"Väter des Internet" warnen vor Überregulierung

Solange das Internet funktioniert, braucht man nichts zu reparieren, betonte Vint Cerf beim sechsten Treffen der ICT Task Force der Vereinten Nationen in New York.

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Von
  • Monika Ermert

Beim sechsten Treffen der ICT Task Force der Vereinten Nationen in New York warnten die "Internet-Väter" Vint Cerf und Bob Kahn Regierungsvertreter vor einer möglichen Überregulierung der Kommunikationsinfrastruktur. "Solange es funktioniert, braucht man nichts zu reparieren, sagen Ingenieure und das erste Prinzip eines Arztes ist es, keinen Schaden anzurichten", sagte Cerf während einer Pressekonferenz. Cerfs und Kahns Plädoyers fanden ein vielstimmiges Echo in den Diskussionsbeiträgen von Vertretern der ISOC, IETF, W3C und Unternehmensvertretern von Siemens bis VeriSign.

Besonders Vertreter von Entwicklungsländern forderten allerdings erneut eine echte Teilhabe am Internet-Management. Eine Vertreterin aus Brasilien betonte, dass Entscheidungsprozesse nicht einer Kerngruppe von Ländern vorbehalten sein dürfe oder bestimmten Gruppen oder Branchen. Für ICT-Task-Force-Mitglied Anriette Esterhuysen von der Association for Progressive Communications ist die Frage zu beantworten: "Wie erhalten wir den bestehenden Pragmatismus samt seiner Flexibilität und Reaktionsfähigkeit und machen das System doch offener und inklusiver?"

Völlig offen ist allerdings auch, was im Rahmen der zweiten Runde des Weltgipfels der Informationsgesellschaft (WSIS) alles unter Internet-Management gefasst wird. Das Internet sei eben wie ein Elefant, der für die sich daran vortastenden Blinden völlig verschieden anfühle, je nachdem, ob sie am Kopf, Schwanz oder Bauch stünden, sagte ein indischer Vertreter.

Neben der Verteilung von Namen und Nummern wurden in New York von verschiedenen Teilnehmern Markenrechtsfragen, Spam und Sicherheitsfragen sowie Fragen zu Internetinhalten angesprochen. Sobald klar sei, um welche Bereiche man sich genau kümmern müsse, werde er die vom Weltgipfel vereinbarte Arbeitsgruppe einsetzen, sagte UN-Generalsekretär Kofi Annan beim Auftakt des Treffens gestern. Der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe soll die Grundlage für den zweiten WSIS-Gipfel in Tunis sein. Der Schweizer Diplomat Markus Kummer, der als möglicher Chef der Arbeitsgruppe gehandelt wird, versprach vor allem einen transparenten und offenen Prozess.

"Wir dürfen bei der anstehenden Aufgabe nicht weniger kreativ sein, als es die waren, die das Internet erfunden haben", sagte Annan weiter. Der Bedarf nach einem Management für das Internet sei aber klar und die Hauptanforderung dabei sei, die Ansprüche und Bedürfnisse der Völker dabei zu berücksichtigen. Allerdings bedeute dies nicht, "dass es in traditioneller Weise geschehen muss". (Monika Ermert) / (anw)