HP Deutschland-Chef: Softwareproduktion in Schwellenländer verlagern
Jörg Meno Harms hat dabei die Programmierung bestehender Problemlösungen oder die Pflege alter Software-Pakete im Auge. Das seien Standard-Arbeiten, die aus Kostengründen nach Osteuropa gegeben würden.
Die IT-Branche in den Industrieländern wird in den nächsten Jahren die Produktion von Software-Bestandteilen und Dienstleistungen verstärkt in Billiglohnländer verlagern. "In der Fertigungsindustrie machen wir das seit den 70er Jahren. Die Bereiche Software und Dienstleistungen werden viel schneller den gleichen Gesetzen folgen", sagte Jörg Menno Harms, Deutschland-Chef von Hewlett-Packard in einem dpa-Gespräch auf der CeBIT. Dies werde auch zu Lasten der Arbeitsplätze in Deutschland gehen.
Harms, der auch Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom ist, sagte: "Dabei geht es um Programmierung und Codierung bestehender Problemlösungen oder auch die Pflege alter Software-Pakete -- Standard-Arbeiten, die aus Kostengründen nach Osteuropa gegeben werden." Wenn diese Arbeit dort zu einem Zehntel der hiesigen Lohnkosten gemacht werden könne, "dann halten wir das nicht lange aus, wenn unsere Wettbewerber das machen und wir machen es nicht". Nur wenn die hiesigen Hersteller die Standard-Module in Billiglohnländern fertigen ließen und in ihre Produkte einbauen, seien sie international noch wettbewerbfähig.
Vor allem Schwellenländer wie Indien, Korea, China, Rumänien, Russland und das Baltikum seien für die Softwarebranche interessant. "Überall dort gibt es bestens ausgebildete Ingenieure und Informatiker, die sind hoch motiviert und geradezu hungrig auf Wohlstand. Und sie machen das -- noch -- zu Löhnen, die um den Faktor 10 unter unseren liegen." Einen ähnlichen Trend werde es auch bei Dienstleistung geben -- etwa bei Call-Centern oder Abrechnungen. "Wir bei HP haben etwa Reisekostenabrechnungen nach Bangalore und Barcelona ausgelagert. Die Daten werden über das Netz eingegeben." Ähnlich laufen Teile der Auftragsverarbeitung. Nunmehr seien die Personalkosten auf ein Fünftel gesunken. Das zeige die Dimension für die Kostenersparnis auf.
Es sei gefährlich, vor dieser Entwicklung die Augen zu verschließen und zu denken: "Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Vernetzung ist inzwischen so perfekt, dass man heute innerhalb von Stunden eine Fertigung von Irland nach Mexiko verlagern kann", sagte Harms. "Wir können uns diesem Trend nicht entziehen. Wir müssen uns auf höherwertige Arbeiten konzentrieren, in Bildung und Forschung investieren." Deutschland müsse in Wettbewerb mit den Industrieländern treten, nicht aber mit den Schwellenländern. (dpa) / (anw)