Milia: Fox bringt TV-Serien aufs Handy

Der US-Sender Fox hat zwei 60-sekĂĽndige Pilot-Spots fĂĽr die erste Fernsehserie auf dem Mobiltelefon vorgestellt, die er international vermarkten will.

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Nach dem ungebrochenen Erfolg von Reality-TV-Serien und Voting-Shows auf der Mattscheibe wagt der US-Sender Fox TV nun den Schritt in die mobile Welt. Lucy Hood, zuständig für Content und Marketing bei der Mutterfirma News Corporation, hat am heutigen Donnerstag auf der Milia in Cannes zwei Pilot-Episoden für die erste Fernsehserie vorgestellt, die direkt für Handys produziert werden soll. "Das ist ein völlig neues Format", erklärte Hood nicht ohne Stolz. Die Spots dauern jeweils 60 Sekunden lang. "Das scheint uns von der Natur der Sache her gut auf einem Mobiltelefon anschaubar zu sein", begründete die Content-Expertin die Zeitwahl. Gleichzeitig bleibe genügend Raum, um die Akteure einzuführen, die Handlung voranzutreiben und einen Aufhänger für den nächsten Teil zu finden.

Die Story der ersten beiden Episoden ist naturgemäß recht simpel. Einen konkreten Titel für die Serie gibt es noch nicht. "Hotel Hollywood" fiel Hood auf Nachfrage von heise online als erstes ein. Es geht um eine hübsche Brünette, die anscheinend Dates mit George Clooney und anderen Megastars hat. Als dies ein junger Mann beim Check-in an der Rezeption mitbekommt, wird er neugierig und möchte die Dame kennen lernen. Im Teil 2 geht es dann um die Frage, ob es sich um eine Prostituierte der High-Society handelt, und natürlich bekommt ihr Verehrer Stress mit seiner eigenen Freundin.

Wann genau es losgeht mit dem Hollywood-Entertainment per Video auf dem Handy, ist noch ungewiss. "Wir wollen den Piloten auf jeden Fall international vertreiben", stellte Hood klar. Noch suche man nach einem entsprechend aufgestellten Netzbetreiber als Distributionspartner. Sobald der gefunden sei, werde man durchstarten. News Corp. spricht dabei auch mit europäischen Betreibern, betonte Hood gegenüber heise online.

Die zum Imperium von Rupert Murdoch gehörende Medienfirma kooperiert bereits mit dem britischen Konzern Vodafone, um die Kultserie Simpsons über das Handy zu vermarkten. So können sich Nutzer des Multimedia-Portals Vodafone Live einen ersten Spot über die chaotische US-Cartoon-Familie anschauen, Logos herunterladen oder E-Cards für MMS-Grüße auswählen. Als großen Erfolge bezeichnete Hood zudem die Abstimmung für American Idol, das US-Pendant zu "Deutschland sucht den Superstar", die News Corp. gemeinsam mit dem Anbieter AT&T abwickelte. An der Casting-Show beteiligten sich die Nutzer mit 7,5 Millionen SMS -- und das, obwohl die Handy-Kurzmitteilungen in den USA vorher noch so gut wie unbekannt waren.

Auch die Hollywood-Tochter 20th Century Fox testet derweil Neuland auf dem Mobiltelefon aus: Den ersten auf das Handy zugeschnittenen Trailer kündigte Hood für den Katastrophenstreifen "The Day After Tomorrow" an. Daneben hat News Corp. für die Komödie "The Girl Next Door" das angeblich erste globale Spiel auf der Kinobasis fürs Mobiltelefon entwickelt. Per Premium-SMS können sich die amerikanischen User zudem selbst für "Sneak Previews" des Films einladen.

Hood sieht im Multimedia-Handy vor allem die Chance, die Massenmedien mit auf einer persönlicheren Basis arbeitenden Medien zu verbinden. "Peer-2-Peer dominiert den mobilen Raum", betonte die Marketingexpertin. Mit P2P meint die Vertreterin der Medienindustrie jedoch keineswegs Filesharing, wie sie auf Nachfrage erläuterte. Es gehe ihr darum, dass das Handy vor allem für persönliche Kommunikationselemente genutzt werde, die im Fernsehen so nicht erreichbar sei.

Das größte Hindernis für das Aufgehen der neuen Mobilstrategie sieht sie im Wirrwarr der Standards für das Abspielen von Videos auf den Handys der unterschiedlichen Hersteller: Die Komplexität, einen Clip auf mehreren Plattformen zum Laufen zu bringen, sei deutlich größer, als Hollywood-Größen zur Kreation genuiner Inhalte fürs Handy zu gewinnen. Die Integration eigener Produktionen in verschiedene Handsets sei momentan kaum in einem erträglichen Zeitrahmen zu bewältigen. (Stefan Krempl) / (jk)