonders von Intels Hyperthreading. Im direkten Vergleich benötige WMV9 weniger Prozessorleitung als H.264.
NEC zeigte sich auch vorsichtiger, was die Ankündigung der nächsten DVD-Brenner betrifft. So solle es ein Double-Layer-Modell im Mai oder Juni geben, sobald die Medienhersteller entsprechende Rohlinge liefern können. Auf 16X will NEC erst zum Jahresende, frühestens im September schalten. Dabei werde der DVD-Brenner nur die offiziellen Medien mit 16X beschreiben und keine 8X-Medien schneller brennen. (hag)