Marktchance: Consumer brauchen Mini-RAID und NAS
In kleinen Firmen wie auch bei Heimanwendern wächst der Bedarf an vernetztem Speicher. Marktforscher prognostizieren für Consumer-NAS ein jährliches Absatzwachstum von weltweit 40 Prozent. Gleichzeitig gilt es, den Datenbestand mit RAID vor dem Ausfall einer Harddisk zu schützen. Der Fachhandel kann hier profitieren, muss sich aber geringen Margen und einem harten Wettbewerb stellen.
Noch werden vor allem USB-NAS-Systeme gekauft, Geräte mit Netzwerkschnittstelle sind aber auf dem Vormarsch.
(Bild:Â Buffalo)
Unverkennbar ist der Trend zu mehr Speicherkapazität. Externe USB-Festplatten verkaufen sich seit Jahren wie "warme Semmeln". Doch so preiswert und einfach zu handhaben einzelne Laufwerke auch sein mögen, sie lassen sich jeweils nur von einem Anwender an einem PC nutzen. Immer mehr Anwender erkennen daher die Vorteile von vernetztem Speicher.
Eine weitere Erkenntnis: Crasht eine Harddisk, droht bei Kapazitäten von bis zu zwei Terabyte pro Platte ein immens hoher Datenverlust. Dagegen schützt – neben dem obligatorischen Backup – nur ein Disk-Array. Das heißt in der Praxis: Ein gespiegeltes Laufwerk (RAID 1) oder ein Mini-RAID/NAS-System mit vier bis sechs Platten.
"Immer mehr Unternehmen und Freiberufler verstehen die Wichtigkeit der Datensicherung und Vorteile einer zentralen Speichereinheit im Netzwerk", argumentiert Björn Kaun, Senior Key Account Manager bei Iomega. Während früher mit der Anschaffung eines NAS-Gerätes erhebliche Kosten verbunden waren, sind die Produkte inzwischen in günstigen Preisregionen angelangt. Damit ist das wichtige Thema der Datensicherung und -rückgewinnung auch für kleine und mittelständische Unternehmen finanzierbar. "Kleine kompakte Lösungen sowohl Tower- aber auch Rack-Systeme mit vier bis fünf Platten verkaufen sich sehr gut", bemerkt denn auch Bernd Widmaier, Vertriebsleiter bei Starline. "Sie bieten genau das, was viele Kunden benötigen: Kapazitäten bis zehn TByte, und das recht kostengünstig."
Markt fĂĽr Consumer-NAS mit hohem Wachstumspotenzial
Mini-RAID/NAS-Systeme sind unterdessen keine Innovation aus jüngster Vergangenheit. Doch erst heute wird das Produktangebot auch den Bedürfnissen der Anwender gerecht. Zur Zielgruppe gehören kleine Firmen, Büros, Freiberufler, Arbeitsgruppen – und auch Heimanwender. Aus ihrer Sicht müssen die kompakten Disk-Arrays eine akzeptable Performance bieten, einfach bedienbar und möglichst energiesparend und leise sein. Die ersten NAS-Serien, die vor rund vier Jahren auf den Markt kamen, konnten kaum eines dieser Kriterien erfüllen. Das ändert sich zunehmend. Speziell die neue NAS-Produktgeneration mit Gigabit-Ethernet und Atom-Prozessoren sind eine echte Speicheralternative für zu Hause und das Büro (siehe auch "Zwischen den Welten", c't 5/2010, S. 110).
In Deutschland wird derzeit monatlich eine fünfstellige Stückzahl umgesetzt. Hersteller Buffalo Technology, der Analysten von In-Stat zufolge weltweite Marktführer, gilt auch hierzulande als führend. Genaue Zahlen liegen offiziell nicht vor, Branchenbeobachter gehen aber davon aus, dass Buffalo monatlich in Deutschland 5000 bis 6000 Mini-RAIDs absetzt. Das Gros der Verfolger wie Iomega, Promise, Qnap, Synology und Thecus sollte Schätzungen zufolge den Markt mit einer niedrigen vierstelligen Stückzahl bedienen. Data Robotics brüstet sich damit, in rund zwei Jahren weltweit mehr als 100 000 Stück seiner Drobo-Systeme verkauft zu haben.
