IP-Verwalter behalten das Heft in der Hand

Die vier IP-Adressverwaltungen haben sich mit der ICANN ĂĽber die Art ihrer Zusammenarbeit geeinigt.

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Von
  • Monika Ermert

Die vier IP-Adressverwaltungen und die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) haben sich nach jahrelangen Verhandlungen endlich über die Art ihrer Zusammenarbeit geeinigt (PDF). Das gaben Vertreter der IP-Adressverwaltungen (RIRs) und der ICANN gestern beim Treffen der lateinamerikanischen IP-Registry LACNIC in Montevideo bekannt. Die ausgehandelte Vereinbarung (Memorandum of Understanding, PDF) ersetzt die bislang innerhalb der ICANN für die RIRs zuständige Adress Supporting Organisation (ASO) durch einen von den Adressverwaltungen selbst gegründeten "Nummern-Rat". Die IP-Verwalter behalten damit Entscheidungen zu den Spielregeln der IP-Adressvergabe weitgehend in eigener Hand.

Im Vergleich zu ihren Kollegen von den Domainregistraturen haben sich die IP-Verwalter mit der Vereinbarung ein gutes Stück Unabhängigkeit gesichert. Während der Querelen um die ICANN-Reform hatten sie zeitweilig gedroht, sich komplett aus der Zusammenarbeit zurückzuziehen und die entsprechenden Aufgaben bei der von ICANN verwalteten IANA selbst zu übernehmen. Die IANA, der Kern der Netzverwaltung aus Zeiten Jon Postels, vergibt die Adressblöcke an das RIPE (Europa, Naher Osten, Teile von Afrika), an ARIN (Nordamerika, Teile von Afrika), APNIC (Asien-Pazifik) und LACNIC (Lateinamerika). Eine afrikanisches Gegenstück (AfriNIC) ist in Planung.

Als große internationale Mitgliederorganisationen sind sie bislang auch vom Trend verstärkter nationalstaatlicher Regulierung verschont geblieben. Diese Unabhängigkeit haben sie bei den Verhandlungen genutzt. Für ICANN ist die Vereinbarung trotz der Zugeständnisse an die RIRs ein Erfolg. Eine Integration der Nummernverwaltung gehört zu den Vorbedingungen für die vom US Handelsministerium bei ICANNs Gründung in Aussicht gestellte "Abnabelung" von der US-Aufsicht.

Die RIRs haben weniger Zugeständnisse an die ICANN gemacht als ihre Kollegen von den Domainverwaltungen. Sie entscheiden unabhängig über die Zusammensetzung der neuen ASO. ICANN kann ihnen so niemanden einfach vor die Nase setzen, die Manager der Länderdomains (ccTLDs) etwa wählen nur die Hälfte ihre Vertreter. Neue Spielregeln verabschieden die RIRs einstimmig innerhalb ihrer Mitgliederorganisationen, dann werden sie über den Nummern-Rat ICANNs Vorstand zur "Ratifizierung" vorlegt. Der kann zwar ablehnen, aber nur innerhalb bestimmter Fristen und mit einer Zweidrittelmehrheit. Im Streitfall entscheidet ein Schiedsverfahren. Im übrigen sollen ICANN ohnehin nur vorgelegt werden, was einer Implementierung durch die IANA bedarf. Immerhin dürfen ICANNs Direktoren den Nummer-Rat auch auffordern, etwas neu zu regeln, aber bitte nur mit guter Begründung.

Nicht zuletzt haben sich die RIRs auch für den Fall abgesichert, dass ICANN doch noch von einer anderen Organisation -- sei es nun eine UN-Organisation oder ICANN III -- abgelöst wird. Die Vereinbarung, die nach einer kurzen Einwendungsfrist von beiden Seiten unterzeichnet werden soll, kann nicht übertragen werden. (Monika Ermert) / (tol)