Statistik gegen die Angst vor AtommĂĽll

Endlager für Atommüll werden niemals völlig sicher sein - müssen sie auch nicht, behauptet der US-Regierungsberater Richard A. Muller

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Von
  • Sascha Mattke

Nicht nur in Deutschland ist Atomkraft ein äußerst heikles Thema: In den USA tobt derzeit eine Auseinandersetzung um eine Endlagerstätte für Atommüll in Nevada, in der 77.000 Tonnen hochgradig radioaktive Abfälle untergebracht werden sollen. In seiner Kolumne für Technology Review unternimmt der US-Regierungsberater Richard A. Muller den Versuch einer seiner Ansicht nach strikt rationalen Auseinandersetzung mit dem, was Muller als "Urangst" vor der Gefahr durch radioaktive Strahlung bezeichnet.

Laut Muller sind als zu betrachtender Zeitraum die nächsten 10.000 Jahre relevant: Dann sei die Strahlung der gefährlichsten Isotopen Strontium-90 und Jod-131 so sehr gesunken, dass die Belastung durch den Müll nicht mehr höher ist, als wenn man seinen Ausgangsstoff Uran erst gar nicht zur Stromerzeugung eingesetzt hätte. Zudem sei es -- wieder verglichen mit dem hypothetischen Zustand, dass das Uran nie benutzt worden wäre -- nicht nötig, völlige Sicherheit herzustellen: Es genüge, die Wahrscheinlichkeit, dass Strahlung aus dem Lager austritt, auf 0,1 Prozent zu senken.

Zudem sei es ausreichend, wenn das Risiko nur für die ersten 300 Jahre bei höchstens 0,1 Prozent liegt: Innerhalb dieser Zeit reduziere sich die Radioaktivität der gelagerten Stoffe um den Faktor zehn, sodass statistisch gesehen anschließend eine Unfall-Wahrscheinlichkeit von einem Prozent hinnehmbar sei. Und selbst das setze voraus, dass bei einem Unfall die gesamte Strahlung entweicht. Setze man nur 10 oder gar nur 1 Prozent Schwund an, sei nach den 300 Jahren ein rechnerisches Unfall-Risiko von 10 oder gar 100 Prozent tolerierbar.

"Ich will damit nicht sagen, dass der Atommüll im Yucca-Berg-Endlager nicht gefährlich wäre", schreibt Muller. Er wolle aber der Tendenz entgegenwirken, "dass wir manchmal den nüchternen Blick für die Dinge verlieren, wenn wir uns um unbekannte Gefahren sorgen." In jedem Fall sei das geplante Endlager sicherer als die derzeit einzige Alternative: den Müll dort zu belassen, wo er entsteht -- neben den Atomkraftwerken.

Den Beitrag von Richard A. Muller, Physik-Professor an der University of California in Berkeley, bringt Technology Review:

(sma)