"Insbesondere im Consumer-Markt sehen wir eine durchwegs positive Entwicklung", erklärt Matthias Schneider, Business Group Manager Networking & Software Group bei Ingram Micro Distribution. "Dort ist das Datenwachstum durch digitale Fotos und Videos stärker als im Unternehmensumfeld und die Heimvernetzung im CE-Bereich treibt auch die Nachfrage nach Speicherplatz mit ortsunabhängiger Zugriffsmöglichkeit an."
In-Stat zufolge wachsen die Verkaufszahlen von Consumer-NAS zwischen 2009 und 2014 um jährlich durchschnittlich fast 40 Prozent. Bis 2011 soll sich Europa zum führenden Markt im Bereich NAS-Systeme für Endverbraucher entwickeln, mit Deutschland an der Spitze. Insgesamt teilt sich das Segment in Komplettsysteme mit integrierten Festplatten und NAS-Leergehäuse. Zwar wird beides bereits im Retail und vor allem im Onlinehandel angeboten, selbsterklärend sind die Produkte jedoch noch lange nicht.
Direct-Attached-Storage verkauft sich besser
Das Abverkaufsverhältnis spricht eindeutig für USB-Modelle, die direkt am PC betrieben werden. "Was die Stückzahlen betrifft, gehen zirka 80 Prozent auf das Konto von USB", erklärt Hormoz Vardeh, Team Manager Storage bei Actebis Peacock. "Betrachtet man den Wert, entfallen rund 60 Prozent auf USB und 40 Prozent auf NAS-Systeme."
Gegen 2,5-Zoll-Festplatten in NAS-Systemen spricht der hohe Preis. Zu den Vorteilen zählen jedoch die damit mögliche sehr kompakte Bauweise und geringerer Energiebedarf.
(Bild:Â Synology)
Der Münchener Distributor CTT adressierte das Segment bereits frühzeitig vor allem mit Thecus-Arrays. Einkaufsleiter Rigo Klemm beziffert den NAS-Anteil momentan mit 30 Prozent, Tendenz steigend. "Im Firmenbereich ist die Netzwerkfunktion im Grunde immer gefragt – zum Teil gefordert", konstatiert Klemm.
Ein Wettbewerb zwischen USB und NAS findet allerdings nicht statt. "Vielmehr beobachten wir eine Koexistenz", erklärt Ingram-Manager Schneider. "USB-Festplatten werden als portable Speicher genutzt, NAS-Server dagegen als überwiegend ortsgebundene, zentrale Datenbank."
Barebone- oder Komplettsysteme
In der Broadline Distribution verkaufen sich, speziell im Multibay-Bereich, Barebone-Systeme sehr gut. Anwender wie Reseller können die von ihnen favorisierten Laufwerke einbauen und erzielen in der Regel durch den Kauf von einzelnen Komponenten einen etwas niedrigeren Preis. Wie das heise resale Preisradar zeigt, sind vor allem NAS-Leergehäuse von Synology, Qnap und D-Link gefragt. Der durchschnittliche Angebotsspreis im Onlinehandel liegt bei rund 180 Euro. Im Vergleich zur KW 10 sind die Preise um 34 Prozent gefallen. Marktbeobachtern zufolge sollen derzeit vor allem ältere NAS-Gehäuse abverkauft werden. Denn künftig werden sich nur noch neuere Modelle mit den schnelleren Atom-CPUs absetzen lassen.
Speziell Festplatten mit den höchsten Speicherkapazitäten haben in der Vergangenheit auf die Dauer nicht unbedingt fehlerfrei in den Leergehäusen funktioniert. Die Anbieter von Komplettsystemen wie Buffalo, Iomega oder Netgear propagieren daher natürlich die Vorteile getesteter und eingerichteter Lösungen. Hier gibt es für den Fachhändler bei Bedarf nur einen Ansprechpartner.
