Bericht: Musikindustrie nutzt Tauschbörsen für die Marktbeobachtung

Ganz so ausschließlich schädlich, wie die Musikindustrie immer behauptet, sind P2P-Dienste doch nicht, wenn man einem Zeitungsbericht Glauben schenkt.

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Für die Musikindustrie steht neben der schwächelnden Konjunktur ein Hauptschuldiger für die von ihr als miserabel empfundenen Umsätzen längst fest: die P2P-Tauschbörsen. Millionen von Musikstücken würden dort illegal vertrieben und kosteten den Plattenfirmen Unmengen von US-Dollar. Dass der Zusammenhang nicht unbedingt so eindeutig sein muss, wie ihn die Musikfirmen gerne hätten, haben schon so manche Kritiker oder auch Wissenschaftler angemerkt. Die Silicon-Valley-Tageszeitung San Jose Mercury News rückt nun zusätzlich noch einen anderen Aspekt in das Rampenlicht: Die Musikindustrie nutze Filesharing-Dienste für die Marktbeobachtung. Außerdem machten Plattenfirmen in ihnen gezielt Werbung für neue Musikalben oder verkauften Musikstücke direkt.

Für die US-amerikanische Musikindustrie ein heikles Thema, denn sie ist in der Vergangenheit radikal gegen die Tauschbörsen vorgegangen, von denen sie aber gleichzeitig auch zu profitieren scheint. Denn die Musikstücke, die über die P2P-Börsen getauscht werden, geben ein gutes Abbild der Nachfrage unter den Musikfans ab. So berichtet die Zeitung, Plattenfirmen hätten Marktforscher damit beauftragt, die Tauschbörsen in dieser Hinsicht zu beobachten. Auf diese Weise bekomme sie Daten, anhand denen Musikstücke gezielt bei Radiostationen oder Fernsehsendern lanciert oder auch das richtige Stück aus einem Album ausgekoppelt werden könne. (anw)