US-Regierungsangestellten droht Filesharing-Bann

Das US-Repräsentantenhaus hat mit großer Mehrheit den Secure Federal File Sharing Act verabschiedet, wonach auf Rechnern von Mitarbeitern öffentlichen Verwaltung keine P2P-Programme mehr installiert werden dürften.

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Das US-Repräsentantenhaus hat Mitte der Woche mit großer Mehrheit einen Gesetzesentwurf verabschiedet, wonach auf den Rechnern von Regierungsmitarbeitern keine Filesharing-Applikationen mehr installiert werden dürften. Der Vorstoß für einen "Secure Federal File Sharing Act" passierte die Kammer des US-Kongresses mit 408 zu 13 Stimmen, wie der New Yorker Abgeordnete Edolphus Towns mitteilte. Der den Demokraten angehörende Politiker hatte den Entwurf ins Parlament eingebracht. Seiner Ansicht nach kann der Gesetzgeber "nicht länger die Gefahren für sensible Regierungsinformationen, Unternehmen und Verbraucher ignorieren, die von unsicheren Peer-to-Peer-Netzwerken ausgehen". Das Absichern von Daten auf Verwaltungsrechnern sei "entscheidend für unsere innere Sicherheit".

Die Initiative sieht vor, dass der Leiter des Office of Management and Budget (OMB) im WeiĂźen Haus in Absprache mit dem Rat der IT-Beauftragten des Bundes innerhalb von 90 Tagen nach Inkrafttreten des Gesetzes Richtlinien ausarbeiten soll, um das Herunterladen, Einrichten oder die Nutzung von Filesharing-Software in offenen Netzwerken zu verhindern. Eingeschlossen werden sollen auch die Rechner von Regierungsmitarbeitern zuhause, wenn sie fĂĽr den Fernzugang zu Verwaltungsnetzen konfiguriert sind.

Geplant ist ferner, dass sich die Restriktionen auch auf PCs von Angestellten von Firmen oder Einrichtungen beziehen, die mit Regierungsstellen auf Vertragsbasis zusammenarbeiten. Ausnahmen sind vorgesehen für Mitarbeiter, für die eine Nutzung von P2P-Netzen unerlässlich ist etwa für die Abwicklung eines Projekts oder zur Strafverfolgung. Das OMB soll zudem jährlich Ausschüssen des Repräsentantenhauses einen Bericht über die Einhaltung der Bestimmungen nebst einer Auflistung der Sondergenehmigungen vorlegen.

Die Abgeordneten reagieren mit dem Vorhaben auf Medienberichte über das Entfleuchen mehrer vertraulicher Verwaltungsdokumente in P2P-Netzwerke. Darunter befanden sich unter anderem eine Liste laufender Untersuchungen des Ethikausschusses des Repräsentantenhauses, technische Details über den "Marine One"-Hubschrauber oder diverse andere nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Informationen über US-Militärprogramme. Auch Ortsangaben zu Schutzräumen für die Familie des US-Präsidenten wanderten im vergangenen Sommer via Filesharing ins Netz. Für Towns ist damit klar, dass die Sicherheitsrisiken die "großen Potenziale" von P2P-Netzen übersteigen.

Der Entwurf muss noch vom Senat behandelt werden. Dort wird derzeit aber ĂĽber einen anderen Ansatz beraten. So soll der "P2P Cyber Protection and Informed User Act" Filesharing-Nutzer davor bewahren, unachtsam DatenschutzlĂĽcken zu erzeugen und unwissentlich Sicherheitsverletzungen zu begehen. Die Anbieter von Software zum Gebrauch von P2P-Netzen mĂĽssten demnach die Anwender jeweils klar darauf hinweisen, dass Dateien auf ihrer Festplatte zum Tausch freigegeben werden. (jk)