Auch wenn die kleinen Arrays vor allem durch ihre günstigen Anschaffungskosten punkten, darf der Preis kein Kaufkriterium sein. "Es gibt riesige Unterschiede, was die Performance der Systeme angeht und so sind gerade die günstigeren Lösungen mit eher langsamen Prozessoren ausgestattet", warnt Starline-Manager Widmaier. "Auch werden häufig Festplatten eingesetzt, die nicht für den Dauerbetrieb bzw. den Betrieb in Mehrplattensystemen geeignet sind." Auch im SOHO-Bereich müsse die Zuverlässigkeit eine ganz entscheidende Rolle einnehmen.
Entwicklung: Schneller und einfacher
Der Handel kann davon ausgehen, dass sich dieses Segment in den kommenden Jahren dynamisch und schnell entwickelt. "NAS für den SOHO- und KMU-Bereich bleibt ein Trend und wird zunehmend professioneller", erwartet Andreas Arndt, Sales Director Europe bei Buffalo Technology. "Im privaten Umfeld gewinnt das Heimnetzwerk an Bedeutung. Menschen möchten ihre Erfahrungen und Eindrücke teilen, im Internet funktioniert das über Social Communitys, zu Hause über das eigene Netzwerk mit einem NAS als zentralem Datenspeicher."
Die Geschwindigkeit ist ein zentrales Thema in der Produktweiterentwicklung. Noch gibt es keine konkreten Ankündigungen, doch kann der Handel ab April mit den ersten USB-3.0-Arrays rechnen. "Kommende NAS-Lösungen werden außerdem vermehrt über Funktionen verfügen, die genau auf den Anwender zugeschnitten sind, sowohl hinsichtlich des Austausches von Inhalten mit Freunden und der Familie als auch des Fernzugriffs auf Daten von einer Vielzahl von Geräten aus", ergänzt Thomas Jell, Managing Director Central Europe bei Netgear.
LG liefert seine NAS-Serie mit einem integrierten Blu-ray-Brenner als Backup-Lösung aus.
(Bild:Â LG)
"Der Trend hin zu einfachen Geräten und Anwendungen hält an", erwartet Elisabeth Harth, Sales Manager bei Data Robotics. "Fotografen und andere Kreative haben weder Zeit noch Lust sich mit komplexen RAID-Systemen auseinanderzusetzen. Bei unseren Drobo-Systemen lassen sich unter anderem Festplatten unterschiedlicher Hersteller und Größen miteinander kombinieren."
Vor allem mit Blick auf den heimischen Markt wird auch das Design eine stärkere Rolle einnehmen. "Aufgrund von immer größeren 2,5-Zoll-Laufwerken kommen künftig sehr kleine, leise, wohnzimmergeeignete NAS-Lösungen", prophezeit Henry Atzkern, Field Applications Staff Engineer Central Europe bei Seagate Technology.
Den Volumenmarkt werden die 2- bis 4-Bay-Systeme bestimmen. Hier rechnen Hersteller und Distributoren mit dem größten Angebotszuwachs. Es kommen immer noch neue Anbieter hinzu, was mit großer Sicherheit einen aggressiveren Preiskampf auslösen wird. Zu beachten ist sicherlich Iomega. EMC hat 2008 über 200 Millionen US-Dollar in die Akquise dieses Unternehmens investiert. Erklärtes Ziel ist es, die Marke Iomega bis 2011 als Marktführer bei NAS-Systemen für Heim- und Small-Business-Anwender zu etablieren. Und es empfiehlt sich, auch LG im Auge zu behalten, denn der koreanische Hersteller hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Momentan hat aber noch Buffalo die Nase vorn.
An der reinen Verkaufsmarge im NAS-Umfeld wird der Handel in den kommenden Jahren zwar keine richtige Freude haben, doch das Volumen hat Potenzial. Denn mit der Vernetzung und dem rapide steigenden Datenvolumen stehen auch private Anwender bald vor Problemen wie Storage- und Datenmanagement, dem Backup und Recovery großer Datenmengen – Herausforderungen, mit denen bislang primär Rechenzentren konfrontiert waren. Und mit dem Kundensegment der kleinen und mittelständischen Unternehmen öffnet sich dem Handel ein sehr großes Betätigungsfeld. (map)